
Die Vereinigten Arabischen Emirate haben neue Erkenntnisse zum Zwischenfall auf einem Passagierflug von Dubai nach Tel Aviv veröffentlicht. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft soll der Copilot geplant haben, die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen und es gegen das Passagierterminal des israelischen Ben-Gurion-Flughafens zu steuern. Die Behörden gehen von einem vorbereiteten Anschlagsplan aus. Die Maschine war am 30. September 2026 nach einem Angriff im Cockpit nach Saudi-Arabien umgeleitet worden und dort sicher gelandet. Die strafrechtlichen Ermittlungen dauern an.
Der Generalstaatsanwalt der Vereinigten Arabischen Emirate, Hamad Saif Al Shamsi, stellte am Freitag, 9. Oktober 2026, weitere Ergebnisse der Untersuchung vor. Demnach soll der aus Oman stammende Copilot einen Selbstmordanschlag geplant haben, bei dem das Passagierterminal des Ben-Gurion-Flughafens nahe Tel Aviv getroffen werden sollte.
Nach Darstellung der Ermittler hatte sich der Copilot bereits vor dem Flug mit der möglichen Durchführung beschäftigt. Er soll die Flugroute sowie die Gegebenheiten am Zielflughafen untersucht und dafür zwei frühere Flüge nach Tel Aviv genutzt haben. Am 30. September habe er seinen Plan während eines weiteren Fluges umsetzen wollen.
Die Generalstaatsanwaltschaft erklärte außerdem, der Copilot habe sich an den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten orientiert. Diese Einschätzung stützt sich auf die bisherigen Ermittlungen und die Angaben des Copiloten. Eine unabhängige Bestätigung sämtlicher Einzelheiten der mutmaßlichen Planung lag zunächst nicht vor.
Der Flydubai-Flug FZ1073 war am 30. September von Dubai nach Tel Aviv unterwegs. Während sich das Flugzeug im saudischen Luftraum befand, kam es zu einem Angriff auf den verantwortlichen Piloten.
Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft soll der Copilot den Kapitän mit einer im Cockpit befindlichen Notfallaxt angegriffen haben. Der Kapitän habe sich gewehrt und versucht, Unterstützung anzufordern. Während der Auseinandersetzung geriet die Maschine in einen starken Sinkflug. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters verlor sie innerhalb von etwa 30 Sekunden rund 4.900 Meter an Höhe.
Entscheidend für die weitere Entwicklung war die Anwesenheit zusätzlicher Piloten an Bord. Ein für den Rückflug eingeteilter Pilot bemerkte nach Darstellung der Ermittler ungewöhnliche Bewegungen der Cockpittür. Er gelangte in das Cockpit und griff gemeinsam mit einem Mitglied der Kabinenbesatzung sowie mehreren Passagieren ein.
Der Copilot wurde überwältigt. Anschließend gelang es den zusätzlichen Piloten, die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen und die Maschine zum Flughafen Tabuk in Saudi-Arabien umzuleiten.
Flydubai bestätigte die sichere Landung. Nach Unternehmensangaben befanden sich insgesamt 172 Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord. Der verletzte Kapitän wurde medizinisch versorgt und konnte später in die Vereinigten Arabischen Emirate zurückkehren.
Ein wesentlicher Bestandteil der neuen Ermittlungsangaben betrifft die Vorbereitung des mutmaßlichen Anschlags. Nach Auffassung der Behörden nutzte der Copilot zwei Flüge nach Tel Aviv, um sich mit der Strecke und dem Flughafen vertraut zu machen.
Auch die berufliche Laufbahn des Mannes wurde untersucht. Er war nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwischen 2020 und 2024 für Oman Air tätig und kam im Januar 2026 zu Flydubai. Dazwischen lag eine berufliche Station beziehungsweise Ausbildungsphase bei Royal Air Maroc.
Die Ermittler beschäftigen sich außerdem mit früheren Aufenthalten des Copiloten in Australien. Nach ihrer Darstellung soll er dort während seines Studiums im Jahr 2017 mit extremistischen Inhalten in Kontakt gekommen sein. Die Behörden führen seine mutmaßliche Radikalisierung auf diesen Zeitraum zurück.
Ob sämtliche von den Ermittlern beschriebenen Einflüsse und Kontakte tatsächlich eine Rolle bei der späteren Tatplanung spielten, ist damit nicht unabhängig geklärt.
Die Generalstaatsanwaltschaft hat auch die Einstellungsunterlagen des Copiloten überprüft. Nach ihren Angaben erfüllte der Mann die formalen beruflichen und sicherheitsbezogenen Voraussetzungen für seine Tätigkeit.
Dazu gehörten eine gültige Pilotenlizenz, ein Führungszeugnis beziehungsweise ein entsprechender Nachweis über seine persönliche Zuverlässigkeit sowie die vorgeschriebenen Kontrollen im Einstellungsverfahren.
Den Ermittlern zufolge ergaben diese Prüfungen keine Hinweise auf extremistische Einstellungen oder eine mögliche Anschlagsabsicht. Damit stellt sich die Frage, welche Informationen Fluggesellschaften bei der Überprüfung ihres Cockpitpersonals zur Verfügung stehen und wie sicherheitsrelevante Erkenntnisse zwischen verschiedenen Staaten ausgetauscht werden.
Eine strafrechtliche Verantwortung von Flydubai oder einzelner Beschäftigter wurde in der Mitteilung der Generalstaatsanwaltschaft nicht festgestellt. Die Untersuchungen zu den Umständen der Beschäftigung sind Teil der umfassenderen Aufarbeitung des Vorfalls.
Der Zwischenfall hat unmittelbare Folgen für den internationalen Flugverkehr. Flydubai hat seine Flüge von und nach Israel vorübergehend eingestellt.
Die Fluggesellschaft bestätigte, dass diese Entscheidung in Abstimmung mit den zuständigen Behörden getroffen wurde. Die Unterbrechung soll während der laufenden Ermittlungen bestehen bleiben. Ein konkreter Termin für die Wiederaufnahme der Verbindungen wurde zunächst nicht genannt.
Das Unternehmen erklärte zudem, eng mit den zuständigen Stellen zusammenzuarbeiten. Für betroffene Reisende sollen nach Möglichkeit alternative Verbindungen und Unterstützung bei der weiteren Reise organisiert werden.
Die Flugverbindung zwischen Dubai und Tel Aviv ist auch politisch von Bedeutung. Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel im Jahr 2020 bestehen direkte Flugverbindungen zwischen beiden Staaten. Die zeitweise Aussetzung trifft damit eine wichtige internationale Verbindung im Nahen Osten.
Parallel zu den strafrechtlichen Ermittlungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten wird der Zwischenfall auch unter Gesichtspunkten der Flugsicherheit untersucht.
Saudi-Arabien hat nach Informationen von Reuters eine eigene Sicherheitsuntersuchung zum Flug FZ1073 eingeleitet. Das Flugzeug befand sich während des Angriffs im saudischen Luftraum und landete anschließend in Tabuk.
Die amerikanische Flugunfallbehörde NTSB bestätigte Reuters gegenüber, einen Vertreter für die Untersuchung benannt zu haben. Hintergrund ist unter anderem, dass es sich bei der betroffenen Maschine um ein in den Vereinigten Staaten entwickeltes und hergestelltes Flugzeug vom Typ Boeing 737 MAX handelt.
Anders als bei strafrechtlichen Ermittlungen steht bei solchen Untersuchungen die technische und organisatorische Flugsicherheit im Vordergrund. Dazu gehören etwa Cockpitverfahren, betriebliche Abläufe und Möglichkeiten zur Verhinderung vergleichbarer Zwischenfälle. Ob und wann Saudi-Arabien einen vollständigen Untersuchungsbericht veröffentlicht, war zunächst offen.
Nach Darstellung der emiratischen Generalstaatsanwaltschaft hat der Copilot im Rahmen seiner Vernehmung Angaben zur Planung und Durchführung gemacht. Die Behörden erklärten, dass er dabei anwaltlich begleitet worden sei.
Der Mann soll angegeben haben, allein gehandelt zu haben. Die Ermittler überprüfen jedoch weiterhin, ob andere Personen beteiligt gewesen sein könnten oder zusätzliche Verbindungen bestehen.
Zu den weiteren Untersuchungsschritten gehören die Auswertung technischer Aufzeichnungen, die Prüfung digitaler Beweismittel und die Befragung von Besatzungsmitgliedern. Auch die Verletzungen des Kapitäns wurden nach Behördenangaben rechtsmedizinisch untersucht.
Eine abschließende Bewertung sämtlicher Umstände steht noch aus. Mit den Angaben vom 9. Oktober haben die Vereinigten Arabischen Emirate erstmals ein konkretes mutmaßliches Anschlagsziel und weitere Einzelheiten zur Vorbereitung des Vorfalls offiziell benannt. Die Ergebnisse der noch laufenden Untersuchungen könnten insbesondere für die Sicherheitsverfahren international tätiger Fluggesellschaften von Bedeutung sein.
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