Neuer foodwatch-Report kritisiert Wasserentnahmen der Getränkeindustrie

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Die Verbraucherorganisation foodwatch fordert strengere Regeln für die Nutzung von Grundwasser durch große Getränkehersteller. Der am Freitag, 6. November 2026, vorgestellte foodwatch-Report zur Wasserknappheit untersucht die Produktionsstandorte großer Unternehmen, die Höhe der Wasserentnahmeentgelte und die Vergabe von Förderrechten. Nach Angaben der Organisation liegen 39 von 61 untersuchten Standorten in Landkreisen mit erhöhtem Grundwasserstress. An mindestens fünf Standorten müssen Hersteller demnach kein Wasserentnahmeentgelt zahlen.

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Getränkehersteller zahlen teilweise nur wenige Cent für Grundwasser

Für den Report untersuchte foodwatch die 15 absatzstärksten Getränkehersteller in Deutschland. Dazu gehören Unternehmen wie Coca-Cola, Refresco und die zur Schwarz-Gruppe gehörende MEG. Nach Angaben der Verbraucherorganisation erlauben die zuständigen Behörden teilweise erhebliche Grundwasserentnahmen zu vergleichsweise niedrigen Entgelten. Einige Wasserrechte gelten über Jahrzehnte, andere sind unbefristet.

Die Gebühren unterscheiden sich zwischen den Bundesländern deutlich. In Hessen und Thüringen gibt es kein allgemeines Wasserentnahmeentgelt. Für einen Standort von Coca-Cola beziffert foodwatch die Abgabe auf fünf Cent je Kubikmeter Grundwasser. Bayern erhebt seit dem 1. Juli 2026 grundsätzlich zehn Cent pro Kubikmeter. Ein Kubikmeter entspricht 1.000 Litern Wasser.

Die reinen Entnahmeentgelte lassen sich allerdings nicht unmittelbar mit dem Trinkwasserpreis privater Haushalte vergleichen. Dieser umfasst zusätzlich Kosten für Wassergewinnung, Aufbereitung, Leitungsnetze und Versorgung. Bei Unternehmen mit eigenen Brunnen entstehen ebenfalls weitere Kosten für Förderung und Betrieb.

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Behörden geben nur begrenzt Auskunft über Fördermengen

Ein weiterer Schwerpunkt des Reports ist die Transparenz bei der Vergabe von Wasserrechten. foodwatch stellte nach eigenen Angaben mehr als 100 Informationsanfragen an Behörden. Für 22 der 61 untersuchten Standorte erhielt die Organisation keine Angaben zur genehmigten Fördermenge. Die tatsächlich entnommenen Wassermengen wurden lediglich für 17 Standorte mitgeteilt. Genaue Angaben zu den Entnahmeentgelten lagen für elf Standorte vor.

Die Verbraucherorganisation kritisiert, dass Informationen über Wasserrechte und Fördermengen teilweise nicht herausgegeben würden. In einigen Fällen hätten Behörden auf Interessen der Unternehmen verwiesen. Damit bleibe die wirtschaftliche Nutzung der Grundwasservorkommen für die Öffentlichkeit häufig nur eingeschränkt nachvollziehbar.

Grundwasserstress betrifft zahlreiche Regionen Deutschlands

Die regionale Bewertung stützt sich auf eine 2025 veröffentlichte Untersuchung des Instituts für sozial-ökologische Forschung im Auftrag des Umweltverbandes BUND. Demnach weisen 201 von 401 Landkreisen und kreisfreien Städten Anzeichen von strukturellem oder akutem Grundwasserstress auf. Die Studie berücksichtigt unter anderem langfristige Entnahmemengen, Grundwasserneubildung und Veränderungen der Grundwasserstände.

Der BUND hatte im Juli 2025 ausdrücklich klargestellt, dass Grundwasserstress nicht automatisch bedeutet, dass in jeder betroffenen Region mehr Wasser entnommen wird, als sich neu bildet. Auch lässt sich aus der Einstufung eines Landkreises nicht ableiten, dass ein einzelner Getränkehersteller eine Übernutzung verursacht. Zudem bezieht sich die Untersuchung auf das obere Grundwasser und nicht unmittelbar auf tiefere Mineralwasservorkommen. Für die Bewertung einzelner Brunnen sind deshalb genauere örtliche Untersuchungen erforderlich.

Mineralwasserbranche widerspricht der Kritik von foodwatch

Der Verband Deutscher Mineralbrunnen weist die Schlussfolgerungen von foodwatch zurück. Der Verband bezeichnet den Report in einer Stellungnahme als wissenschaftlich nicht belastbar und in wesentlichen Teilen irreführend. Nach Darstellung des Verbandes würden regionale Belastungen zu pauschal mit der Wasserförderung einzelner Hersteller verknüpft.

VDM-Geschäftsführer Jürgen Reichle erklärte gegenüber der Frankfurter Rundschau, die Mineralbrunnen gehörten zu den kleineren Grundwasserentnehmern in Deutschland. Ihr Anteil am genutzten Grundwasser liege nach Verbandsangaben unter 0,6 Prozent. Die Unternehmen unterlägen strengen wasserrechtlichen Vorgaben und überwachten ihre Quellen kontinuierlich. Auch der Verband spricht sich grundsätzlich für einheitlichere Entgeltregeln aus, fordert dabei aber eine gerechte Behandlung sämtlicher Nutzergruppen.

foodwatch fordert einheitliche Wasserentgelte und strengere Kontrollen

foodwatch verlangt von der Bundesregierung einen bundesweit verbindlichen Vorrang der öffentlichen Wasserversorgung bei Engpässen. Behörden sollen industrielle Wasserentnahmen bei akutem Mangel stärker begrenzen oder untersagen können. Außerdem fordert die Organisation einheitliche Wasserentnahmeentgelte, die auch Umweltkosten berücksichtigen.

Zusätzlich soll ein öffentlich zugängliches digitales Wasserregister eingeführt werden. Darin sollen genehmigte und tatsächlich entnommene Wassermengen sowie die entsprechenden Entgelte nachvollziehbar sein. Industrielle Wasserentnahmen sollen nach Vorstellung von foodwatch zudem jährlich unabhängig auf ihre Umwelt- und Klimaverträglichkeit geprüft werden.

Das Umweltbundesamt sieht in Deutschland bislang keine flächendeckende Wasserknappheit. Es verweist allerdings auf erhebliche regionale Unterschiede bei der Wasserverfügbarkeit und auf zunehmende Belastungen durch längere Trockenperioden. Auch die unterschiedlichen Wasserentnahmeentgelte der Bundesländer sieht die Behörde kritisch. Möglichkeiten zur bundesweiten Harmonisierung werden bereits untersucht.

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