
Eine deutliche Mehrheit der Menschen in Deutschland nimmt politische Entwicklungen in den Vereinigten Staaten heute als einflussreicher auf das eigene Land wahr als noch vor einigen Jahren. Nach einer repräsentativen Forsa-Umfrage für die Zeitschrift Internationale Politik sagen 67 Prozent der Befragten, der Einfluss sei größer geworden. Damit wird der Einfluss der USA auf Deutschland von einer klaren Mehrheit als gewachsen eingeschätzt.
18 Prozent sehen demnach einen ähnlich großen Einfluss wie vor einigen Jahren. Weitere 11 Prozent sind der Auffassung, die politischen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten hätten inzwischen einen geringeren Einfluss auf Deutschland. Zusammengenommen vertreten damit 29 Prozent eine der beiden letztgenannten Positionen. Forsa befragte für die Untersuchung am 14. August 2026 insgesamt 1.004 Menschen in Deutschland.
Zwischen Ost und West zeigt die Befragung einen erkennbaren Unterschied. In Ostdeutschland sagen 78 Prozent, dass Entwicklungen in den USA heute einen größeren Einfluss auf Deutschland hätten als vor einigen Jahren. Im Westen vertreten 65 Prozent diese Einschätzung. Damit liegt der ostdeutsche Wert 13 Prozentpunkte höher.
Die Umfrage misst dabei ausdrücklich die Wahrnehmung der Befragten. Aus dem Ergebnis lässt sich deshalb nicht ableiten, dass der tatsächliche politische Einfluss der Vereinigten Staaten um einen bestimmten Wert gestiegen ist. Erfasst wurde vielmehr, wie die Bevölkerung die Bedeutung amerikanischer Politik für Deutschland einschätzt.
Der Zeitpunkt der Befragung fällt in die zweite Amtszeit von US-Präsident Donald Trump, in der Entscheidungen Washingtons in mehreren für Deutschland wichtigen Bereichen unmittelbare Auswirkungen entfalten können. Dazu gehören Sicherheitspolitik, Verteidigung, Handel und die Beziehungen zwischen den USA und der Europäischen Union.
Auch zwischen den Altersgruppen gibt es Unterschiede. Besonders auffällig ist der Anteil derjenigen, die den amerikanischen Einfluss heute für geringer halten. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es lediglich 2 Prozent. Unter den 30- bis 44-Jährigen vertreten 6 Prozent diese Position. Bei den Menschen ab 60 Jahren steigt der Anteil dagegen auf 18 Prozent.
Damit sind ältere Befragte vergleichsweise häufiger der Ansicht, dass die Bedeutung amerikanischer Entwicklungen für Deutschland abgenommen habe. Auch in den Altersgruppen überwiegt nach Angaben zur Umfrage insgesamt jedoch die Auffassung, dass der Einfluss größer geworden sei. Vollständige Prozentwerte für sämtliche Antwortmöglichkeiten in jeder einzelnen Altersklasse wurden in der am 29. August verbreiteten Ergebnisdarstellung nicht ausgewiesen.
Auch bei der Parteipräferenz gibt es nach den veröffentlichten Angaben keinen grundsätzlichen Bruch im Meinungsbild. Die Einschätzung eines gewachsenen amerikanischen Einflusses werde von einer großen Mehrheit in allen Wählergruppen geteilt. Konkrete Prozentzahlen für Anhänger von Union, SPD, Grünen, AfD, Linken oder anderen Parteien wurden für diese aktuelle Befragung bislang allerdings nicht ausgewiesen.
Dass die politische Bewertung der Vereinigten Staaten je nach Parteipräferenz dennoch erheblich auseinandergehen kann, hatte bereits eine andere Forsa-Befragung für Internationale Politik im Oktober 2025 gezeigt. Damals erklärten 65 Prozent insgesamt, ihre Einstellung zu den USA habe sich seit Beginn von Trumps zweiter Präsidentschaft verschlechtert. Unter Anhängern von CDU und CSU waren es 76 Prozent, bei der SPD 80 Prozent sowie bei Grünen und Linken jeweils 91 Prozent. Unter AfD-Anhängern sagten dagegen lediglich 22 Prozent, ihr Bild der USA habe sich verschlechtert. 27 Prozent dieser Gruppe berichteten damals von einer verbesserten Einstellung. Diese ältere Befragung untersuchte allerdings das Image der USA und nicht die aktuell gestellte Frage nach ihrem Einfluss auf Deutschland.
Die Wahrnehmung eines starken US-Einflusses trifft auf enge strukturelle Beziehungen zwischen beiden Ländern. Das Auswärtige Amt bezeichnet die transatlantische Sicherheitsgemeinschaft innerhalb der NATO und die dauerhaft in Deutschland stationierten amerikanischen Soldatinnen und Soldaten als wichtigen Beitrag zur Sicherheit Deutschlands und Europas. Zugleich bleiben die Vereinigten Staaten wirtschaftlich von großer Bedeutung. 2025 waren sie nach Angaben des Auswärtigen Amts Deutschlands zweitwichtigster Handelspartner nach China. Seit 2015 ging jedes Jahr der größte Anteil deutscher Exporte in die USA.
Noch größer wird die wirtschaftliche Dimension auf europäischer Ebene. Die EU und die USA bilden nach Angaben des Rates der Europäischen Union die weltweit größte bilaterale Handels- und Investitionsbeziehung. Der Handel mit Waren und Dienstleistungen überschritt 2025 einen Wert von 1,7 Billionen Euro. Die gegenseitigen Investitionen beliefen sich auf Basis der Daten für 2024 auf mehr als 4,8 Billionen Euro.
Auch die Handelspolitik macht deutlich, wie unmittelbar Entscheidungen in Washington Europa betreffen können. Nach Zollkonflikten verständigten sich die EU und die USA 2025 auf einen neuen Rahmen für ihre Handelsbeziehungen. Seit dem 1. Juli 2026 gelten dazu neue europäische Regelungen. Die EU-Kommission verlängerte Ende Juli zudem die Aussetzung vorbereiteter Gegenmaßnahmen gegen US-Waren, behielt sich aber eine Reaktivierung vor, falls europäische Interessen dies erfordern.
Die 67 Prozent sind deshalb nicht als Messwert amerikanischer Macht über Deutschland zu verstehen. Sie zeigen vielmehr, wie stark internationale Politik inzwischen aus Sicht vieler Bürgerinnen und Bürger mit innenpolitischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Entwicklungen in Deutschland verknüpft ist.
Bemerkenswert ist vor allem die Breite des Ergebnisses. Trotz erkennbarer Unterschiede zwischen Regionen und Generationen wird ein stärkerer Einfluss der Vereinigten Staaten nicht nur von einzelnen politischen oder gesellschaftlichen Gruppen wahrgenommen. Die aktuelle Forsa-Befragung weist diese Einschätzung vielmehr als Mehrheitsposition aus. Gleichzeitig zeigen frühere Untersuchungen, dass aus dieser Wahrnehmung keineswegs automatisch eine gemeinsame positive oder negative Bewertung der amerikanischen Politik folgt.
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