Frankreich im Glas: Was sich beim Wein gerade verschiebt

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Die französische Weinwelt bewegt sich. Das tut sie eigentlich immer, aber in den letzten zehn Jahren mit einer Intensität, die in Erinnerung bleiben wird. Klimawandel, Generationswechsel, neue Klassifikationsentscheidungen, ein Strukturwandel im Export, und der Druck, der von einer jüngeren Konsumentengeneration ausgeht, die andere Erwartungen hat als die ihrer Eltern. Wer heute französischen Wein trinkt, trinkt nicht denselben Wein wie vor zwanzig Jahren. Auch wenn das Etikett identisch aussieht.

Beginnen wir mit dem Klima. Frankreichs nördliche Weinregionen, Champagne, Burgund, Loire, Alsace, profitieren in vielen Hinsichten von wärmeren Jahren. Die Trauben werden reifer, die Säure ist genug, die Erträge sind verlässlicher. Aber das ist nur die halbe Geschichte. In den südlicheren Regionen, im Rhone-Tal, in der Provence, in Languedoc-Roussillon, sind die Sommer mittlerweile so heiß, dass Erzeuger Strategien entwickeln müssen, um Trauben vor Sonnenbrand zu schützen, die Ernte vor September einzubringen, und die Alkoholgehalte nicht zu hoch werden zu lassen.

Diese Verschiebung hat einen unerwarteten Nebeneffekt. Manche traditionellen Stilrichtungen sind nicht mehr leicht zu produzieren. Burgund, einst eine kühle Region, in der jeder zweite Jahrgang eine schwierige Reifegrenze überschritt, produziert heute regelmäßig Weine mit dreizehn oder vierzehn Prozent Alkohol. Das ist nicht das Problem an sich, aber es verändert den Stil. Die Frische, die viele alte Burgunderfans erwarteten, ist schwerer zu halten. Erzeuger experimentieren mit früherer Ernte, mit Höhenlagen, mit anderen Pflanzdichten, um den klassischen Stil so weit wie möglich zu bewahren.

Im Bordeaux passiert das auch, aber dort wird die Diskussion mit einem anderen Akzent geführt. Bordeaux ist eine Region, die sich an einen Stil gebunden hat, der auf Lagerfähigkeit und Konzentration setzt, und die wärmeren Jahre haben tendenziell konzentriertere Weine begünstigt. Das ist nicht negativ, aber es bedeutet, dass die jüngeren Jahrgänge oft sehr früh schon zugänglich sind. Die klassische Bordeaux-Erfahrung, eine Flasche zwanzig Jahre liegen zu lassen, bevor sie geöffnet wird, ist heute weniger zwingend als sie es früher war.

Das hat Implikationen für den Verbraucher. Wer junge Bordeaux trinken will, kann das heute mit weniger Risiko als früher tun. Die Tannine sind weicher, die Frucht ist sofort zugänglich. Bei Online-Händlern wie Bottle Hero finden sich entsprechend Sortimente, die sowohl junge als auch reifere französische Weine umfassen, was die Erkundung verschiedener Stile erleichtert.

Burgund ist ein anderer Fall. Die Preise sind in den letzten zehn Jahren explodiert, getrieben von asiatischer Nachfrage und einer eingeschränkten Produktion. Eine Flasche Premier Cru aus einer renommierten Domaine, die 2015 fünfzig Euro kostete, kostet heute oft das Doppelte oder mehr. Das hat eine Verschiebung der Aufmerksamkeit auf die weniger berühmten Burgund-Appellationen ausgelöst. Marsannay, Saint-Aubin, Maranges, Pernand-Vergelesses. Das sind Namen, die früher hauptsächlich für lokale Konsumenten interessant waren. Heute sind sie der Eintrittsbereich für jeden, der ernsthaft mit Burgund beginnen will, ohne ein Drittel des Gehalts in einer einzigen Flasche zu versenken.

Die Loire ist die Region, von der ich glaube, dass sie in der nächsten Dekade am meisten an Aufmerksamkeit gewinnen wird. Sie hat alles, was eine moderne Weinregion braucht: vielfältige Böden, eine ganze Reihe von Rebsorten, eine starke Bewegung in Richtung biodynamische und natürliche Weinbereitung, und Preise, die im Vergleich zu Burgund noch immer moderat sind. Sancerre und Pouilly-Fumé sind die bekanntesten Appellationen, aber das eigentlich Spannende passiert weiter westlich, in Anjou und Touraine, und in den weniger bekannten Ecken wie Jasnières oder Coteaux du Loir.

Chenin Blanc ist die Rebsorte, die in der Loire am meisten unterbewertet ist. Sie kann trocken sein, sie kann süß sein, sie kann schaumig sein, sie kann lange lagern, sie kann jung getrunken werden. Wenige Rebsorten haben diese Spannweite. Erzeuger wie Nicolas Joly, Domaine Huet, Catherine et Pierre Breton, Thierry Germain und Domaine François Chidaine haben die Rebsorte zu einem internationalen Status gehoben, der weit über das hinausgeht, was sie noch vor zwanzig Jahren hatte.

Wer sich für die offiziellen Klassifikationen interessiert, findet beim INAO, dem französischen Nationalen Institut für Herkunft und Qualität, detaillierte Informationen zu allen französischen Appellationen, Rebsorten und Anbauregeln. Es ist eine offizielle Quelle und liefert die genauen Definitionen, die im Marketing manchmal vereinfacht werden.

Die Provence hat ihre eigene Bewegung. Rosé ist hier zur dominanten Stilrichtung geworden, und die kommerzielle Stärke der Region ist beispiellos. Aber das hat einen Nebeneffekt: Die Rotweine der Provence, einst eine wichtige Kategorie, sind in den Schatten geraten. Bandol, Cassis, Palette, das sind alte Appellationen mit großer Geschichte, die für jeden, der ernsthaft französischen Wein erkundet, einen Besuch wert sind. Bandol vor allem, wo Mourvèdre die Hauptrolle spielt, ergibt Weine mit großer Lebensdauer und einer würzigen, eisenhaltigen Tiefe, die man nirgendwo sonst in Frankreich findet.

Was ist beim französischen Konsum selbst los? Die Statistiken zeigen, dass Franzosen weniger Wein trinken als früher. Im Jahr 1960 lag der pro-Kopf-Konsum bei über hundert Litern pro Jahr. Heute liegt er bei etwa vierzig. Das ist eine massive Verschiebung in einer einzigen Generation. Die Gründe sind vielfältig: Veränderungen im Lebensstil, gesundheitliche Aufklärung, eine andere Esskultur, die Konkurrenz von Bier und Cocktails. Aber es bedeutet, dass die französischen Weinmacher heute stärker auf den Export angewiesen sind als je zuvor, und das hat Konsequenzen für die Stilistik. Manche Erzeuger produzieren Weine, die mehr für den amerikanischen oder asiatischen Markt gemacht sind als für den heimischen, mit höherer Konzentration, mehr Holz, mehr Frucht.

Das ist ein Spannungsverhältnis, das den heutigen französischen Wein prägt. Es gibt die traditionellen, die ihre Stilrichtung verteidigen. Es gibt die Modernen, die auf internationale Märkte zielen. Und es gibt eine wachsende dritte Gruppe, die wieder auf einfachere, leichtere, weniger holzige Weine setzt, oft mit biodynamischen oder natürlichen Ansätzen, und die eine jüngere Konsumentenschicht anspricht, die andere Erwartungen hat.

Was ich an der heutigen französischen Weinszene am interessantesten finde, ist genau diese Vielfalt. Es gibt keinen einzigen französischen Wein mehr. Es gibt viele, und sie sprechen verschiedene Konsumenten an. Wer Anfang zwanzig ist und natürlichen Wein aus dem Jura trinkt, hat ein anderes Bild von Frankreich als sein Großvater, der einmal in der Woche eine Flasche Bordeaux öffnet. Beide sind richtig. Beide sind französisch. Es ist eine Größe, die schwer zu fassen ist, aber die genau das ausmacht, was Wein in einem Land mit zweitausend Jahren Weinbauerfahrung leisten kann.

Wer in Münster oder anderswo in Deutschland heute französischen Wein erkunden will, hat mehr Möglichkeiten als seine Eltern. Mehr Importeure, mehr Direktkanäle, mehr Informationen. Das ist auch eine Form von Glück. Das Glück, in einer Zeit zu leben, in der die französische Weinkarte breit aufgeschlagen vor einem liegt, und in der man, statt einem konventionellen Pfad zu folgen, sich seinen eigenen Pfad bauen kann.

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