
Der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis 2026 wird am Donnerstag, 5. November, in Hamburg verliehen. Die beiden ZDF-Journalistinnen Dunja Hayali und Sarah Tacke erhalten den Hauptpreis zu gleichen Teilen. Weitere Auszeichnungen gehen an den NDR-Journalisten Manuel Biallas und die Redaktion des Medienmagazins ZAPP. Das NDR Fernsehen zeigt die aufgezeichnete Preisverleihung am Donnerstag um 23:35 Uhr. Moderatorin ist Caren Miosga. Bei der Veranstaltung steht auch die Frage im Mittelpunkt, welche Rolle unabhängiger Journalismus angesichts zunehmender Angriffe auf demokratische Institutionen einnehmen soll.
Die Ausstrahlung der Preisverleihung beginnt am Donnerstag, 5. November 2026, um 23:35 Uhr im NDR Fernsehen. Das Ende ist für Freitag, 6. November, um 1:05 Uhr vorgesehen. Die Sendung dauert damit 90 Minuten. Es handelt sich um die erste Fernsehausstrahlung der diesjährigen Veranstaltung, die zuvor am selben Tag beim Norddeutschen Rundfunk in Hamburg stattfindet.
Caren Miosga führt durch den Abend. Die Journalistin moderiert neben der eigentlichen Preisvergabe auch eine in die Veranstaltung integrierte Diskussionsrunde. Diese steht unter dem Titel „Journalismus und der Angriff auf die Demokratie: Zeit sich mit einer Sache gemein zu machen?“. In der Sendungsankündigung der ARD ist außerdem Ulrike Eigel als redaktionell Verantwortliche aufgeführt.
Mit der Diskussion greift die Veranstaltung eine grundsätzliche Frage des journalistischen Selbstverständnisses auf. Wie können Journalistinnen und Journalisten demokratische Werte verteidigen und gleichzeitig die notwendige Distanz zu politischen Positionen bewahren? Der Konflikt berührt auch die Grundsätze, für die der Namensgeber des Preises bekannt wurde.
Der Hauptpreis geht in diesem Jahr an zwei Journalistinnen, die für das ZDF in unterschiedlichen Aufgabenbereichen tätig sind. Dunja Hayali arbeitet als Moderatorin und Reporterin, unter anderem für das „heute journal“ und das „ZDF-Morgenmagazin“. Sarah Tacke leitet die ZDF-Redaktion Recht und Justiz und beschäftigt sich insbesondere mit der Einordnung juristischer und gesellschaftspolitischer Fragen.
Die Jury unter dem Vorsitz von Sandra Maischberger würdigt bei Hayali vor allem ihre kritische Gesprächsführung. Sie hebe sich dadurch hervor, dass sie auch in kontroversen Situationen nachfrage und sich auf schwierige Interviews gründlich vorbereite. Darüber hinaus verweist die Jury auf ihre Reportagen sowie ihren Umgang mit öffentlichen Anfeindungen und digitalen Hasskampagnen.
Bei Sarah Tacke steht nach Auffassung der Jury insbesondere die Verbindung juristischer Fachkenntnisse mit verständlichem Journalismus im Mittelpunkt. Die promovierte Juristin erläutere komplexe rechtliche Zusammenhänge und mache gesellschaftliche Konflikte nachvollziehbar. Als Beispiele nennt die Jury ihre Arbeit zu Fragen des Sozialrechts sowie zu politischen und rechtlichen Auseinandersetzungen.
Die Auszeichnung beider Journalistinnen soll unterschiedliche journalistische Fähigkeiten hervorheben: die kritische Befragung gesellschaftlicher Akteure und die sachliche Vermittlung komplizierter Sachverhalte.
Eine weitere Auszeichnung erhält die Redaktion des NDR-Medienmagazins ZAPP. Der Sonderpreis würdigt die Beschäftigung mit journalistischen Arbeitsweisen, Fehlern, Interessenkonflikten und öffentlichen Debatten über die Glaubwürdigkeit von Medien.
ZAPP begleitet die Medienbranche bereits seit 2002. Dabei richtet das Magazin seinen Blick nicht ausschließlich auf andere Medienunternehmen, sondern untersucht auch die Arbeitsweise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und die Verantwortung von Journalistinnen und Journalisten.
Die Jury hebt insbesondere hervor, dass ZAPP kontroverse Themen differenziert behandle und journalistische Entscheidungen verständlich erkläre. Dazu gehören beispielsweise Debatten über die Berichterstattung zum Krieg im Gazastreifen, über politische Entwicklungen und über die Darstellung von Migration.
Mit der Entscheidung für ZAPP zeichnet die Jury eine Redaktion aus, deren zentrale Aufgabe darin besteht, Medien selbst zum Gegenstand kritischer Betrachtung zu machen.
Der Hanns-Joachim-Friedrichs-Förderpreis 2026 geht an Manuel Biallas. Der freie Journalist arbeitet für den NDR und beschäftigt sich in seinen Dokumentationen und Reportagen insbesondere mit Migration, sozialer Ungleichheit, Extremismus und Menschenrechten.
Die Jury würdigt seine gründliche Recherche sowie die verständliche Darstellung gesellschaftlicher Zusammenhänge. Hervorgehoben wird dabei sein Umgang mit Menschen, deren persönliche Lebensgeschichten im Mittelpunkt seiner journalistischen Arbeiten stehen.
Als besonders gelungenes Beispiel nennt die Jury seine 43-minütige Dokumentation „Die Lüge vom sozialen Aufstieg?“, die im Frühjahr 2026 als NDR-Story veröffentlicht wurde.
Der Förderpreis soll journalistische Talente unterstützen, die bereits mit eigenen Arbeiten auf sich aufmerksam gemacht haben. Neben der finanziellen Anerkennung soll er ihre weitere berufliche Entwicklung fördern.
Die Jury verbindet ihre Auswahl in diesem Jahr ausdrücklich mit der Situation des unabhängigen Journalismus. Nach ihrer Einschätzung stehen auf Fakten beruhende Informationen und etablierte journalistische Medien zunehmend unter Druck.
Dabei geht es sowohl um den Einfluss digitaler Plattformen als auch um politische Bestrebungen, die bestehenden Strukturen öffentlich-rechtlicher Medien zu verändern. Die Jury verweist außerdem auf die Bedeutung professioneller journalistischer Arbeit für demokratische Entscheidungsprozesse.
Mit Dunja Hayali und Sarah Tacke werden zwei Persönlichkeiten ausgezeichnet, deren Tätigkeiten unterschiedliche Antworten auf diese Herausforderungen geben. Während Hayali durch Interviews und Reportagen öffentliche Konflikte sichtbar macht, liegt Tackes Schwerpunkt auf der sachlichen Erklärung rechtlicher Zusammenhänge.
Die zusätzliche Auszeichnung der ZAPP-Redaktion unterstreicht die Bedeutung einer kritischen Beschäftigung mit der eigenen Branche. Der Förderpreis für Manuel Biallas lenkt den Blick zugleich auf die journalistische Nachwuchsförderung.
Der Preis wird seit 1995 vergeben und erinnert an den im selben Jahr verstorbenen Fernsehjournalisten Hanns Joachim Friedrichs. Der langjährige Moderator der ARD-„Tagesthemen“ prägte mit seinem Verständnis von journalistischer Unabhängigkeit das Selbstbild vieler Medienschaffender.
Die Auszeichnung richtet sich an Journalistinnen und Journalisten, die sich durch kritische, unabhängige und aufklärerische Arbeit hervorgetan haben. Zu den früheren Preisträgern gehören unter anderem Petra Gerster, Anne Will, Maybrit Illner, Marietta Slomka und Claus Kleber.
Die Preisverleihung wird im jährlichen Wechsel vom NDR in Hamburg und vom WDR in Köln ausgerichtet. Schirmherren sind die Intendantin des WDR, Katrin Vernau, und der NDR-Intendant Hendrik Lünenborg. Der Jury gehören die Gründer sowie bisherige Preisträgerinnen und Preisträger an.
Die diesjährige Ausgabe verbindet die Würdigung journalistischer Leistungen damit mit einer grundsätzlichen Diskussion über Unabhängigkeit, öffentliche Verantwortung und die Zukunft des Journalismus in einer demokratischen Gesellschaft.
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