
Der Mannheimer Schmierstoffhersteller FUCHS SE hat seine Gewinnprognose für 2026 zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate angehoben. Nach einem überraschend starken dritten Quartal rechnet der MDAX-Konzern nun mit einem operativen Jahresergebnis von rund 500 Millionen Euro. Bislang hatte das Unternehmen 460 bis 480 Millionen Euro erwartet. Die am Montag, 19. Oktober 2026, veröffentlichten vorläufigen Geschäftszahlen übertreffen die Erwartungen der Analysten deutlich. Gleichzeitig sieht FUCHS für die letzten Monate des Jahres weiterhin Risiken bei Absatz und Gewinnmargen.
In den ersten neun Monaten 2026 erreichte FUCHS nach vorläufigen Berechnungen einen Umsatz von 3,126 Milliarden Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 2,700 Milliarden Euro gewesen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) erhöhte sich von 326 auf 409 Millionen Euro. Damit verbesserte der Schmierstoffhersteller seinen operativen Gewinn um rund ein Viertel. Besonders erfolgreich verlief das dritte Quartal, in dem FUCHS ein EBIT von 149 Millionen Euro erzielte. Ein Jahr zuvor hatte der Wert noch bei 117 Millionen Euro gelegen.
Die Geschäftsentwicklung übertraf zugleich die Erwartungen des Kapitalmarktes. Der vom Dienstleister Vara erhobene Analystenkonsens hatte für das dritte Quartal lediglich ein operatives Ergebnis von 116 Millionen Euro vorgesehen. Der tatsächlich erreichte vorläufige Wert lag damit 33 Millionen Euro über dieser Schätzung. Für das Gesamtjahr hatten Analysten zuletzt durchschnittlich mit einem EBIT von 481 Millionen Euro gerechnet. Auch diese Erwartung liegt unter der neuen Prognose des Unternehmens. Die Zahlen veröffentlichte FUCHS am Montagnachmittag in einer Ad-hoc-Mitteilung.
Die erneute Anhebung folgt auf eine bereits im Sommer vorgenommene Anpassung. Am 22. Juli 2026 hatte FUCHS seine ursprüngliche EBIT-Prognose von rund 450 Millionen Euro auf eine Spanne zwischen 460 und 480 Millionen Euro erhöht. Ausschlaggebend war damals das deutlich bessere erste Halbjahr. In den ersten sechs Monaten war der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um elf Prozent auf 2,003 Milliarden Euro gestiegen. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 24 Prozent auf 260 Millionen Euro. Allein im zweiten Quartal erreichte das EBIT 135 Millionen Euro nach 101 Millionen Euro im Vorjahr. Die damalige Analystenschätzung hatte bei 108 Millionen Euro gelegen.
Als wesentliche Ursachen für die positive Entwicklung nannte FUCHS eine gestiegene Nachfrage, organisches Wachstum und vorgezogene Bestellungen. Nach Unternehmensangaben hatten Kunden wegen des Konflikts im Nahen Osten zusätzliche Mengen früher als ursprünglich geplant bezogen. Gleichzeitig war die Lieferfähigkeit einzelner Wettbewerber eingeschränkt. FUCHS konnte nach eigenen Angaben von seinem internationalen Produktions- und Beschaffungsnetzwerk profitieren. Die Geschäftsentwicklung war allerdings auch von höheren Rohstoffpreisen und geopolitischen Unsicherheiten geprägt.
Mit den Halbjahreszahlen hatte FUCHS bereits seine Prognose für die Entwicklung des operativen Ergebnisses verbessert. Das Unternehmen wies zugleich darauf hin, dass das hohe Wachstum nicht uneingeschränkt auf die zweite Jahreshälfte übertragen werden könne. Dennoch fiel das dritte Quartal stärker aus als erwartet. Die neue Jahresprognose von rund 500 Millionen Euro liegt damit auch deutlich über dem operativen Ergebnis von 435 Millionen Euro aus dem Geschäftsjahr 2025. Parallel konkretisierte FUCHS seine Umsatzerwartung auf rund 4,1 Milliarden Euro. Die ursprüngliche Prognose vom März hatte noch einen Umsatz von etwa 3,7 Milliarden Euro vorgesehen.
Die internationale Geschäftsentwicklung hatte bereits im ersten Halbjahr wesentlich zu den steigenden Ergebnissen beigetragen. In der Region Europa, Naher Osten und Afrika erhöhte sich der Umsatz von 1,039 auf 1,156 Milliarden Euro. Der operative Gewinn verbesserte sich von 109 auf 124 Millionen Euro. Besonders Deutschland, Südafrika, Polen, Italien und Großbritannien trugen nach Unternehmensangaben zum Umsatzwachstum bei. Zusätzlich wirkte sich die vollständige Übernahme des bisherigen Gemeinschaftsunternehmens in der Türkei aus, die FUCHS Ende April 2026 abgeschlossen hatte.
In der Region Asien-Pazifik erhöhte sich der Halbjahresumsatz von 506 auf 567 Millionen Euro. Das operative Ergebnis stieg von 64 auf 91 Millionen Euro. China lieferte nach Angaben des Konzerns den größten absoluten Beitrag zum Umsatzwachstum. Auch Australien entwickelte sich beim Ergebnis positiv. Allerdings enthielt das Halbjahresergebnis einen einmaligen positiven Effekt von sieben Millionen Euro aus dem Verkauf eines Grundstücks in Australien. Gleichzeitig entstand im Zusammenhang mit der erstmaligen vollständigen Konsolidierung des türkischen Gemeinschaftsunternehmens ein nicht zahlungswirksamer Einmalaufwand im hohen einstelligen Millionenbereich.
Auch in Nord- und Südamerika legte FUCHS zu. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr von 350 auf 376 Millionen Euro, obwohl Wechselkurseffekte die Entwicklung belasteten. Das EBIT erhöhte sich von 35 auf 52 Millionen Euro. In Nordamerika wurde das organische Wachstum insbesondere von höheren Absatzmengen getragen. Insgesamt beschäftigte FUCHS Ende Juni weltweit 7.148 Mitarbeiter, nach 6.869 Beschäftigten ein Jahr zuvor. Das 1931 in Mannheim gegründete Familienunternehmen ist heute in mehr als 50 Ländern tätig und beliefert zahlreiche Industriezweige mit Schmierstoffen und Speziallösungen.
Trotz des deutlich gestiegenen operativen Gewinns entwickelte sich der Mittelzufluss im ersten Halbjahr schwächer. Der Free Cashflow vor Akquisitionen ging von 81 auf 61 Millionen Euro zurück. FUCHS führte dies vor allem auf den inflationsbedingt höheren Bedarf an Nettoumlaufvermögen zurück. Steigende Einkaufs- und Verkaufspreise banden zusätzliches Kapital im laufenden Geschäft. Gleichzeitig erhöhten sich die Investitionen von 26 auf 40 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartete der Konzern im Juli einen Free Cashflow vor Akquisitionen deutlich unter dem Vorjahreswert von 270 Millionen Euro.
Für Aktionäre verfolgt FUCHS seit vielen Jahren eine kontinuierliche Ausschüttungspolitik. Auf der Hauptversammlung am 6. Mai 2026 wurde für das Geschäftsjahr 2025 eine Dividende von 1,22 Euro je Stammaktie und 1,23 Euro je Vorzugsaktie beschlossen. Insgesamt schüttete der Konzern rund 160,5 Millionen Euro aus. Nach Unternehmensangaben war dies die 24. Dividendenerhöhung in Folge. FUCHS strebt grundsätzlich an, die absolute Dividende jährlich zu erhöhen. Über die Ausschüttung für das laufende Geschäftsjahr 2026 ist damit allerdings noch nicht entschieden.
An der Börse führte die erneute Prognoseanhebung am Montag zunächst nur zu moderaten Kursgewinnen. Die im MDAX notierte FUCHS-Vorzugsaktie wurde am 19. Oktober 2026 gegen 18:06 Uhr auf Tradegate BSX zuletzt mit 45,40 Euro gehandelt. Das entsprach einem Plus von 0,31 Prozent gegenüber dem vorherigen Schlusskurs. Damit blieb die Kursreaktion deutlich hinter dem prozentualen Anstieg der operativen Gewinnerwartungen zurück.
Für das vierte Quartal erwartet FUCHS weiterhin ein schwierigeres Marktumfeld. Der Konzern verweist darauf, dass die letzten drei Monate wegen der Feiertage üblicherweise die schwächste Geschäftsperiode des Jahres darstellen. Zudem könnten die vorgezogenen Kundenbestellungen aus dem zweiten Quartal den Absatz zum Jahresende belasten. Weitere Unsicherheiten ergeben sich aus der Entwicklung der Rohstoffpreise, der internationalen Nachfrage und der Gewinnmargen. Zwar rechnet FUCHS wegen der Inflation weiterhin mit einem Umsatzanstieg gegenüber dem Vorjahresquartal, das außergewöhnlich gute Ergebnis des dritten Quartals lässt sich nach Einschätzung des Unternehmens jedoch nicht einfach fortschreiben.
Weitere Einzelheiten zur Geschäftsentwicklung will FUCHS am 30. Oktober 2026 veröffentlichen. Dann steht die reguläre Quartalsmitteilung für die ersten neun Monate an. Die bisher vorliegenden Zahlen sind vorläufig und enthalten noch keine vollständige Aufschlüsselung der Entwicklung des dritten Quartals nach Weltregionen.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu