Futrue plant Hirnchip-Zentrum in München für 100 Millionen Euro

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Die oberbayerische Unternehmensgruppe Futrue will rund 100 Millionen Euro in die Entwicklung von Gehirn-Computer-Schnittstellen investieren. Im Norden Münchens soll ein neues Entwicklungs- und Produktionszentrum für elektronische Hirnimplantate entstehen. Mit der Technologie möchte die Tochtergesellschaft Futrue Neurosciences langfristig auch mit dem US-Unternehmen Neuralink von Elon Musk konkurrieren. Erste Tests an Patienten sind nach den bisherigen Planungen noch für 2026 vorgesehen.

Anzeige

Futrue will Entwicklung und Produktion in München bündeln

Die Futrue-Gruppe mit Sitz in Gräfelfing bei München will ihre Aktivitäten im Bereich der Neurotechnologie ausbauen. Das geplante Zentrum soll sowohl der Weiterentwicklung als auch der Herstellung sogenannter Brain-Computer-Interfaces, kurz BCI, dienen. Damit sollen Hirnimplantate in München entwickelt und perspektivisch produziert werden.

Hinter dem Vorhaben steht der Mediziner und Unternehmer Clemens Fischer, der Futrue 2008 gegründet hat. Zur Unternehmensgruppe gehören gut 20 Gesellschaften, deren Geschäftsschwerpunkte bislang vor allem in der Pharmaindustrie und bei Nahrungsergänzungsmitteln liegen.

Ein konkreter Termin für die Fertigstellung des neuen Standorts wurde zunächst nicht genannt. Auch Einzelheiten zum Baubeginn und zur geplanten Produktionskapazität blieben offen.

Anzeige

Gehirnimplantat mit 512 Elektroden entwickelt

Futrue Neurosciences arbeitet an einer Technologie, die elektrische Signale von Nervenzellen erfassen und für die Steuerung elektronischer Geräte nutzbar machen soll. Solche Gehirn-Computer-Schnittstellen könnten Menschen mit schweren Lähmungen beispielsweise ermöglichen, Computer oder technische Hilfsmittel über ihre Gehirnaktivität zu bedienen.

Bereits im März 2026 hatte das Unternehmen die Entwicklung eines neuartigen Mikroelektrodenarrays bekannt gegeben. Das System soll auf der Oberfläche des Gehirns platziert werden können und verfügt nach Unternehmensangaben über 512 Elektroden zur gezielten Stimulation von Nervengewebe.

Futrue bezeichnet diese Entwicklung als wichtigen technologischen Fortschritt. Eine unabhängige klinische Bestätigung der Leistungsfähigkeit des firmeneigenen Systems lag zunächst nicht vor.

Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München

Bei der weiteren Entwicklung spielt die Technische Universität München eine Rolle. Futrue wird von der dortigen Forschungsallianz für Neurotechnologie und neuroassistive Systeme als Industriepartner geführt. In dem Netzwerk arbeiten medizinische und technische Forschungseinrichtungen mit Unternehmen zusammen.

Die Münchner Universitätsmedizin verfügt bereits über eigene Erfahrungen mit Hirnimplantaten. Im Jahr 2025 setzte ein neurochirurgisches Team einem Patienten mit schwerer Querschnittslähmung eine Gehirn-Computer-Schnittstelle ein. Ziel des Forschungsprojekts ist es, neuronale Signale mithilfe künstlicher Intelligenz zu entschlüsseln und für die Steuerung digitaler oder robotischer Systeme zu nutzen.

Bei diesem Forschungsprojekt handelt es sich nicht um einen belegten klinischen Einsatz des Futrue-Implantats. Die Universität führt mehrere eigenständige Programme und Industriepartnerschaften.

Erste Patiententests noch 2026 geplant

Futrue verfolgt einen ambitionierten Zeitplan. Nach den bisherigen Unternehmensplanungen soll noch 2026 ein erster größerer Test der eigenen Technologie an Patienten stattfinden. Bis 2030 strebt Futrue Neurosciences eine führende internationale Position bei Gehirn-Computer-Schnittstellen an.

Für klinische Prüfungen implantierbarer Medizinprodukte gelten in Deutschland die europäische Medizinprodukteverordnung und das Medizinprodukterecht-Durchführungsgesetz. Abhängig von Art und Einstufung der Prüfung sind eine behördliche Genehmigung sowie die Beteiligung einer zuständigen Ethikkommission erforderlich.

Vor einer regulären Vermarktung muss ein Medizinprodukt zudem die einschlägigen europäischen Anforderungen erfüllen und das erforderliche Konformitätsbewertungsverfahren durchlaufen. Ob für das Futrue-System bereits Genehmigungen für konkrete klinische Prüfungen vorliegen, war zunächst nicht bestätigt.

Neuralink und weitere Unternehmen arbeiten an ähnlicher Technologie

International konkurrieren mehrere Unternehmen und Forschungseinrichtungen um die Weiterentwicklung von Gehirn-Computer-Schnittstellen. Besonders bekannt ist Neuralink, das vom US-Unternehmer Elon Musk mitgegründet wurde und seine Implantate bereits im Rahmen klinischer Studien am Menschen erprobt.

Auch andere Unternehmen entwickeln Systeme zur Erfassung und Verarbeitung neuronaler Signale. Dazu gehört beispielsweise das deutsche Medizintechnikunternehmen CorTec, das ebenfalls an implantierbaren Schnittstellen für medizinische Anwendungen arbeitet.

Für Futrue besteht die Herausforderung darin, aus der bisherigen technischen Entwicklung ein klinisch geprüftes und langfristig einsetzbares Medizinprodukt zu machen. Die Investitionsankündigung markiert damit einen Ausbau der deutschen Aktivitäten auf einem international umkämpften Forschungsgebiet. Ein zugelassenes Futrue-Hirnimplantat für die reguläre Patientenversorgung ist damit noch nicht verbunden.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu