Gaspreis steigt auf Vierjahreshoch und fällt anschließend zurück

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Gaspreis in Europa hat am Dienstag, 20. Oktober 2026, erstmals seit Dezember 2022 wieder die Marke von 90 Euro je Megawattstunde überschritten. Der richtungsweisende Terminkontrakt am niederländischen Handelspunkt TTF erreichte im Tagesverlauf ein Hoch von rund 90,24 Euro. Anschließend gab der Kurs deutlich nach. Der erneute Preisanstieg steht im Zusammenhang mit dem Wettbewerb um Flüssigerdgas vor dem Winter und den anhaltenden Unsicherheiten durch den Nahostkonflikt. Gleichzeitig sind die europäischen Gasspeicher vergleichsweise schwach gefüllt. Die Bundesnetzagentur sieht die Versorgungssicherheit in Deutschland dennoch weiterhin gewährleistet.

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Europäischer Gaspreis überschreitet erstmals seit 2022 die 90-Euro-Marke

Der europäische Gasmarkt hat am Dienstag eine wichtige Preisschwelle erreicht. Der für die Preisbildung maßgebliche TTF-Terminkontrakt für Erdgas wurde nach Daten der Energiebörse ICE um 13.21 Uhr deutscher Zeit bei 90,10 Euro je Megawattstunde gehandelt. Damit lag die Notierung erstmals seit Ende 2022 wieder oberhalb von 90 Euro. Das im Tagesverlauf erreichte Hoch lag laut den von Investing.com veröffentlichten ICE-Handelsdaten bei 90,235 Euro. Der TTF-Preis gilt als wichtiger Referenzwert für den europäischen Gasgroßhandel und beeinflusst die Beschaffungskosten vieler Energieunternehmen.

Der Anstieg hielt allerdings nicht bis zum Abend an. Laut zeitverzögerten Kursdaten von Investing.com wurde der ICE-TTF-Kontrakt für November 2026 am Dienstag um 18.19 Uhr bei 86,00 Euro je Megawattstunde angezeigt. Damit hatte der Preis einen erheblichen Teil seines zwischenzeitlichen Anstiegs wieder abgegeben. Die Schwankungen zeigen, wie empfindlich der Gasmarkt derzeit auf Erwartungen zur künftigen Versorgung reagiert. Bereits in den vergangenen Wochen hatte sich Erdgas deutlich verteuert. Die Marke von 90 Euro ist dabei vor allem ein Signal für das gestiegene Preisniveau. Sie bedeutet nicht, dass sämtliche Gaslieferungen in Europa zu diesem Preis abgerechnet werden.

Nahostkonflikt und LNG-Wettbewerb treiben den Gasmarkt

Zu den wichtigsten Einflussfaktoren gehört die Lage im Nahen Osten. Der Krieg mit Iran hat den internationalen Energiehandel erheblich beeinträchtigt. Besonders die Unsicherheit über Flüssigerdgaslieferungen aus der Golfregion belastet den Markt. Die Straße von Hormus ist eine zentrale Transportverbindung für Energielieferungen aus der Region. Störungen des Schiffsverkehrs und eingeschränkte Liefermöglichkeiten haben dazu geführt, dass Abnehmer verstärkt nach alternativen Bezugsquellen suchen. Europa konkurriert dabei insbesondere mit asiatischen Importländern um verfügbare LNG-Mengen.

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Diese Konkurrenz gewinnt vor der europäischen Heizperiode zusätzliche Bedeutung. Wenn die Temperaturen sinken, steigt gewöhnlich der Gasbedarf für Heizungen und Teile der Industrie. Länder mit vergleichsweise niedrigen Speicherständen müssen dann stärker auf laufende Importe zurückgreifen. Das kann die Nachfrage nach kurzfristig verfügbaren Lieferungen erhöhen. Neben Pipelinegas spielt Flüssigerdgas, das mit Spezialschiffen transportiert und an Terminals wieder in gasförmigen Zustand umgewandelt wird, eine wichtige Rolle. Wie stark die Preise im weiteren Winterverlauf schwanken, hängt unter anderem von der tatsächlichen Nachfrage, der Verfügbarkeit internationaler Lieferungen und der geopolitischen Entwicklung ab.

Die gestiegenen Preise bedeuten allerdings nicht, dass auf dem Weltmarkt insgesamt kein Gas mehr verfügbar wäre. Zusätzliche LNG-Kapazitäten außerhalb der Golfregion können einen Teil der Einschränkungen ausgleichen. Zugleich bleibt der Markt anfällig für kurzfristige Veränderungen bei Transportwegen und Liefermengen. Die Bundesnetzagentur weist in ihrer Lagebewertung vom 20. Oktober ausdrücklich darauf hin, dass sich die Entwicklungen im Nahen Osten auf die europäischen Großhandelspreise auswirken.

Deutsche Gasspeicher nur zu 61,1 Prozent gefüllt

Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor sind die niedrigen Speicherstände. Nach Angaben der Bundesnetzagentur vom 20. Oktober waren die deutschen Erdgasspeicher zuletzt zu 61,1 Prozent gefüllt. Die darin gespeicherte Gasmenge lag bei rund 151,3 Terawattstunden. Die Speicherstände befinden sich damit deutlich unter den Werten vergleichbarer Zeiträume früherer Jahre. Nach Daten der europäischen Speicherplattform AGSI+ lag der Füllstand am 18. Oktober 2025 noch bei rund 75,4 Prozent. Auch europaweit sind die Reserven vergleichsweise niedrig. Für die Europäische Union lag der zuletzt gemeldete Füllstand am 18. Oktober 2026 bei rund 74,6 Prozent.

Trotz dieser Entwicklung bewertet die Bundesnetzagentur die Gasversorgung in Deutschland als stabil. Die Behörde erklärte am Dienstag, dass die vergleichsweise geringen Einspeicherungen teilweise auf die Beschaffungs- und Absicherungsstrategien der Gashändler zurückzuführen seien. Entscheidend für die Versorgung seien nicht allein die Speicherstände, sondern auch die laufenden Importe, vorhandene Transportkapazitäten und der tatsächliche Verbrauch. Zwischen dem 12. und 18. Oktober wurden nach Behördenangaben insgesamt 17,3 Terawattstunden Gas über Pipelines und weitere 1,6 Terawattstunden über deutsche LNG-Terminals importiert. Die durchschnittliche Auslastung der LNG-Terminals lag in diesem Zeitraum bei 37,2 Prozent. Die Gefahr einer angespannten Gasversorgung schätzt die Bundesnetzagentur nach ihrem aktuellen Erkenntnisstand weiterhin als gering ein.

Höhere Gaspreise können Haushalte zeitverzögert treffen

Für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland bedeutet das Vierjahreshoch an der Börse nicht automatisch eine unmittelbare Erhöhung ihrer Gasrechnung. Der Börsenpreis beschreibt die Kosten einer bestimmten Gaslieferung im Großhandel. Haushaltskunden zahlen dagegen vertraglich vereinbarte Tarife, in denen neben der Beschaffung auch Netzentgelte, Steuern, Umlagen und weitere Kosten enthalten sind. Hinzu kommt, dass viele Versorger ihren Gasbedarf langfristig einkaufen und sich gegen Preisschwankungen absichern. Kurzfristige Kursbewegungen werden deshalb nicht unmittelbar und vollständig an alle Kunden weitergegeben.

Dennoch können länger anhaltende Preissteigerungen im Großhandel die Kosten für neue Gasverträge und spätere Tarifanpassungen erhöhen. Wie stark einzelne Haushalte betroffen sind, hängt vom bestehenden Vertrag, möglichen Preisgarantien und der Einkaufsstrategie des jeweiligen Versorgers ab. Dass die gestiegenen Großhandelspreise bereits Auswirkungen auf Neukundentarife haben, zeigen Zahlen des Vergleichsportals Verivox, die der NDR auswertete. Für den 19. Oktober 2026 lag der rechnerische Durchschnitt der berücksichtigten günstigen Neukundenangebote bei rund 13 Cent je Kilowattstunde. Dabei handelt es sich nicht um einen einheitlichen Gaspreis für sämtliche Haushalte.

Die Bundesnetzagentur betont, dass mögliche Auswirkungen des Nahostkonflikts auf Endkundenpreise insbesondere von dessen Dauer, der Beschaffung der Energieversorger und den Vertragsbedingungen abhängen. Trotz des erhöhten Preisniveaus sieht die Behörde derzeit keine akute Gefährdung der deutschen Gasversorgung. Für den kommenden Winter bleibt damit vor allem die weitere Preisentwicklung von Bedeutung. Während die Versorgung nach der aktuellen behördlichen Bewertung gesichert ist, könnten anhaltend hohe Beschaffungskosten die finanziellen Belastungen für Haushalte und Unternehmen vergrößern.

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