
Die Insolvenz der Grube Teutschenthal im Saalekreis sorgt für wachsende Unsicherheit bei den Beschäftigten. Rund 90 Mitarbeiter der GTS Grube Teutschenthal Sicherungs GmbH & Co. KG haben sich mit einem Brandbrief an die Landesregierung von Sachsen-Anhalt gewandt. Sie fordern schnelle Entscheidungen über die Zukunft des Standorts. Neben ihren Arbeitsplätzen geht es dabei auch um die langfristige Sicherung des ehemaligen Kali- und Salzbergwerks und dessen Rolle bei der Entsorgung bestimmter Rückstände aus Industrie und Müllverbrennung.
Die Landesregierung sieht bei der Entsorgung allerdings derzeit keinen akuten Engpass. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums stehen in Sachsen-Anhalt ausreichend andere Kapazitäten zur Verfügung. Ein Entsorgungsnotstand sei nicht erkennbar. Damit stehen sich bei der Insolvenz Grube Teutschenthal zwei unterschiedliche Bewertungen gegenüber: Die Beschäftigten und Unternehmen aus der Entsorgungswirtschaft verweisen auf die Bedeutung des Standorts, während das Land die Entsorgungssicherheit insgesamt nicht gefährdet sieht.
Der Brandbrief richtet sich an Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Sven Schulze sowie an Finanz- und Wirtschaftsminister Michael Richter, beide CDU. Darin drängen die Beschäftigten auf Klarheit über die weitere Entwicklung des Bergwerks. Der Deutschen Presse-Agentur lag das Schreiben am Dienstag vor. Nach Angaben der Belegschaft sind rund 90 Arbeitsplätze unmittelbar von der wirtschaftlichen Zukunft des Unternehmens abhängig.
Die GTS hatte Ende Juli beim Amtsgericht Halle die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Hallenser Rechtsanwalt Lucas Flöther bestellt. Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten sind zunächst über das Insolvenzgeld abgesichert. Der vorläufige Insolvenzverwalter prüft, ob das Unternehmen wirtschaftlich fortgeführt werden kann. Dazu gehört auch die Frage, ob weiterhin Material aus der Entsorgungswirtschaft angenommen und unter Tage eingebracht werden kann.
Eine Entscheidung über die Eröffnung des eigentlichen Insolvenzverfahrens wird nach Angaben aus dem Verfahren Anfang Oktober erwartet. Zuvor soll ein Gutachten für das Amtsgericht erstellt werden. Wie der Betrieb danach organisiert werden könnte und ob eine dauerhafte Fortführung möglich ist, war am Dienstag noch offen.
Das Unternehmen hatte den Insolvenzantrag mit erheblich gestiegenen Kosten für die langfristige Sicherung des ehemaligen Bergwerks begründet. Nach Angaben der GTS entsprechen frühere geologisch-geotechnische Prognosen nicht mehr vollständig den heutigen Bedingungen. Gespräche zwischen Unternehmen und Land über eine Finanzierungslösung führten vor dem Insolvenzantrag nicht zu einer Einigung.
Seit dem Insolvenzantrag verhandelt das Land nach Angaben des Wirtschaftsministeriums nicht mehr mit der GTS über die zuvor diskutierte Lösung. Unabhängig von der wirtschaftlichen Zukunft des Unternehmens bleibt die langfristige Sicherung des Bergwerks eine zentrale Aufgabe. Das ehemalige Kali- und Salzbergwerk verfügt über umfangreiche unterirdische Hohlräume. Beim sogenannten Bergversatz werden geeignete mineralische Reststoffe eingebracht, um Hohlräume zu verfüllen und das Gebirge zu stabilisieren.
Der Standort hat eine lange Bergbaugeschichte. Der Salzabbau begann in der Region bereits Anfang des 20. Jahrhunderts und wurde später eingestellt. Die vorhandenen Grubenräume werden seit Jahren gesichert und teilweise für die Aufnahme zugelassener Reststoffe genutzt. Damit verbindet der Standort zwei Aufgaben, die wirtschaftlich eng miteinander verknüpft sind: die Stabilisierung des früheren Bergwerks und die Verwertung beziehungsweise Entsorgung geeigneter Materialien unter Tage.
Nach Angaben der Beschäftigten wird in Teutschenthal bis zu ein Drittel der Filterstäube aus Müllverbrennungsanlagen Sachsen-Anhalts aufgenommen. Die Rückstände werden demnach in rund 700 Metern Tiefe eingebracht. Eine eigenständige amtliche Bestätigung dieses konkreten Anteils lag zunächst nicht vor.
Auch die Müllheizkraftwerk Rothensee GmbH in Magdeburg spricht sich für einen Weiterbetrieb aus. Unternehmensvertreter warnten, dass ein vollständiger Ausfall des Standorts die Situation beim Bergversatz in Sachsen-Anhalt verschärfen könnte. Daraus folgt allerdings nicht automatisch, dass die allgemeine Abfallentsorgung im Land zum Erliegen käme.
Das Wirtschaftsministerium widerspricht der Befürchtung eines unmittelbar bevorstehenden Entsorgungsnotstands. Nach Einschätzung der Landesregierung bestehen ausreichend Kapazitäten. Filterstäube können in Sachsen-Anhalt auch an anderen Bergbaustandorten untergebracht werden, darunter in Bernburg und Zielitz.
Diese Einschätzung deckt sich grundsätzlich mit dem Abfallwirtschaftsplan Sachsen-Anhalts. Der 2025 fortgeschriebene Plan untersucht die Entwicklung der Abfallmengen und Entsorgungskapazitäten bis 2034. Für gefährliche Abfälle kommt das Land darin zu dem Ergebnis, dass die vorhandenen Entsorgungswege und Kapazitäten für die in Sachsen-Anhalt anfallenden Mengen grundsätzlich ausreichen.
Damit ist zwischen der Bedeutung eines einzelnen Standorts und der gesamten Entsorgungsstruktur des Landes zu unterscheiden. Ein Wegfall der Grube Teutschenthal könnte bestehende Stoffströme verändern und andere Anlagen zusätzlich beanspruchen. Eine Gefährdung der gesamten Abfallentsorgung Sachsen-Anhalts ist damit nach dem derzeitigen Stand jedoch nicht belegt.
Für die Beschäftigten bleibt die wirtschaftliche Situation dennoch unmittelbar. Bis zur Entscheidung über das Insolvenzverfahren läuft die Prüfung, ob das Unternehmen fortgeführt werden kann. Gleichzeitig muss geklärt werden, wie die langfristige Sicherung der Grube organisiert wird. Anfang Oktober dürfte sich entscheiden, ob für die GTS eine wirtschaftliche Perspektive besteht und in welcher Form der Betrieb in Teutschenthal weitergeführt werden kann.
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