Haibike und Winora bekommen neuen Investor, doch 73 Arbeitsplätze fallen weg

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Symbolbild: Evan Wise

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Für die deutschen Fahrradmarken Haibike und Winora zeichnet sich nach der Insolvenz ihres bisherigen Mutterkonzerns eine neue Zukunft ab. Die Bike Tree GmbH, die zur singapurischen Dutech-Gruppe gehört, will wesentliche Teile des Geschäftsbetriebs der Winora Staiger GmbH übernehmen. Der Kaufvertrag wurde am 29. Oktober 2026 unterzeichnet. Gleichzeitig sollen 73 Arbeitsplätze wegfallen. Der Betrieb am Standort Sennfeld bei Schweinfurt soll fortgeführt werden.

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Bike Tree übernimmt Markenrechte von Haibike und Winora

Die geplante Übernahme von Haibike und Winora erfolgt im Rahmen eines Verkaufs wesentlicher Vermögenswerte. Dabei erwirbt Bike Tree nicht die bisherige Winora Staiger GmbH als Ganzes, sondern insbesondere die Rechte an den beiden Fahrradmarken, Warenbestände sowie ausgewählte Betriebsmittel. Auch technisches und kaufmännisches Wissen soll in die neue Unternehmensstruktur übergehen.

Den Kaufvertrag unterzeichneten nach Unternehmensangaben Bike-Tree-Geschäftsführer Lei Chen und Winora-Geschäftsführer Joost van Schaik. Der Abschluss steht noch unter üblichen Bedingungen. Der Vollzug ist für Anfang November 2026 vorgesehen.

Hinter Bike Tree steht die Dutech-Gruppe aus Singapur, die bereits in der europäischen Fahrradbranche tätig ist. Sie verfügt unter anderem über Marken wie Prophete, Kreidler und die vsf fahrradmanufaktur.

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Die neuen Eigentümer wollen Haibike und Winora weiterentwickeln und den Geschäftsbetrieb am bisherigen Standort Sennfeld fortsetzen. Konkrete Angaben zu künftigen Produktionsmengen oder Investitionen wurden zunächst nicht genannt.

73 Stellen fallen weg, 87 Beschäftigte sollen bleiben

Die Investorenlösung ist mit erheblichen Veränderungen für die Belegschaft verbunden. Von ursprünglich 187 Beschäftigten der Winora Staiger GmbH sollen 87 durch den Käufer übernommen werden. Weitere 73 Arbeitsplätze fallen nach Unternehmensangaben weg.

Die Differenz zwischen der ursprünglichen Beschäftigtenzahl und den jetzt genannten Stellen erklärt das Unternehmen mit Eigenkündigungen und weiteren Austritten während des Insolvenzverfahrens.

Der geplante Personalabbau soll auf Grundlage eines Interessenausgleichs mit dem Betriebsrat erfolgen. Die sieben Ausbildungsplätze sollen erhalten bleiben.

Geschäftsführer Joost van Schaik bedauerte in der Unternehmensmitteilung die Trennung von zahlreichen Beschäftigten. Er verwies auf den bisherigen Zusammenhalt innerhalb des Unternehmens und wünschte den Betroffenen eine neue berufliche Perspektive.

Insolvenzverfahren wurde am 29. Oktober eröffnet

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Winora Staiger stehen im Zusammenhang mit der Insolvenz der internationalen Accell Group. Bereits am 5. August 2026 hatten die deutsche Konzernholding Accell Germany und drei Tochterunternehmen beim Amtsgericht Schweinfurt Anträge auf Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt.

Neben Winora Staiger betraf dies die Ghost-Bikes GmbH und den Fahrradteilegroßhändler Engelbert Wiener Bike Parts GmbH.

Das Amtsgericht Schweinfurt eröffnete das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Winora Staiger GmbH am 29. Oktober 2026 wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Das Verfahren trägt das Aktenzeichen IN 201/26.

Die Eigenverwaltung ermöglicht es der Geschäftsführung, das Unternehmen unter Aufsicht eines gerichtlich bestellten Sachwalters weiterzuführen. Diese Funktion übernimmt Rechtsanwalt Dr. Stefan Debus. Die Sanierung wird von der Kanzlei Grub Brugger begleitet.

Dem Verkauf an Bike Tree haben nach Angaben des Unternehmens sowohl der vorläufige Gläubigerausschuss als auch der vorläufige Sachwalter zugestimmt.

Accell Group geriet nach dem Fahrradboom in Schwierigkeiten

Die Accell Group gehörte über Jahre zu den bedeutenden europäischen Fahrradherstellern. Im Jahr 2022 war der Konzern mehrheitlich von einem Investorenkonsortium um die US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft KKR übernommen worden.

Nach dem starken Wachstum während der Corona-Pandemie verschlechterten sich die wirtschaftlichen Bedingungen in der Fahrradbranche. Rückläufige Nachfrage, hohe Lagerbestände und sinkende Verkaufspreise belasteten zahlreiche Hersteller.

Accell versuchte 2024 und 2025, seine Finanzstruktur zu stabilisieren. Ein anschließender Verkaufsprozess für die gesamte Unternehmensgruppe scheiterte jedoch Anfang August 2026. Daraufhin folgten Insolvenzverfahren in mehreren europäischen Ländern.

Allein die deutschen Gesellschaften beschäftigten zum Zeitpunkt der Insolvenzanträge rund 370 Menschen an den Standorten Sennfeld und Waldsassen. Für das Geschäftsjahr 2025 hatte Accell Germany einen Umsatz von mehr als 340 Millionen Euro angegeben.

Singapurischer Konzern baut Fahrradgeschäft in Europa aus

Mit der Übernahme von Haibike und Winora setzt die Dutech-Gruppe ihre Expansion im europäischen Fahrradmarkt fort.

Bereits im Juli 2026 hatte das Bundeskartellamt eine damals geplante Übernahme der gesamten Accell Group durch Dutech freigegeben. Dieser umfassende Verkauf kam jedoch nicht zustande.

Im Oktober übernahm Dutech anschließend verschiedene Vermögenswerte und Marken des insolventen Konzerns. Dazu gehören unter anderem Batavus, Koga und die Lastenradmarken Babboe und Carqon. Auch Teile der bisherigen Aktivitäten in Ungarn gingen an den Investor.

Die geplante Übernahme von Winora und Haibike ist damit Teil einer größeren Neuordnung des europäischen Fahrradmarktes nach der Insolvenz von Accell.

Zukunft von Ghost und weiteren Gesellschaften noch offen

Die Vereinbarung mit Bike Tree betrifft zunächst den Geschäftsbetrieb der Winora Staiger GmbH und die Marken Haibike und Winora.

Für die ebenfalls insolvente Ghost-Bikes GmbH und den Fahrradteilegroßhändler Engelbert Wiener Bike Parts GmbH bestehen eigenständige Sanierungsverfahren. Eine vergleichbare Übernahme dieser beiden Unternehmen war am 30. Oktober noch nicht bestätigt.

Auch bei Winora und Haibike sind weitere Schritte erforderlich. Zwar ist der Kaufvertrag unterzeichnet und die Fortführung des Standorts Sennfeld vorgesehen. Der Eigentumsübergang soll jedoch erst nach Erfüllung der vereinbarten Bedingungen erfolgen.

Für die Beschäftigten steht damit bereits fest, dass die bisherige Unternehmensstruktur nicht vollständig erhalten bleibt. Die beiden traditionsreichen Fahrradmarken erhalten zugleich die Perspektive, unter dem Dach einer international tätigen Unternehmensgruppe weitergeführt zu werden.

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