
Deutschlands größte Lieferbäckerei Harry-Brot baut ihre Produktion in Süddeutschland aus. Nach der Übernahme eines Großbäckereistandorts in Bayern treibt das Familienunternehmen einen Neubau in Hessen voran. Rund 200 Millionen Euro sollen dort investiert werden. Im September 2026 wurde die immissionsschutzrechtliche Genehmigung für das Vorhaben bekannt gemacht. Der neue Betrieb soll 2028 starten.
Mit der Übernahme des bisherigen Glockenbrot-Werks in Bergkirchen im Landkreis Dachau hat Harry-Brot erstmals einen eigenen Produktionsstandort im Süden Deutschlands erhalten. Zum 1. November 2025 ging die zuvor zum Handelskonzern Rewe gehörende Großbäckerei an das Unternehmen aus Schenefeld bei Hamburg über. Die rund 320 Beschäftigten wurden übernommen.
Das Werk produziert vor allem für den süddeutschen Markt. Zuvor hatte Harry-Brot diese Region überwiegend von weiter entfernten Produktionsstätten aus beliefert. Die neue Struktur soll kürzere Transportwege ermöglichen und den Lebensmittelhandel schneller mit frischen Backwaren versorgen.
Bereits seit 2017 verkauft das Unternehmen seine Produkte in einzelnen süddeutschen Supermärkten. Im März 2026 nahm außerdem eine neue Vertriebsstelle in Erding ihren Frischdienst auf.
Ein weiteres Großprojekt entsteht in Erlensee bei Hanau. Auf dem Gelände des früheren Fliegerhorsts Langendiebach plant Harry-Brot eine Produktionsstätte, für die nach Unternehmensangaben rund 200 Millionen Euro vorgesehen sind.
Das Regierungspräsidium Darmstadt veröffentlichte Ende September 2026 die Bekanntmachung über die Erteilung einer Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz. In den Antragsunterlagen ist eine Produktionskapazität von mehr als 300 Tonnen Backwaren pro Tag vorgesehen. Hergestellt werden sollen unter anderem verpackte Brote und Weizenkleingebäcke.
Die Inbetriebnahme ist für 2028 geplant. Das Unternehmen geht von etwa 300 neuen Arbeitsplätzen aus. Mit dem Standort will Harry-Brot sein Produktions- und Vertriebsnetz insbesondere für den süddeutschen Lebensmittelhandel erweitern.
Neben den beiden großen Standorten in Bergkirchen und Erlensee hat die Unternehmensgruppe ihre Aktivitäten in Bayern weiter ausgebaut. Zum 1. Juni 2026 übernahm die Harry Holding SE & Co. KG die frühere Produktionsstätte von Götz-Brot in Waldbüttelbrunn bei Würzburg.
Der Betrieb wird unter dem Namen Würzburger Backstube GmbH weitergeführt. Nach Unternehmensangaben wurden sämtliche rund 80 Beschäftigten übernommen. Die Backstube soll unter anderem spezielle Backwaren für andere Unternehmen der Harry-Gruppe herstellen.
Anders als beim neuen Großprojekt in Hessen handelt es sich dabei um die Übernahme eines bestehenden Betriebs.
Die Expansion von Harry-Brot hängt auch mit einer strategischen Entscheidung der Rewe Group zusammen. Der Handelskonzern kündigte im Januar 2025 an, seine eigene Herstellung von Brot und Backwaren schrittweise aufzugeben.
Neben dem Verkauf des Werks in Bergkirchen betrifft diese Entscheidung die Glockenbrot-Bäckerei in Frankfurt am Main. Dort soll die Eigenproduktion innerhalb eines mehrjährigen Zeitraums eingestellt werden. Rewe begründete den Schritt unter anderem mit dem Investitionsbedarf am bestehenden Standort.
Künftig will der Handelskonzern verstärkt auf externe Produktionspartner setzen. Harry-Brot soll mit seinem neuen Werk in Erlensee auch Rewe beliefern. Damit verändert sich nicht nur das Produktionsnetz des Backwarenherstellers, sondern auch die Organisation der Brotversorgung eines großen deutschen Lebensmittelhändlers.
Harry-Brot gehört zu den traditionsreichsten deutschen Backwarenherstellern. Die Unternehmensgeschichte reicht bis ins Jahr 1688 zurück. Heute beschäftigt die Gruppe mehr als 5.300 Menschen und betreibt elf Produktionsstandorte in Deutschland.
Im Geschäftsjahr 2025 lag der Umsatz bei rund 1,37 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr entsprach das einem Zuwachs von etwa zwei Prozent. Gleichzeitig beschrieb das Unternehmen den deutschen Brot- und Backwarenmarkt als stagnierend bis rückläufig.
Mit der Expansion nach Süddeutschland setzt Harry-Brot auf eine stärkere regionale Produktion. Für die Supermärkte sollen vor allem die kürzeren Lieferwege und zusätzliche Produktionskapazitäten von Bedeutung sein. Die neue Großbäckerei in Hessen bildet dabei das bislang größte angekündigte Investitionsprojekt der aktuellen Südexpansion.
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