Himolla vor tiefem Umbau: Endfertigung in Taufkirchen schließt

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Der Polstermöbelhersteller Himolla steht am Stammsitz im bayerischen Taufkirchen an der Vils vor einem erheblichen Stellenabbau. Im Zuge der laufenden Sanierung soll die Endfertigung am Standort geschlossen werden. Wie viele Beschäftigte tatsächlich ihren Arbeitsplatz verlieren werden, war am Freitag, 28. August 2026, allerdings noch nicht abschließend festgelegt.

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Geschäftsführer Manfred Ziegler bestätigte, dass es zu personellen Reduzierungen kommen werde. Eine konkrete Zahl nannte er nicht. Auch die Betriebsratsvorsitzende Claudia Klobensteiner erklärte, dass noch über die genaue Größenordnung verhandelt werde. In einem aktuellen Bericht ist von bis zu 240 möglichen Betroffenen die Rede. Diese Zahl ist bislang jedoch weder von der Unternehmensleitung noch vom Betriebsrat als endgültige Zahl bestätigt worden.

Nach Angaben der Betriebsratsvorsitzenden steht dagegen fest, dass die Endfertigung geschlossen werden soll. Kündigungen könnten nach ihrer Einschätzung im September ausgesprochen und zum Dezember 2026 wirksam werden. Auch dieser Zeitplan war zunächst keine verbindliche Ankündigung des Unternehmens.

Teile der Produktion sollen in Taufkirchen bleiben

Die Veränderungen bedeuten nach dem derzeitigen Stand nicht das vollständige Ende der Produktion in Taufkirchen. Nach Angaben des Betriebsrats sollen unter anderem Bereiche für den Zuschnitt von Bezugsstoffen und die Formschaumherstellung erhalten bleiben. Auch die Kunststoffverformung soll zunächst weitergeführt werden.

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Damit zeichnet sich eine deutlich kleinere Produktionsstruktur am Stammsitz ab. Geschäftsführer Ziegler kündigte zudem eine veränderte Produktstrategie an. Himolla will demnach künftig auch Modelle in einem niedrigeren Einstiegspreissegment anbieten, ohne die Positionierung als Anbieter hochwertiger Polstermöbel grundsätzlich aufzugeben.

Der Betriebsrat erklärte außerdem, dass keine Arbeitsplätze im Zuge der aktuellen Neuordnung ins Ausland verlagert werden sollen. Himolla verfügt neben Deutschland über Aktivitäten beziehungsweise Standorte in Polen, Rumänien, der Slowakei und Ungarn. Diese Gesellschaften waren nach Angaben aus dem Juni vom deutschen Schutzschirmverfahren nicht unmittelbar betroffen.

Wie groß die Belegschaft am Standort derzeit genau ist, wird in aktuellen Angaben unterschiedlich beziffert. Das Bayerische Arbeitsministerium sprach am Donnerstag von etwa 850 Beschäftigten in Taufkirchen. In Zusammenhang mit einer Belegschaftsversammlung am Freitag wurde dagegen eine Gesamtzahl von 739 Mitarbeitern genannt. Für die Zahl der vom Stellenabbau Betroffenen ist diese Abweichung nicht entscheidend: Eine abschließende Kündigungszahl stand zunächst nicht fest.

Himolla befindet sich seit Juni im Schutzschirmverfahren

Himolla hatte Ende Juni 2026 beim Amtsgericht Landshut ein Schutzschirmverfahren beantragt. Das Gericht folgte dem Antrag und bestellte Arndt Geiwitz zum vorläufigen Sachwalter. Restrukturierungsexperte Tillmann Peeters verstärkte die Geschäftsführung als Sanierungsgeschäftsführer.

Das Unternehmen begründete den Schritt mit erheblichen Marktrückgängen und wirtschaftlichem Druck. Bereits eingeleitete Restrukturierungsmaßnahmen hätten die Umsatzeinbußen und Verluste nicht ausreichend auffangen können. Als Belastungen nannte Himolla unter anderem die schwache Konsumnachfrage, die verhaltene Bautätigkeit und den starken Preiswettbewerb auf dem europäischen Möbelmarkt.

Die Löhne und Gehälter für Juni, Juli und August 2026 wurden im Rahmen des Verfahrens über Insolvenzgeld abgesichert. Zum 1. September soll sich das Verfahren nach den aktuellen Angaben in Richtung Eigenverwaltung weiterentwickeln. Dabei bleibt die Unternehmensführung grundsätzlich im Amt, während das Verfahren unter insolvenzrechtlicher Aufsicht fortgeführt wird.

Das Schutzschirmverfahren bedeutet damit nicht automatisch die Stilllegung des Unternehmens. Sein Zweck besteht darin, einem sanierungsfähigen Unternehmen eine Restrukturierung unter dem Schutz des Insolvenzrechts zu ermöglichen.

Bayerische Arbeitsministerin spricht mit Unternehmen und Betriebsrat

Unmittelbar vor Bekanntwerden der neuen Details zum Stellenabbau hatte Bayerns Arbeitsministerin Ulrike Scharf den Standort besucht. Sie traf dort unter anderem Geschäftsführer Ziegler, Betriebsratsvorsitzende Klobensteiner und Beschäftigte.

Scharf erklärte anschließend, das Ziel müsse sein, möglichst viele Arbeitsplätze und Produktion in Taufkirchen zu erhalten. Nach Angaben des Ministeriums beschäftigt die Himolla Gruppe insgesamt rund 2.000 Menschen. Damit gehört das Unternehmen weiterhin zu den größeren europäischen Herstellern von Polstermöbeln.

Himolla wurde 1947 in Taufkirchen gegründet. Das Unternehmen produziert unter anderem Sofas, Sessel, Wohnlandschaften und Funktionsmöbel und verkauft seine Produkte vor allem über den Möbelfachhandel im In- und Ausland.

Deutsche Polstermöbelbranche bleibt unter Druck

Die Himolla Sanierung fällt in eine anhaltend schwierige Phase für die deutsche Möbelindustrie. Nach Angaben der Branchenverbände sank der Umsatz der deutschen Möbelhersteller 2025 insgesamt um 3,4 Prozent auf rund 15,8 Milliarden Euro. Damit verzeichnete die Industrie das dritte Jahr in Folge rückläufige Umsätze.

Besonders angespannt ist die Situation bei Polstermöbeln. Für das Jahr 2025 meldeten die Verbände einen deutlichen Umsatzrückgang. Die Schwäche setzte sich Anfang 2026 fort. Im ersten Quartal erzielten die deutschen Polstermöbelhersteller einen Umsatz von rund 221 Millionen Euro. Das waren neun Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Die gesamte deutsche Möbelindustrie setzte im ersten Quartal 2026 rund 3,8 Milliarden Euro um und lag damit drei Prozent unter dem Vorjahresniveau. Im Inland fiel das Minus mit 4,7 Prozent stärker aus. Gleichzeitig sank die Zahl der Beschäftigten in Möbelunternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitern um 5,2 Prozent.

Die Verbände führen die Entwicklung insbesondere auf die Kaufzurückhaltung der Verbraucher, den schwachen Wohnungsbau, steigende Kosten bei Vorprodukten und wachsenden Importdruck zurück. Gerade Polstermöbel gehören zu den größeren Anschaffungen privater Haushalte und reagieren deshalb empfindlich, wenn Verbraucher Investitionen in ihre Wohnung verschieben.

Für Himolla entscheidet sich in den kommenden Monaten, in welcher Größe das Stammwerk nach Abschluss der laufenden Verhandlungen weiterarbeiten kann. Fest steht bislang die Schließung der Endfertigung und ein Personalabbau. Wie viele der Beschäftigten tatsächlich eine Kündigung erhalten, war am 28. August noch offen.

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