
Für den Düsseldorfer Buch- und Pressehändler Hollmann endet das Geschäft am Flughafen: Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens sollen die acht dortigen Verkaufsstellen bis zum 1. Dezember 2026 schließen. Betroffen sind nach bisherigen Angaben 51 Beschäftigte. Auf den Flächen soll der international tätige Handelskonzern Lagardère Travel Retail neue Ladenkonzepte umsetzen. Die Insolvenz von Hollmann Buch & Presse betrifft damit nicht nur den klassischen Buchverkauf, sondern auch Geschäfte mit Spielwaren, Souvenirs und Reisebedarf.
Das Amtsgericht Düsseldorf hat das Insolvenzverfahren über die Hollmann Buch & Presse GmbH & Co. KG am 25. September 2026 wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung eröffnet. Der Antrag des Unternehmens war am 6. Juli beim Gericht eingegangen. Das Verfahren trägt das Aktenzeichen 501 IN 155/26 und läuft in Eigenverwaltung. Damit darf die Geschäftsführung die Insolvenzmasse weiterhin verwalten, wird dabei aber von einem gerichtlich bestellten Sachwalter beaufsichtigt.
Diese Aufgabe übernimmt Rechtsanwalt Dr. Jens M. Schmidt. Gläubiger müssen ihre Forderungen bis zum 4. November 2026 anmelden. Für den 25. November ist am Amtsgericht Düsseldorf eine Gläubigerversammlung angesetzt, bei der unter anderem über den weiteren Verlauf des Verfahrens entschieden werden kann. Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens und die geplante Schließung sind zwei unterschiedliche Schritte. Das Gericht hat das Verfahren eröffnet, während die Aufgabe der Geschäfte eine betriebliche Entscheidung ist.
Hollmann betreibt am Flughafen vier Buch- und Presseshops, drei Geschenkgeschäfte unter dem Namen Your Present sowie das Spielwarengeschäft Sonnenkind. Alle acht Standorte befinden sich im Flughafengebäude, teils hinter der Sicherheitskontrolle und teils im öffentlich zugänglichen Bereich. Die Schließungen sollen schrittweise erfolgen.
Für die 51 Beschäftigten bedeutet die Geschäftsaufgabe einen erheblichen Einschnitt. Nach Angaben der Rheinischen Post müssen sich bisherige Mitarbeiter bei Lagardère neu bewerben, wenn sie für den künftigen Betreiber arbeiten möchten. Geschäftsführer Daniel Seidl rechnet dem Bericht zufolge damit, dass zahlreiche Beschäftigte dort eine neue Stelle finden könnten. Eine verbindliche Zusage über die Übernahme einer bestimmten Zahl von Mitarbeitern liegt damit jedoch nicht vor.
Bereits im Dezember 2024 hatte Lagardère Travel Retail eine europaweite Ausschreibung des Flughafens für den Verkauf von Presse, Büchern, Souvenirs und Reisebedarf gewonnen. Der Konzern kündigte damals elf neue Geschäfte an, darunter acht unter der Marke Relay. Hollmann wurde in der ursprünglichen Ankündigung noch als regionaler Kooperationspartner für Bücher und Presse genannt.
Nach Angaben des Flughafens werden die bisherigen Hollmann-Flächen für die neuen Konzepte umgebaut. Geplant sind neben Relay-Geschäften auch Angebote für Spielwaren und Souvenirs. Weitere Eröffnungen sind für das erste Quartal 2027 vorgesehen. Das Angebot an Büchern und Zeitungen soll am Flughafen erhalten bleiben, künftig aber unter anderen Ladenmarken. Ob und in welchem Umfang die Neuvergabe der Handelsflächen die wirtschaftliche Situation von Hollmann beeinflusste, ist nicht gesichert.
Als einen wesentlichen Hintergrund der Zahlungsunfähigkeit bezeichnete Sachwalter Schmidt nach Darstellung der Rheinischen Post die Folgen der Coronapandemie. Für ein Unternehmen mit Verkaufsstellen ausschließlich am Flughafen hatte der Einbruch des Reiseverkehrs eine besondere Bedeutung. Welche weiteren Faktoren zur Insolvenz führten und wie sie wirtschaftlich zu gewichten sind, ist nicht abschließend bekannt.
Hollmann war 1946 von Paul Hollmann zunächst als Zeitungs- und Zeitschriftengroßhandel gegründet worden. Das Unternehmen entwickelte daraus über Jahrzehnte ein auf Reisende zugeschnittenes Einzelhandelsgeschäft. Knapp 80 Jahre nach der Gründung endet nun der Betrieb der acht Geschäfte am Flughafen.
Die Schließungen fallen in eine wirtschaftlich schwierige Phase für den deutschen Buchhandel. Nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels sank der Umsatz des stationären Sortimentsbuchhandels 2025 gegenüber dem Vorjahr um 3,7 Prozent auf rund 3,93 Milliarden Euro. Das Geschäft in den Läden blieb dennoch mit einem Anteil von 40,8 Prozent der größte Vertriebsweg für Bücher.
Die jüngsten verfügbaren Zahlen zeigen ein gemischtes Bild. Im September 2026 stieg der Umsatz des stationären Sortimentsbuchhandels im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,7 Prozent. Über die ersten neun Monate des Jahres lag er allerdings noch 1,3 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Diese bundesweiten Entwicklungen erklären die konkrete Insolvenz von Hollmann nicht unmittelbar. Der Fall verdeutlicht zugleich eine Besonderheit des Einzelhandels an Flughäfen: Die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Anbieter hängen nicht allein von der Nachfrage nach ihren Produkten ab. Auch die Zahl der Reisenden und die Vergabe von Verkaufsflächen durch den Flughafen spielen eine wesentliche Rolle. Während das Angebot an Büchern und Presse am Standort fortbestehen soll, verliert mit Hollmann ein langjähriger Händler seinen bisherigen Geschäftsbetrieb.
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