Homeoffice seit Corona in mehr als der Hälfte der Unternehmen eingeschränkt

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Viele Unternehmen in Deutschland haben ihre Homeoffice-Regelungen seit der Corona-Pandemie verschärft. Nach einer am Donnerstag, 5. November 2026, veröffentlichten Umfrage des Digitalverbands Bitkom haben 56 Prozent der befragten Betriebe die Möglichkeiten zum Arbeiten von zu Hause reduziert oder vollständig abgeschafft. Gleichzeitig planen zahlreiche Unternehmen weitere Einschränkungen. Andere Untersuchungen zeigen allerdings, dass Homeoffice für einen beträchtlichen Teil der Beschäftigten weiterhin zum Berufsalltag gehört.

Anzeige

Bitkom-Umfrage zeigt deutlichen Rückgang der Homeoffice-Angebote

Die neue Bitkom-Umfrage verdeutlicht, wie unterschiedlich Unternehmen ihre Arbeitsmodelle seit der Hochphase der Corona-Pandemie verändert haben. Insgesamt 39 Prozent der befragten Betriebe haben die Möglichkeiten zum Homeoffice in den vergangenen fünf Jahren eingeschränkt. Weitere 17 Prozent haben das Angebot vollständig gestrichen.

In 29 Prozent der Unternehmen blieben die Regelungen dagegen unverändert. Weitere 14 Prozent haben Homeoffice ausgebaut oder seitdem neu eingeführt. Die Zahlen beziehen sich auf Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten und nicht unmittelbar auf die Zahl der Menschen, die von zu Hause arbeiten.

Eine Fortsetzung der Einschränkungen zeichnet sich in den Planungen einiger Unternehmen ab. Nach Angaben des Digitalverbands möchten 35 Prozent ihre Homeoffice-Möglichkeiten innerhalb der kommenden zwei Jahre reduzieren. Drei Prozent planen eine vollständige Abschaffung.

Anzeige

Eine Mehrheit sieht hingegen keinen unmittelbaren Änderungsbedarf. Insgesamt 55 Prozent wollen ihre bestehenden Regelungen beibehalten, weitere drei Prozent möchten das Angebot ausweiten. Damit stehen Unternehmen, die auf stärkere Anwesenheit setzen, weiterhin Betrieben gegenüber, die flexible Arbeitsmodelle fortführen wollen.

Homeoffice bleibt in zahlreichen Unternehmen möglich

Trotz der Einschränkungen bietet weiterhin mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen mobiles Arbeiten an. Der Anteil liegt laut Bitkom bei 54 Prozent. Gleichzeitig beschäftigen 77 Prozent der Unternehmen Menschen, deren Aufgaben grundsätzlich auch außerhalb des Betriebs erledigt werden könnten.

Zwischen den organisatorischen Möglichkeiten und dem tatsächlich angebotenen Homeoffice besteht damit ein Unterschied. Nicht jede Tätigkeit, die grundsätzlich von einem anderen Ort aus ausgeübt werden könnte, wird vom Arbeitgeber auch für mobiles Arbeiten freigegeben.

Auch die Gestaltung der bestehenden Angebote fällt unterschiedlich aus. Unter den Unternehmen, die Homeoffice ermöglichen, überlassen 29 Prozent ihren Beschäftigten die Entscheidung darüber, an wie vielen Tagen sie mobil arbeiten. Bei 17 Prozent sind mehrere Tage pro Woche vorgesehen, bei 20 Prozent ist es ein Tag. Drei Prozent erlauben mobiles Arbeiten seltener als einmal wöchentlich.

Besonders große Unternehmen setzen häufiger auf flexible Lösungen. Während bei Betrieben mit 20 bis 99 Beschäftigten 28 Prozent eine freie Entscheidung über die Anzahl mobiler Arbeitstage ermöglichen, sind es bei Unternehmen mit 100 bis 499 Beschäftigten 34 Prozent. In Betrieben mit mindestens 500 Beschäftigten erreicht der entsprechende Anteil 41 Prozent.

Arbeitgeber sehen Vorteile und Schwierigkeiten zugleich

Die Befragung zeigt, dass viele Unternehmen trotz einer teilweise restriktiveren Homeoffice-Politik erhebliche Vorteile im mobilen Arbeiten erkennen.

71 Prozent der Unternehmen sind der Auffassung, dass Beschäftigte durch Homeoffice Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren können. Zudem erklären 63 Prozent, dass die Suche nach qualifizierten Mitarbeitenden ohne entsprechende Angebote schwieriger werde.

Auch die Leistungsfähigkeit spielt in den Einschätzungen eine Rolle. 39 Prozent der Unternehmen vertreten die Ansicht, dass Beschäftigte zu Hause üblicherweise produktiver arbeiten als im Büro.

Dem stehen Bedenken hinsichtlich der Zusammenarbeit gegenüber. 65 Prozent befürchten einen Verlust des betrieblichen Zusammenhalts durch Homeoffice. Weitere 60 Prozent sehen Schwierigkeiten bei der Integration neuer Beschäftigter.

Bei diesen Angaben handelt es sich um Einschätzungen der befragten Unternehmen. Sie belegen weder einen tatsächlichen Produktivitätsgewinn noch einen nachweisbaren Verlust des Zusammenhalts. Die Antworten machen vielmehr deutlich, welche unterschiedlichen Anforderungen Arbeitgeber an die Organisation ihrer Arbeit stellen.

Homeoffice in Deutschland weiterhin deutlich verbreiteter als vor Corona

Die Einschränkungen auf Unternehmensebene bedeuten nicht, dass insgesamt immer weniger Beschäftigte von zu Hause arbeiten.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nutzten 2025 rund 25 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland zumindest gelegentlich das Homeoffice. Im Jahr 2024 waren es 24 Prozent und 2023 rund 23 Prozent gewesen. Vor der Corona-Pandemie lag der entsprechende Anteil im Jahr 2019 bei lediglich 13 Prozent.

Damit erreichte die Homeoffice-Nutzung 2025 wieder das Niveau des Jahres 2021. Allerdings hat sich die Häufigkeit verändert. Während während der Pandemie ein größerer Anteil vollständig von zu Hause arbeitete, sind inzwischen Mischformen aus Büropräsenz und mobilem Arbeiten verbreitet.

Im Jahr 2025 arbeiteten 24 Prozent der Homeoffice-Nutzenden ausschließlich von zu Hause. Im Jahr 2021 hatte dieser Anteil noch bei 40 Prozent gelegen. Gleichzeitig verbrachten 2025 rund 46 Prozent der Homeoffice-Nutzenden weniger als die Hälfte ihrer Arbeitstage im heimischen Arbeitsumfeld.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt das ifo Institut. Nach dessen Konjunkturumfrage arbeiteten im August 2026 rund 24,9 Prozent der Beschäftigten in der Gesamtwirtschaft zumindest teilweise im Homeoffice. Das Institut beobachtet seit mehreren Jahren keine wesentlichen Veränderungen dieses Anteils.

Die Ergebnisse erfassen unterschiedliche Sachverhalte: Bitkom untersucht Entscheidungen und Regelungen der Unternehmen, während die Daten von Destatis und ifo die tatsächliche Nutzung abbilden.

Große Unterschiede zwischen Wirtschaftszweigen

Ob Beschäftigte von zu Hause arbeiten können, hängt erheblich von ihrer beruflichen Tätigkeit ab. Besonders häufig kommt Homeoffice in Wirtschaftszweigen vor, deren Aufgaben überwiegend digital oder am Schreibtisch erledigt werden.

Nach den ifo-Daten für August 2026 arbeiteten 35,1 Prozent der Beschäftigten im Dienstleistungssektor zumindest teilweise im Homeoffice. In der Industrie lag der Anteil bei 16,4 Prozent.

Deutlich niedrigere Werte registrierte das Institut im Einzelhandel mit 6,2 Prozent und im Baugewerbe mit 5,1 Prozent. Dort sind viele Tätigkeiten unmittelbar an Verkaufsräume, Baustellen oder andere Arbeitsorte gebunden.

Eine im August 2026 veröffentlichte Untersuchung des ZEW Mannheim unter rund 1.400 Unternehmen aus der Informationswirtschaft und dem verarbeitenden Gewerbe ergab zudem, dass in diesen beiden Wirtschaftsbereichen nur wenige Betriebe eine künftige Einschränkung ihrer Homeoffice-Angebote planen. Die Ergebnisse unterscheiden sich damit von den Absichten, die in der breiter angelegten Bitkom-Befragung erfasst wurden. Beide Untersuchungen betrachten unterschiedliche Unternehmensgruppen und Fragestellungen.

Fachkräftesuche bleibt trotz schwacher Konjunktur relevant

Für Unternehmen ist die Gestaltung des Homeoffice auch eine Frage der Personalpolitik. Flexible Arbeitsmöglichkeiten können insbesondere bei Tätigkeiten, die keine ständige Anwesenheit erfordern, ein Bestandteil des Arbeitsplatzangebots sein.

Die Bitkom-Angabe, wonach 63 Prozent der Unternehmen Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung ohne Homeoffice erwarten, verdeutlicht die Bedeutung dieser Arbeitsbedingungen aus Sicht vieler Arbeitgeber.

Gleichzeitig bleibt das wirtschaftliche Umfeld angespannt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im Oktober 2026 rund 2,955 Millionen Menschen arbeitslos. Die Arbeitslosenquote lag bei 6,3 Prozent. Saisonbereinigt stieg die Arbeitslosigkeit gegenüber September leicht an.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften blieb ebenfalls schwach. Im Oktober waren bei der Bundesagentur 654.000 offene Stellen gemeldet. Die Behörde bewertete die Herbstbelebung am Arbeitsmarkt als verhalten.

Aus den Arbeitsmarktdaten lässt sich allerdings kein unmittelbarer Zusammenhang mit den Veränderungen beim Homeoffice ableiten. Die Bitkom-Befragung untersucht weder die wirtschaftlichen Ursachen einzelner Einschränkungen noch deren Auswirkungen auf Beschäftigung und Unternehmenserfolg.

Deutschland liegt beim Homeoffice über dem EU-Durchschnitt

Im europäischen Vergleich gehört Deutschland zu den Ländern, in denen mobiles Arbeiten vergleichsweise häufig genutzt wird. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Anteil der Erwerbstätigen mit zumindest gelegentlicher Arbeit von zu Hause im Jahr 2025 bei rund 25 Prozent. Der Durchschnitt der Europäischen Union lag bei 23 Prozent.

Besonders verbreitet war Homeoffice in den Niederlanden mit 52 Prozent, in Schweden mit 45 Prozent und in Luxemburg mit 43 Prozent. Deutlich geringere Anteile verzeichneten Rumänien und Bulgarien mit jeweils vier Prozent sowie Griechenland mit sieben Prozent.

Die Unterschiede verdeutlichen, dass Homeoffice in Europa keineswegs einheitlich verbreitet ist. Die jeweiligen Wirtschaftsstrukturen und die Art der ausgeübten Tätigkeiten beeinflussen, für wie viele Beschäftigte mobiles Arbeiten überhaupt infrage kommt.

Was die Bitkom-Zahlen über die Arbeitswelt aussagen

Grundlage der neuen Bitkom-Ergebnisse ist eine repräsentative telefonische Befragung von 603 Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten in Deutschland. Die Erhebung führte Bitkom Research zwischen der 35. und 39. Kalenderwoche 2026 durch.

Befragt wurden die Unternehmen zu ihren aktuellen Homeoffice-Angeboten, den Veränderungen seit der Corona-Hochphase, ihren Planungen für die nächsten zwei Jahre und ihren Einschätzungen zum mobilen Arbeiten.

Kleinere Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten sind von dieser Erhebung nicht erfasst. Zudem handelt es sich um Angaben der Betriebe, nicht um eine fortlaufende Beobachtung einzelner Beschäftigter.

Die Ergebnisse zeichnen damit das Bild einer Arbeitswelt, in der die während der Pandemie geschaffenen Möglichkeiten teilweise zurückgenommen werden. Gleichzeitig bleibt Homeoffice für viele Unternehmen ein fester Bestandteil ihrer Arbeitsorganisation. Die Entwicklung verläuft je nach Betriebsgröße, Wirtschaftsbereich und konkreter Tätigkeit unterschiedlich.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu