
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im August 2026 erneut verbessert. Der ifo Geschäftsklimaindex stieg auf 88,8 Punkte nach revidierten 86,7 Punkten im Juli. Damit legt das viel beachtete Konjunkturbarometer den vierten Monat in Folge zu. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Geschäfte als auch die Erwartungen für die kommenden Monate verbesserten sich deutlich.
Der Ifo-Geschäftsklimaindex August 2026 fällt damit besser aus als von Ökonomen erwartet. In einer von Reuters wiedergegebenen Analystenumfrage war im Schnitt lediglich mit einem Anstieg auf 87,2 Punkte gerechnet worden. Der tatsächliche Wert liegt 1,6 Punkte darüber. Das ifo Institut stellte zugleich fest, dass die von den Unternehmen wahrgenommene Unsicherheit weiter zurückgegangen ist.
Die beiden zentralen Komponenten des Index entwickelten sich im August nach oben. Der Index zur aktuellen Geschäftslage stieg laut den veröffentlichten Daten von 86,5 auf 88,5 Punkte. Noch kräftiger fiel die Verbesserung bei den Erwartungen aus. Dieser Teilindex erhöhte sich von 86,8 auf 89,1 Punkte. Die Unternehmen beurteilen damit nicht nur ihre derzeitigen Geschäfte günstiger, sondern blicken auch weniger skeptisch auf die nächsten Monate.
Die Entwicklung setzt eine Erholung fort, die nach dem Einbruch im Frühjahr begonnen hatte. Im April war das Geschäftsklima infolge der wirtschaftlichen Belastungen durch die Eskalation im Nahen Osten bis auf rund 84,4 Punkte abgesackt. Im Mai stieg der Index wieder auf 84,9 Punkte, im Juni auf 85,6 Punkte. Nach dem erneuten Anstieg im Juli folgte nun im August der bislang kräftigste Schritt dieser Erholungsphase.
Besonders deutlich verbesserte sich die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe. Nach Angaben des ifo Instituts bewerteten die Unternehmen ihre laufenden Geschäfte erheblich besser als im Juli. Auch bei den Erwartungen nahm die Skepsis ab. Die Industriebetriebe rechnen insgesamt damit, ihre Produktion in den kommenden drei Monaten auszuweiten.
Von einer durchgehend starken Industriekonjunktur kann dennoch nicht gesprochen werden. Die Unternehmen zeigten sich weiterhin unzufrieden mit ihrer Auftragslage. Damit bleibt eine zentrale Schwachstelle der deutschen Industrie bestehen. Gerade für exportorientierte Unternehmen hängt die weitere Entwicklung stark von der weltweiten Nachfrage, den Energiepreisen und den geopolitischen Rahmenbedingungen ab.
Auch bei den Dienstleistern verbesserte sich das Geschäftsklima. Besonders die Erwartungen entwickelten sich günstiger, gleichzeitig wurde die aktuelle Lage positiver bewertet. Unterschiede zwischen einzelnen Branchen bleiben allerdings groß. IT-Dienstleister blickten zuversichtlicher nach vorn, während das ifo Institut die Situation im Bereich Transport und Logistik weiterhin als schwierig beschreibt.
Im Handel setzte sich die Aufwärtsbewegung ebenfalls fort. Sowohl die Bewertung der laufenden Geschäfte als auch die Erwartungen verbesserten sich. Einen besonders deutlichen Stimmungsanstieg verzeichnete der Großhandel.
Im Bauhauptgewerbe ergibt sich dagegen ein gemischtes Bild. Zwar stieg auch dort der Geschäftsklimaindikator, allerdings vor allem deshalb, weil die Unternehmen weniger pessimistisch auf die kommenden Monate blickten. Die Bewertung der gegenwärtigen Geschäftslage verschlechterte sich leicht.
Damit erstreckt sich die Verbesserung des Geschäftsklimas zwar auf alle großen Wirtschaftsbereiche, die Ausgangslage bleibt aber unterschiedlich. Das gilt insbesondere für Branchen, die weiterhin unter schwacher Nachfrage, hohen Kosten oder strukturellen Problemen leiden.
Die besseren Stimmungsdaten treffen auf ebenfalls günstigere Zahlen zur tatsächlichen Wirtschaftsleistung. Das Statistische Bundesamt teilte am Dienstag mit, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2026 preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent gegenüber dem ersten Quartal gewachsen ist. Die erste Schätzung hatte noch bei 0,2 Prozent gelegen. Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 lag das preisbereinigte BIP um 1,0 Prozent höher.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurde das Wachstum vor allem durch die Exportentwicklung gestützt. Neu verfügbare Daten zum Warenhandel führten dazu, dass die Ausfuhren stärker eingeschätzt wurden als bei der ersten Berechnung Ende Juli. Damit ergänzen sich derzeit bessere Stimmungsindikatoren und ein moderates tatsächliches Wirtschaftswachstum.
Die Erholung bleibt dennoch mit Risiken verbunden. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte Mitte August darauf hingewiesen, dass hohe Energiepreise, geopolitische Spannungen und niedrige Wasserstände auf wichtigen deutschen Binnenschifffahrtswegen einzelne Branchen belasten können. Gleichzeitig hatten sich verschiedene Frühindikatoren für die deutsche Wirtschaft zuletzt aufgehellt.
Der ifo Geschäftsklimaindex gehört zu den wichtigsten Frühindikatoren für Europas größte Volkswirtschaft. Grundlage sind monatlich rund 9.000 Unternehmensmeldungen aus dem Verarbeitenden Gewerbe, dem Dienstleistungssektor, dem Handel und dem Bauhauptgewerbe. Die Unternehmen bewerten dabei ihre aktuelle Geschäftslage und ihre Erwartungen für die kommenden sechs Monate.
Der Augustwert zeigt damit vor allem eine deutlich verbesserte Stimmung und zunehmende Erwartungen an eine wirtschaftliche Belebung. Ob daraus eine stärkere Wachstumsdynamik entsteht, hängt jedoch davon ab, ob sich die verbesserten Erwartungen auch bei Auftragseingängen, Investitionen, Produktion und Konsum niederschlagen.
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