IG Metall startet Warnstreiks: Tarifkonflikt um Löhne und Arbeitsplätze verschärft sich

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die IG Metall hat in der Nacht zum Sonntag, 1. November 2026, mit Warnstreiks in der deutschen Metall- und Elektroindustrie begonnen. Unmittelbar nach dem Ende der Friedenspflicht legten Beschäftigte in mehreren Betrieben vorübergehend die Arbeit nieder. Die Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Entgelt und zusätzliche Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung. Das bisherige Angebot der Arbeitgeber hat sie zurückgewiesen. In den kommenden Tagen sollen sich die Arbeitsniederlegungen auf weitere Betriebe in Deutschland ausweiten.

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Erste Warnstreiks in mehreren Bundesländern gestartet

Zu den ersten betroffenen Unternehmen gehört der Weißblechhersteller Thyssenkrupp Rasselstein in Andernach in Rheinland-Pfalz. Nach Angaben der IG Metall beteiligten sich dort rund 300 Beschäftigte an der nächtlichen Aktion. Auch beim Elektronikzulieferer RF360 Europe, der zum US-Technologiekonzern Qualcomm gehört, begann in München ein Warnstreik. Im niedersächsischen Hildesheim versammelten sich ebenfalls rund 300 Gewerkschaftsmitglieder und Beschäftigte vor dem Automobilzulieferer KSM Castings.

Mit Ablauf des 31. Oktober endete die tarifvertragliche Friedenspflicht. Seit Mitternacht kann die IG Metall zu befristeten Arbeitsniederlegungen aufrufen. Zuvor waren solche Warnstreiks im Rahmen der laufenden Tarifrunde ausgeschlossen.

Die Gewerkschaft plant eine deutliche Ausweitung ihrer Aktionen. In Bayern sind nach ihren Angaben für Montag, 2. November, Warnstreiks in 34 Betrieben vorgesehen. Auch in anderen Tarifgebieten sollen weitere Unternehmen einbezogen werden.

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IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld und sichere Arbeitsplätze

Die Tarifverhandlungen betreffen bundesweit rund 3,7 Millionen Beschäftigte. Dazu gehören Arbeitnehmer in der Automobilindustrie, im Maschinenbau, in der Elektrotechnik und in zahlreichen Zulieferbetrieben. Die Gespräche werden regional in 15 Tarifgebieten geführt. Für Volkswagen gelten eigene tarifvertragliche Regelungen.

Die IG Metall fordert eine Erhöhung der Entgelte um fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Darüber hinaus verlangt sie tarifliche Vereinbarungen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Produktionsstandorten. Beschäftigte in wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen sollen stärker an den Gewinnen beteiligt werden. Für untere Entgeltgruppen und Auszubildende strebt die Gewerkschaft zusätzliche Verbesserungen an.

Die Gewerkschaft begründet ihre Forderungen unter anderem mit gestiegenen Lebenshaltungskosten. IG Metall-Chefin Christiane Benner kritisierte das bisherige Angebot der Arbeitgeber als unzureichend. Die Beschäftigten benötigten sowohl höhere Einkommen als auch verlässliche Perspektiven für ihre Arbeitsplätze.

Arbeitgeber bieten Einmalzahlung und 1,3 Prozent ab Juli 2028

Die Arbeitgeberverbände haben in der zweiten Verhandlungsrunde ein bundesweit abgestimmtes Angebot vorgelegt. Dieses sieht zunächst eine Einmalzahlung im Juli 2027 vor. Sie soll grundsätzlich einem Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoentgelts entsprechen. Ab Juli 2028 sollen die Tabellenentgelte dauerhaft um 1,3 Prozent steigen. Die vorgeschlagene Laufzeit beträgt insgesamt 26 Monate und reicht bis zum 31. Dezember 2028.

Die Einmalzahlung soll abhängig von der wirtschaftlichen Lage einzelner Betriebe angepasst werden können. Die Arbeitgeber wollen diese sogenannte automatische Differenzierung dauerhaft ausweiten. Außerdem schlagen sie zusätzliche betriebliche Instrumente zur Sicherung von Investitionen und Beschäftigung sowie Gespräche über Krankenstände und den Einsatz künstlicher Intelligenz vor.

Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter begründete die Position der Arbeitgeber mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage der deutschen Industrie. Die Unternehmen stünden unter hohem Kostendruck und müssten ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Weitere Belastungen könnten nach Einschätzung des Verbands Investitionen und Arbeitsplätze gefährden.

Die Gewerkschaft bewertet das Angebot dagegen als unzureichend, insbesondere wegen des späten Zeitpunkts der dauerhaften Entgelterhöhung. Nach ihrer Einschätzung würden die vorgeschlagenen Leistungen steigende Verbraucherpreise nicht ausreichend ausgleichen.

Weitere Warnstreiks in der kommenden Woche geplant

Die Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie sollen nach dem nächtlichen Auftakt deutlich ausgeweitet werden. In mehreren Tarifgebieten sind zusätzliche befristete Arbeitsniederlegungen angekündigt. Neben den für Montag vorgesehenen Aktionen in Bayern hat die IG Metall auch in Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen weitere Proteste vorbereitet.

Die Tarifparteien hatten ihre Gespräche Anfang Oktober aufgenommen. In der zweiten Verhandlungsrunde Ende Oktober kam es trotz des ersten Arbeitgeberangebots zu keiner Einigung. Mit den Warnstreiks will die Gewerkschaft nun den Druck für weitere Verhandlungen erhöhen.

Nächste Tarifverhandlungen teilweise noch ohne Termin

Ein neuer Verhandlungstermin steht noch nicht in sämtlichen Regionen fest. Für das Tarifgebiet Küste ist nach Angaben der IG Metall die dritte Verhandlungsrunde voraussichtlich am Freitag, 6. November 2026, in Bremen vorgesehen. In anderen Tarifgebieten, darunter Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, waren die Termine für die dritte Runde zunächst noch offen.

Damit geht die Tarifrunde nach dem Ende der Friedenspflicht in eine neue Phase. Eine Einigung über die Entgelterhöhungen und die weiteren tariflichen Forderungen liegt bislang nicht vor.

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