
Die 60-Tage-Frist für ein umfassenderes Abkommen zwischen den USA und Iran ist ohne endgültige Einigung abgelaufen. Das im Juni geschlossene Iran-USA-Rahmenabkommen hatte beide Seiten verpflichtet, innerhalb von höchstens 60 Tagen über eine dauerhafte Regelung zu verhandeln. Im Mittelpunkt standen unter anderem das iranische Atomprogramm, Sanktionen und die Sicherheit des Schiffsverkehrs im Persischen Golf. Eine Verlängerung der Frist lehnt die US-Regierung derzeit ab.
Die ausbleibende Einigung schlägt inzwischen auch wieder deutlicher auf die internationalen Märkte durch. Am Dienstag stieg der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent zeitweise auf mehr als 91 Dollar je Barrel. Gleichzeitig gerieten mehrere asiatische Aktienindizes unter Druck. Entscheidend für die wirtschaftlichen Folgen bleibt vor allem die Lage an der Straße von Hormus, durch die vor Beginn des Krieges rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports lief.
Die USA und Iran hatten das Memorandum am 17. Juni unterzeichnet. Der Text sah eine Beendigung militärischer Operationen und Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen innerhalb von maximal 60 Tagen vor. Zugleich enthielt die Vereinbarung Regelungen zur schrittweisen Aufhebung der US-Seeblockade, zum sicheren Schiffsverkehr und zu weiteren Gesprächen über das iranische Atomprogramm und Sanktionen.
Schon kurz nach der Unterzeichnung geriet das Abkommen allerdings unter erheblichen Druck. Beide Seiten warfen einander Verstöße vor. US-Präsident Donald Trump erklärte Anfang Juli die Vereinbarung für beendet, während Iran seine Verpflichtungen später als ausgesetzt bezeichnete. Dennoch blieb die im Memorandum festgeschriebene Verhandlungsfrist bis zum 17. August ein Bezugspunkt für diplomatische Bemühungen.
Trump schloss am Montag eine Verlängerung des bisherigen Interimsabkommens aus. Er erklärte zugleich, dass Iran nach seiner Einschätzung nicht zu einer Vereinbarung bereit sei, die den Anforderungen Washingtons entspreche. Als zentrales Ziel nannte er erneut die Verhinderung einer iranischen Atombewaffnung.
Auf iranischer Seite verschärfte sich unmittelbar vor Ablauf der Frist ebenfalls der Ton. Ein hochrangiger iranischer Vertreter erklärte, das Land werde angesichts der festgefahrenen Gespräche zu einer vollständig offensiven militärischen Haltung übergehen. Nach iranischer Darstellung habe Washington wesentliche Teile der Vereinbarung nicht umgesetzt. Eine unabhängige Bestätigung einzelner Vorwürfe lag zunächst nicht vor.
Teheran hatte bereits zuvor bestritten, dass überhaupt über eine formelle Verlängerung der 60-Tage-Frist verhandelt werde. Ein iranischer Vertreter begründete dies damit, dass die USA das Abkommen aus Sicht Irans bereits kurz nach dessen Abschluss verletzt hätten. Pakistan, Katar und weitere Staaten hatten in den vergangenen Monaten versucht, neue Gespräche zu ermöglichen. Konkrete Fortschritte zu einem endgültigen Abkommen wurden zuletzt jedoch nicht bekannt.
Auch die Türkei drängt auf eine Fortsetzung der Diplomatie. Präsident Recep Tayyip Erdogan rief Trump am Montag dazu auf, die Gespräche mit Teheran weiterzuführen, und bot Unterstützung für Vermittlungsbemühungen an.
Besonders angespannt ist die Lage rund um die Straße von Hormus. Der Schiffsverkehr durch die Meerenge ist nach mehreren Angriffen deutlich zurückgegangen. Nach Daten des Analyseunternehmens Kpler passierten am Samstag nur fünf Frachtschiffe die Meerenge, am Sonntag wurde zunächst kein vergleichbarer Transit registriert. Am Wochenende zuvor waren es noch 31 Schiffe gewesen. Vor Beginn des Krieges wurden täglich mehr als 130 Durchfahrten gezählt.
Die Bedeutung dieser Entwicklung reicht weit über die Region hinaus. Vor dem Krieg verlief etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports durch die Straße von Hormus. Einschränkungen treffen deshalb nicht nur Lieferungen aus Iran, sondern können auch Exporte anderer großer Produzenten am Persischen Golf beeinträchtigen.
Iran und Oman verhandelten zuletzt über eine Regelung für den Schiffsverkehr. Gleichzeitig bestehen zwischen Washington und Teheran weiter grundlegende Differenzen über die Bedingungen für eine Öffnung der Route. Eine umfassende Vereinbarung dazu lag am Dienstagmorgen nicht vor.
An den Rohstoffmärkten reagierten die Ölpreise unmittelbar auf die schwindenden Aussichten auf eine schnelle politische Lösung. Brent-Rohöl verteuerte sich am Dienstagmorgen um 62 Cent auf 91,49 Dollar je Barrel. Die US-Sorte West Texas Intermediate stieg um 75 Cent auf 85,25 Dollar. Brent hatte bereits am Montag um 2,65 Prozent auf 90,87 Dollar zugelegt.
Gold entwickelte sich dagegen nicht parallel zum Ölpreis. Der Preis gab am Dienstag zunächst leicht nach. Der jüngste Konflikt hat beim Edelmetall ohnehin ein ungewöhnliches Muster erzeugt. Nach einem deutlichen Rückgang während der ersten Kriegsmonate erholte sich Gold im August wieder und notierte zuletzt im Bereich von rund 4.400 Dollar je Feinunze.
Für die Weltwirtschaft ist vor allem der Ölpreis von Bedeutung. Höhere Energiekosten können die Inflation erneut verstärken und damit die Zinserwartungen an den internationalen Kapitalmärkten verändern.
Auch an den Aktienmärkten nahm die Vorsicht zu. Der japanische Nikkei verlor am Dienstag 1,6 Prozent. Der breitere MSCI-Index für Aktien aus dem asiatisch-pazifischen Raum außerhalb Japans lag zeitweise rund 0,3 Prozent im Minus. In Südkorea wurden frühe deutliche Kursgewinne wieder weitgehend abgegeben.
Bereits am Montag hatte auch die Wall Street nachgegeben. Der S&P 500 verlor 0,5 Prozent, der Nasdaq rund 0,3 Prozent. Dabei wirkten neben der Lage im Nahen Osten auch schwächere US-Konjunkturdaten und veränderte Zinserwartungen auf die Kurse. Die Marktbewegungen lassen sich deshalb nicht ausschließlich auf den Iran-Konflikt zurückführen.
Steigende Ölpreise treiben zugleich die Renditen am Anleihemarkt nach oben. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erreichte am Dienstag rund 4,72 Prozent. Anleger kalkulieren damit zunehmend das Risiko ein, dass höhere Energiepreise den Inflationsdruck verstärken könnten.
Damit hat der Ablauf der 60-Tage-Frist zwar keinen automatischen politischen oder militärischen Mechanismus ausgelöst. Er markiert jedoch das Ende des ursprünglich vorgesehenen Zeitfensters für eine umfassende Vereinbarung. Solange der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus stark eingeschränkt bleibt und Washington sowie Teheran keine neue Verhandlungsgrundlage vereinbaren, bleibt der Konflikt ein erheblicher Unsicherheitsfaktor für Energiepreise und internationale Finanzmärkte.
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