
Für die traditionsreiche Porzellanmanufaktur Kahla in Thüringen gibt es keine Fortführung mehr. Das Unternehmen stellt seinen Betrieb zum Jahresende 2026 ein. Insolvenzverwalter Rolf Rombach teilte am Mittwoch mit, dass die monatelange Suche nach einem Investor ohne tragfähiges Ergebnis geblieben sei. Die Produktion soll nun schrittweise heruntergefahren werden. Betroffen sind 96 Beschäftigte. Damit steht fest: Kahla-Porzellan stellt Produktion ein und beendet damit eine Unternehmensgeschichte, deren Ursprünge bis ins Jahr 1844 zurückreichen.
Seit Monaten hatte die Insolvenzverwaltung nach einer Möglichkeit gesucht, den Standort und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Zwischenzeitlich gab es mehrere Interessenten. Noch Ende Juli liefen konkrete Gespräche mit einem Unternehmer aus dem europäischen Ausland. Damals sollte das Werk technisch geprüft werden, bevor abschließende Verhandlungen beginnen konnten. Gleichzeitig bereitete die Insolvenzverwaltung bereits ein geordnetes Auslaufen der Fertigung vor, falls die Übernahme nicht zustande kommen sollte. Erste Kündigungen waren zu diesem Zeitpunkt angekündigt worden.
Zuletzt wurde nach Angaben des Insolvenzverwalters noch mit einem türkischen Investor verhandelt. Auch diese Gespräche führten nicht zu einer Vereinbarung. Eine wirtschaftlich tragfähige Lösung für die Fortführung des Unternehmens sei damit nicht mehr vorhanden. Die Fertigung wird deshalb nicht abrupt an einem einzigen Tag gestoppt, sondern in mehreren Etappen bis zum Jahresende beendet.
Von der Betriebseinstellung sind nach den aktuellen Angaben 96 Beschäftigte betroffen. Zu Beginn des Insolvenzverfahrens im Frühjahr war die Belegschaft noch größer. Anfang März wurden rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die wirtschaftliche Situation informiert. Auch Ende April und Mitte Mai wurde die Beschäftigtenzahl noch mit rund 120 angegeben.
Im Sommer hatte sich bereits abgezeichnet, dass parallel zur Suche nach einem Käufer Personalmaßnahmen vorbereitet werden mussten. Insolvenzverwalter Rombach erklärte Ende Juli, dass für beide möglichen Szenarien geplant werden müsse. Neben einer Übernahme wurde deshalb auch das kontrollierte Auslaufen des Geschäftsbetriebs vorbereitet. Mit der Entscheidung vom Oktober ist die Hoffnung auf eine Fortführung der Porzellanproduktion am bisherigen Standort nun beendet.
Als entscheidenden wirtschaftlichen Belastungsfaktor für das endgültige Aus bezeichnete Rombach die hohen Energiekosten. Für einen Porzellanhersteller ist der Energiebedarf ein zentraler Kostenpunkt. Nach Angaben des Unternehmens durchläuft das Porzellan bei der Herstellung unter anderem Brennvorgänge bei etwa 900 und 1.400 Grad Celsius. Bereits während des Insolvenzverfahrens liefen die Brennöfen deshalb zeitweise nicht durchgehend, sondern in einzelnen Produktionsphasen.
Die finanzielle Krise hatte allerdings mehrere Ursachen. Als die Insolvenz Anfang März bekannt wurde, verwies das Unternehmen auch auf eine schwächere Auftragslage als erwartet. Insbesondere aus Hotels und Gaststätten sei weniger Nachfrage gekommen. Zusätzlich hatten die gestiegenen Energiekosten die Kalkulation belastet. Nach Angaben des MDR war der Insolvenzantrag bereits am 27. Februar gestellt worden.
Im Frühjahr lief die Produktion zunächst weiter. Neue Aufträge gingen ein, und die Insolvenzverwaltung berichtete zeitweise von Interesse mehrerer möglicher Investoren. Die Auftragslage reichte jedoch nicht aus, um die wirtschaftlichen Probleme aus den vergangenen Jahren auszugleichen. Auch Gespräche über eine mögliche Unterstützung durch den Freistaat Thüringen führten letztlich nicht zu einer dauerhaften Lösung für das Werk.
Für Kahla-Porzellan ist die aktuelle Krise nicht die erste Insolvenz der jüngeren Unternehmensgeschichte. Bereits im März 2020 geriet das damalige Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Hintergrund war damals unter anderem ein gescheitertes internationales Großprojekt. Im September desselben Jahres wurde der Geschäftsbetrieb im Rahmen einer übertragenden Sanierung übernommen und unter der Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen GmbH fortgeführt.
Auch danach blieben die Energiekosten ein Problem. Anfang 2023 drohte nach damaligen Angaben bereits ein Produktionsstopp, nachdem sich die Gaspreise stark erhöht hatten und kurzfristig ein neuer Lieferant gefunden werden musste. Die erneute Insolvenz 2026 zeigte schließlich, dass die wirtschaftlichen Belastungen nicht dauerhaft überwunden werden konnten.
Die Geschichte der Marke reicht bis 1844 zurück. Das Unternehmen selbst bezeichnet Kahla als Traditionsmarke mit mehr als 180 Jahren Geschichte. Der Standort produzierte sowohl Geschirr für private Haushalte als auch Porzellan für Gastronomie, Hotellerie und Firmenkunden. In den vergangenen Jahrzehnten setzte Kahla zudem stark auf modernes Produktdesign und erhielt nach Unternehmensangaben zahlreiche internationale Designauszeichnungen.
Nach der deutschen Wiedervereinigung war das Unternehmen bereits einmal grundlegend neu aufgestellt worden. In den 1990er Jahren entstand nach wirtschaftlichen Problemen ein neues Unternehmen, das die Porzellantradition am Standort fortsetzte. 2020 folgte nach der nächsten Insolvenz erneut ein Eigentümerwechsel. Die nun angekündigte Einstellung der Fertigung beendet diese Reihe von Sanierungsversuchen. Für die verbliebenen 96 Beschäftigten bedeutet das Produktionsende zugleich den Verlust ihrer Arbeitsplätze.
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