Kakaoindustrie meldet wieder Wachstum: Was das für Schokolade bedeutet

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Verarbeitung von Kakaobohnen nimmt in Deutschland und Europa wieder zu. Nach einer längeren Schwächephase meldet die Süßwarenindustrie für das dritte Quartal 2026 erstmals auch auf europäischer Ebene einen Anstieg. In Deutschland setzt sich damit eine bereits im Frühjahr begonnene Erholung fort. Für Verbraucher bedeutet die Entwicklung allerdings nicht automatisch, dass Schokolade im Supermarkt günstiger wird. Denn am internationalen Kakaomarkt bleiben die Preise schwankungsanfällig.

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Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) verarbeiteten die beteiligten deutschen Unternehmen von Juli bis September insgesamt 98.274,8 Tonnen Kakao. Das entspricht einem Zuwachs von 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die European Cocoa Association (ECA) ermittelte für Europa 348.215 Tonnen und damit ein Plus von 3,2 Prozent.

Kakaovermahlung in Deutschland steigt zum zweiten Mal in Folge

Die Kakaovermahlung im dritten Quartal 2026 bestätigt in Deutschland eine Entwicklung, die sich bereits im Frühjahr abgezeichnet hatte. Nach zwei Jahren mit rückläufigen Verarbeitungsmengen konnten die Unternehmen ihre Produktion nun zum zweiten Quartal in Folge gegenüber dem jeweiligen Vorjahreszeitraum steigern.

An der deutschen Erhebung beteiligen sich zehn Unternehmen, die Kakaobohnen in ihren Produktionsstätten selbst verarbeiten. Schon im zweiten Quartal hatten diese Betriebe knapp 86.000 Tonnen Kakao vermahlen. Das waren 1,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

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Bei der Vermahlung werden Kakaobohnen industriell verarbeitet. Dabei entsteht unter anderem Kakaomasse, die anschließend zu Kakaobutter und Kakaopulver weiterverarbeitet werden kann. Diese Erzeugnisse werden beispielsweise für Schokolade, Pralinen, Backwaren und andere Lebensmittel benötigt.

Die Verarbeitungsmenge gilt deshalb als ein wichtiger Indikator für die Aktivität der Kakaoindustrie. Sie zeigt jedoch nicht unmittelbar, wie viele Schokoladentafeln verkauft werden. Unternehmen können ihre Rohstoffe auch für andere Produkte verwenden oder Lagerbestände aufbauen.

Europa beendet eine zweijährige Phase rückläufiger Mengen

Noch deutlicher ist der Richtungswechsel auf europäischer Ebene. Die ECA verzeichnet erstmals seit rund zwei Jahren wieder ein Wachstum gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal.

Im dritten Quartal 2025 waren nach den ECA-Daten 337.353 Tonnen Kakao verarbeitet worden. Ein Jahr später waren es 348.215 Tonnen. Der Zuwachs fällt damit zwar positiv aus, die Branche erreicht aber noch nicht wieder das frühere Verarbeitungsniveau.

Im dritten Quartal 2024 hatte die europäische Vermahlung beispielsweise bei 354.334 Tonnen gelegen. Der aktuelle Wert bleibt somit trotz der Erholung unter dem Niveau von vor zwei Jahren.

Auch die Bilanz für die ersten neun Monate 2026 fällt weiterhin negativ aus. Zwischen Januar und September wurden insgesamt 990.476 Tonnen Kakao verarbeitet. Im entsprechenden Zeitraum 2025 waren es 1.022.637 Tonnen gewesen. Daraus ergibt sich ein Rückgang von rund 3,1 Prozent.

Besonders schwach verlief das erste Halbjahr. Im ersten Quartal sank die europäische Verarbeitung gegenüber dem Vorjahr um 7,8 Prozent, im zweiten Quartal um 4,6 Prozent. Erst zwischen Juli und September gelang die Rückkehr zu positiven Wachstumsraten. Die ECA-Statistik erfasst die gemeldete Verarbeitung von 19 teilnehmenden Unternehmen.

Kakaopreise bleiben trotz Erholung stark in Bewegung

Der jüngste Anstieg der Verarbeitungsmengen fällt in eine Phase erheblicher Preisschwankungen am internationalen Kakaomarkt. Zwischen 2023 und 2025 verteuerte sich der Rohstoff zeitweise auf mehr als 10.000 US-Dollar je Tonne. Zu den wichtigsten Ursachen gehörten Produktionsausfälle in großen Anbauländern, insbesondere in Westafrika.

Im Verlauf des Jahres 2026 gingen die Preise zunächst deutlich zurück, bevor sie wieder anzogen. Wie groß die Unterschiede zwischen den einzelnen Monaten sind, zeigen Daten des Statistischen Bundesamtes zu den deutschen Einfuhrpreisen.

Im August 2026 war importierter Rohkakao demnach 27,7 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. Gegenüber Juli 2026 verteuerte er sich allerdings um 7,2 Prozent. Bereits im Juli hatte der monatliche Preisanstieg bei 9,7 Prozent gelegen.

Damit stehen zwei Entwicklungen nebeneinander: Im längerfristigen Vergleich ist Rohkakao günstiger geworden, während sich die Einkaufspreise zuletzt wieder erhöht haben. Die Verarbeiter müssen deshalb weiterhin mit erheblichen Schwankungen kalkulieren.

Warum Schokolade nicht automatisch günstiger wird

Für Verbraucher ist vor allem entscheidend, wie sich die Rohstoffkosten auf die fertigen Produkte auswirken. Zwischen dem Einkauf von Kakaobohnen und dem Verkauf einer Schokoladentafel liegen jedoch mehrere Produktions- und Handelsstufen.

Hersteller beziehen Kakao teilweise über längerfristige Verträge und sichern Einkaufspreise im Voraus ab. Veränderungen an den Rohstoffbörsen schlagen sich deshalb häufig erst mit Verzögerung in den tatsächlichen Herstellungskosten nieder.

Hinzu kommen weitere Kosten für Zucker, Milchprodukte, Energie, Personal, Verpackung und Transport. Auch die Preisverhandlungen zwischen Herstellern und Einzelhandel beeinflussen, wie viel Kunden an der Ladenkasse bezahlen.

Wie stark sich die Rohstoffkrise zuvor ausgewirkt hatte, zeigen die Verbraucherpreise des vergangenen Jahres. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kostete Schokolade im Oktober 2025 durchschnittlich 21,8 Prozent mehr als im Oktober 2024. Bei klassischen Schokoladentafeln lag der Preisanstieg sogar bei 30,7 Prozent.

Die jüngste allgemeine Verbraucherpreisstatistik für September 2026 weist für Nahrungsmittel insgesamt einen Anstieg von lediglich 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat aus. Daraus lässt sich allerdings keine entsprechende Preisentwicklung für Schokolade allein ableiten.

Die höhere Kakaovermahlung liefert somit keine Grundlage für die Annahme, dass Schokolade kurzfristig deutlich billiger wird. Möglich sind Veränderungen bei einzelnen Produkten und Herstellern, eine allgemeine Preissenkung lässt sich aus den Verarbeitungszahlen jedoch nicht ableiten.

Weltweiter Kakaomarkt bleibt von Angebot und Nachfrage abhängig

Die Entwicklung in Europa ist Teil eines internationalen Marktes, auf dem sowohl die Erntemengen als auch der Rohstoffbedarf der Industrie eine wichtige Rolle spielen.

Nach den im August 2026 veröffentlichten Schätzungen der Internationalen Kakaoorganisation ICCO stieg die weltweite Kakaoproduktion im Kakaojahr 2024/25 um 8,5 Prozent auf rund 4,73 Millionen Tonnen. Gleichzeitig ging die weltweite Verarbeitung um 3,3 Prozent auf rund 4,65 Millionen Tonnen zurück.

Für diesen Zeitraum errechnete die Organisation einen globalen Angebotsüberschuss von rund 37.000 Tonnen. Für das anschließende Kakaojahr 2025/26 veröffentlichte sie in ihrem Augustbericht zunächst keine vollständigen Produktions- und Verarbeitungszahlen.

Die Angaben verdeutlichen, dass die Rohstoffversorgung und die industrielle Nachfrage nicht immer im gleichen Tempo wachsen. Ein höheres Angebot kann den Markt entlasten. Gleichzeitig können schlechte Ernten, Pflanzenkrankheiten oder ungünstige Wetterbedingungen die Versorgung erneut beeinträchtigen.

Besonders bedeutend sind dabei die Entwicklungen in der Elfenbeinküste und Ghana. Beide Länder zählen zu den wichtigsten Kakaoerzeugern weltweit. Veränderungen ihrer Erntemengen können deshalb Auswirkungen auf die internationalen Rohstoffpreise und die Beschaffungskosten europäischer Schokoladenhersteller haben.

Erholung der Kakaoindustrie ist noch nicht abgeschlossen

Die Zahlen für das dritte Quartal 2026 sind für die europäische Kakaoindustrie ein positives Signal. In Deutschland steigen die Verarbeitungsmengen bereits seit zwei Quartalen gegenüber dem Vorjahr. Auf europäischer Ebene ist die Rückkehr zu einem Wachstum besonders bemerkenswert, weil zuvor über einen längeren Zeitraum Rückgänge verzeichnet wurden.

Von einer vollständigen Erholung kann angesichts der weiterhin negativen Neunmonatsbilanz jedoch noch keine Rede sein. Der weitere Verlauf hängt unter anderem davon ab, wie sich die Nachfrage nach Kakaoprodukten entwickelt und welche Mengen die Anbauländer auf den Weltmarkt bringen.

Für Verbraucher bleibt die Entwicklung der Schokoladenpreise eine davon getrennte Frage. Mehr verarbeiteter Kakao kann auf eine Belebung der Industrie hindeuten. Ob sich daraus günstigere Produkte ergeben, hängt zusätzlich von Rohstoffkosten, Produktionsbedingungen und den Entscheidungen der Hersteller und Händler ab.

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