
Stiftung Warentest und ADAC warnen vor zwei Kindersitzen, die in aktuellen Frontalcrashtests schwere Sicherheitsmängel gezeigt haben. Betroffen sind der Britax Römer Baby-Safe Pro in Verbindung mit der Isofix-Basis Vario Base 5Z sowie der Axkid Minikid Core. Beim Modell von Britax Römer trat das Problem in der geneigten Liegeposition auf. Axkid hat für betroffene Exemplare bereits einen freiwilligen Rückruf gestartet.
Die Warnung vor zwei Kindersitzen wurde noch vor Veröffentlichung des vollständigen Herbsttests ausgesprochen. Nach Angaben der Prüforganisationen waren die Ergebnisse so schwerwiegend, dass Eltern bereits vorab informiert werden sollten. Die beiden Modelle erfüllen zwar weiterhin die gesetzlichen Zulassungsanforderungen, zeigten aber unter den strengeren Bedingungen des Verbraucherschutztests erhebliche Schwächen.
Der Britax Römer Baby-Safe Pro ist für Kinder mit einer Körpergröße von 40 bis 85 Zentimetern vorgesehen. Im beanstandeten Test war die Babyschale rückwärtsgerichtet auf der Vario Base 5Z befestigt und in die geneigte Liegeposition gebracht worden. Für den Frontalcrash verwendeten die Tester einen Dummy, der einem etwa 18 Monate alten Kind entsprach.
Beim Aufprall verformte sich die Babyschale stark. Dabei brachen Teile der Verriegelung des Gurtschlosses, der Gurt öffnete sich und der Dummy wurde aus der Schale geschleudert. Der ADAC führt das Versagen auf die hohen Kräfte zurück, die in der flachen Position auf Hosenträgergurt und Schloss wirkten. Der Schutz beim Frontalaufprall wurde deshalb mit mangelhaft bewertet.
Das Problem trat nach den bisher veröffentlichten Testergebnissen nicht bei jeder Einbauvariante auf. In aufrechter Position auf der Vario Base 5Z hielt die Schale dem Test stand. Auch bei einer Befestigung der Babyschale direkt mit dem Dreipunktgurt des Fahrzeugs versagte das Gurtschloss in den Versuchen weder in aufrechter noch in geneigter Position.
ADAC und Stiftung Warentest raten dazu, den Baby-Safe Pro auf der Vario Base 5Z derzeit nicht in der beanstandeten Liegeposition zu verwenden. Möglich ist nach den Testergebnissen eine möglichst aufrechte Stellung auf der Basis. Alternativ kann die Babyschale ohne Vario Base 5Z mit dem Dreipunktgurt des Autos befestigt werden. Dabei muss der Gurt entsprechend der Herstelleranleitung korrekt und straff geführt werden.
Britax Römer hatte gegenüber den Testern erklärt, die Ergebnisse zu untersuchen. Nach dem von Stiftung Warentest veröffentlichten Stand war zunächst noch kein allgemeiner Rückruf des Herstellers, kein kostenloser Austausch und keine generelle Erstattung veranlasst. Über weitere Maßnahmen solle nach Abschluss der technischen Prüfung entschieden werden.
Für Kunden von BabyOne gibt es inzwischen eine weitergehende Regelung. Das Unternehmen führt den Baby-Safe Pro auf seiner Seite mit aktuellen Produktsicherheitsrückrufen und fordert Käufer der dort aufgeführten Artikelnummern auf, den Sitz nicht weiter zu verwenden und zurückzugeben. Angeboten werden dort Ersatz durch ein gleichwertiges Produkt oder eine Erstattung. Diese Händlermaßnahme ist von einem allgemeinen Rückruf durch Britax Römer zu unterscheiden.
Noch deutlicher fiel die Reaktion beim Axkid Minikid Core aus. Der rückwärtsgerichtete Kindersitz ist für Kinder mit einer Körpergröße von 40 bis 125 Zentimetern zugelassen. Im Frontalcrashtest wurde er in geneigter Position mit einem 23 Kilogramm schweren Dummy geprüft.
Während des Aufpralls bewegte sich der Sitz nach vorn. Dabei traf das Kunststoffuntergestell auf den Stützfuß und löste dessen Entriegelung aus. Der Stützfuß fuhr vollständig ein. Zusätzlich brach die Sitzschale im Bereich des Gurtschlosses. Das Schloss wurde aus der Schale gerissen, wodurch sich der Körper des Dummys stark bewegte. Die Tester stellten dabei hohe Belastungen im Halsbereich sowie ein zusätzliches Risiko eines Kontakts mit dem Fahrzeuginnenraum fest. Auch beim Minikid Core wurde der Frontaufprallschutz deshalb mit mangelhaft bewertet.
Stiftung Warentest rät ausdrücklich davon ab, den Minikid Core weiter zu verwenden.
Axkid hat den Verkauf des Minikid Core eingestellt und einen freiwilligen Rückruf für betroffene Produktionschargen eingeleitet. Besitzer sollen ihren Sitz über das Onlineformular des Herstellers registrieren. Benötigt werden unter anderem die Kennzeichnung beziehungsweise Seriennummer des Sitzes und ein Foto des Produktaufklebers. Anschließend prüft Axkid, ob das jeweilige Exemplar vom Rückruf betroffen ist.
Für betroffene Sitze organisiert Axkid einen kostenlosen Austausch. Der Hersteller nennt den Axkid Minikid 4 Pro als unmittelbar verfügbares Ersatzmodell. Alternativ soll zu einem späteren Zeitpunkt eine überarbeitete Version des Minikid Core angeboten werden. Andere Axkid-Modelle seien von dem Rückruf nicht betroffen.
Bei der Frage nach der weiteren Nutzung gibt es unterschiedliche Empfehlungen. Axkid erklärt auf Grundlage seiner eigenen Sicherheitsbewertung, betroffene Sitze könnten bis zum Eintreffen des Ersatzes weiterhin verwendet werden, weil sie die gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Stiftung Warentest rät dagegen angesichts des Ergebnisses des Frontalcrashtests dringend von einer weiteren Nutzung des Minikid Core ab.
Dass beide Sitze über eine gültige Zulassung verfügen, steht nicht im Widerspruch zu den schlechten Ergebnissen. Die Frontalaufprallprüfungen von ADAC und seinen europäischen Partnern orientieren sich an Belastungen moderner Fahrzeugcrashtests. Dabei wirken höhere Kräfte als in den gesetzlich vorgeschriebenen Zulassungsversuchen nach UN-Regelung 129.
Ein schlechtes Ergebnis in einem solchen Verbrauchertest führt deshalb nicht automatisch zum Entzug der Zulassung oder zu einem behördlichen Rückruf. Ebenso ergibt sich daraus nicht in jedem Fall automatisch ein Anspruch auf Rückgabe. Bei vergleichsweise neu gekauften Sitzen können jedoch Gewährleistungsrechte gegenüber dem Verkäufer in Betracht kommen. Ob diese greifen, hängt vom konkreten Kauf und vom jeweiligen Mangel ab.
Für Eltern ist vor allem entscheidend, welches Modell und welche Einbauvariante sie nutzen. Besitzer eines Axkid Minikid Core sollten die Kennzeichnung ihres Sitzes prüfen und ihn bei Axkid für die Rückrufprüfung registrieren. Beim Britax Römer Baby-Safe Pro betrifft die veröffentlichte Warnung die Kombination mit der Vario Base 5Z in geneigter Liegeposition. Wer den Sitz bei BabyOne gekauft hat, kann zudem prüfen, ob die dort veröffentlichte Rückrufaktion für die eigene Artikelnummer gilt.
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