
Die Insolvenz bei KmB Technologie in Zerbst verschärft die Sorgen um Arbeitsplätze in der deutschen Automobilzulieferindustrie. Der Hersteller von Präzisionsteilen hat einen Insolvenzantrag gestellt. Am Dienstag, 6. Oktober, reagierte die IG Metall Halle-Dessau öffentlich auf das Verfahren und nannte 185 Beschäftigte, deren berufliche Zukunft nun unsicher ist. Die Gewerkschaft verlangt einen belastbaren Zukunftsplan für den Standort in Sachsen-Anhalt. Der Betrieb soll zunächst weiterlaufen können.
Das Verfahren über das Vermögen der KmB Technologie GmbH wird beim Amtsgericht Dessau-Roßlau unter dem Aktenzeichen 2 IN 173/26 geführt. Ein entsprechender Verfahrenseintrag datiert vom 5. Oktober 2026. Prof. Dr. Lucas F. Flöther wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Die Produktion könne nach einer ersten Einschätzung zunächst weitergeführt werden. Von Kundenseite sei zudem Unterstützung durch Vorauszahlungen in Aussicht gestellt worden. Damit steht zum jetzigen Zeitpunkt keine unmittelbare Stilllegung des Werkes fest. Wie eine dauerhafte Lösung aussehen könnte, ist allerdings noch offen.
Als unmittelbarer Auslöser für den Insolvenzantrag wurde von der Kanzlei des vorläufigen Verwalters der drohende Wegfall eines wichtigen Auftrags genannt. Ein bedeutender Kunde habe angekündigt, diesen Auftrag nicht wie erwartet zu verlängern. Welcher Kunde damit konkret gemeint war, wurde in dieser Aussage nicht genannt. Die Stadt Zerbst hatte zugleich auf die starke Abhängigkeit des Unternehmens von Volkswagen hingewiesen. Nach Darstellung der Stadt konnten ausbleibende beziehungsweise zurückgehende Aufträge bislang nicht ausreichend durch anderes Geschäft ersetzt werden.
Die IG Metall Halle-Dessau fordert nun, Produktion und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Nach ihren aktuellen Angaben sind 185 Beschäftigte am Standort betroffen. Vorrang hätten die Sicherung der Einkommen, eine größtmögliche Beschäftigungssicherung und eine tragfähige Zukunft für das Werk. Die Gewerkschaft verlangt dafür Beiträge der Kunden und Unterstützung durch die politisch Verantwortlichen. Gemeinsam mit dem Betriebsrat will sie das Verfahren begleiten. Kritik der IG Metall an möglichen Managementfehlern ist dabei eine gewerkschaftliche Bewertung. Feststellungen des Gerichts oder des vorläufigen Insolvenzverwalters zu einem solchen Fehlverhalten liegen bislang nicht vor.
Bereits vor dem Insolvenzantrag gab es Anzeichen für eine schwierige wirtschaftliche Situation. Am 22. September hatte die IG Metall angegeben, dass sich die damals mit rund 200 Beschäftigten bezifferte Belegschaft in einer Kurzarbeitsphase befand. Beschäftigte beteiligten sich zu diesem Zeitpunkt an einem bundesweiten Aktionstag für die Zukunft der Automobilindustrie und den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.
Zur Größe der Belegschaft gibt es derzeit unterschiedliche Zahlen. Die Stadt Zerbst hatte Anfang Oktober noch rund 230 Arbeitsplätze bei KmB genannt. Die aktuelle Mitteilung der IG Metall Halle-Dessau nennt dagegen ausdrücklich 185 Beschäftigte. Warum die Angaben auseinanderliegen, blieb zunächst offen. Bereits im September hatte die Gewerkschaft von rund 200 Beschäftigten gesprochen. Damit liegen für verschiedene Zeitpunkte unterschiedliche Angaben zur Beschäftigtenzahl vor.
Der langfristige Vergleich zeigt zugleich, dass KmB früher deutlich mehr Menschen beschäftigte. Als Mutares das Unternehmen im Juli 2024 übernahm, wurden rund 250 Beschäftigte angegeben. Die Unternehmenswebsite nennt mehr als 280 Mitarbeiter.
Mutares hatte KmB Technologie im Juli 2024 vollständig von der EMAG Industrial GmbH und der Scherer Holding GmbH übernommen. Das Unternehmen wurde der FerrAl United Group im Segment Automotive & Mobility zugeordnet. Mutares bezifferte den Umsatz von KmB für 2023 damals auf rund 50 Millionen Euro und die Belegschaft auf etwa 250 Menschen. Im Mutares-Geschäftsbericht für 2024 wurden für den seit der Übernahme in den Konzernabschluss einbezogenen Zeitraum 6,6 Millionen Euro Umsatz und ein Ergebnis nach Steuern von minus 3,3 Millionen Euro ausgewiesen.
KmB wird auch auf der aktuellen Mutares-Seite zur FerrAl United Group weiterhin aufgeführt. Die internationale Gruppe bündelt Unternehmen, die Schmiede- und Gussteile sowie bearbeitete Komponenten für die Fahrzeugindustrie herstellen. FerrAl United ist nach Angaben von Mutares an mehr als 30 Standorten tätig und erzielt einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro.
KmB Technologie stellt in Zerbst hochpräzise Dreh- und Frästeile her. Die Komponenten werden unter anderem in Lenkungen, Getrieben und Fahrwerken eingesetzt. Damit befindet sich das Unternehmen an einer Stelle der automobilen Lieferkette, an der Produktionsmengen unmittelbar von den Bestellungen großer Hersteller und anderer Zulieferer abhängen können. Kunden waren nach früheren Unternehmensangaben sowohl Automobilhersteller als auch sogenannte Tier-1-Zulieferer.
Auch andere Unternehmen der Zulieferindustrie in Sachsen-Anhalt stehen unter erheblichem Druck. Beim Bohai-Werk in Harzgerode ist ein Aus geplant, durch das mehr als 700 Arbeitsplätze wegfallen sollen. Für KmB ist ein solcher Ausgang bislang jedoch nicht beschlossen. Entscheidend wird zunächst sein, ob die laufende Produktion stabilisiert, Aufträge gesichert und eine wirtschaftlich tragfähige Lösung für den Standort Zerbst gefunden werden kann. Nach Angaben der Stadt gibt es Gespräche mit einem möglichen neuen Kunden.
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