Millionenhilfe soll überschüssigen Wein vom Markt nehmen

Erbschaftsteuer vor dem Umbruch? Was sich für Erben ändern könnte
Deutschland belegt laut OECD Taxing Wages 2026 Rang 2 der höchsten Steuerlast.

Teilen:

Die Krisendestillation im deutschen Weinbau geht in die praktische Umsetzung. Für überschüssige Rot- und Roséweine aus Rheinhessen und Württemberg stehen insgesamt 14,16 Millionen Euro aus der Agrarreserve der Europäischen Union bereit. Die Förderung soll Bestände aus dem Markt nehmen und damit vor allem den unter Druck geratenen Fassweinmarkt entlasten.

Anzeige

Die Krisendestillationsverordnung des Bundes legt eine Unterstützung von 0,59 Euro je tatsächlich angeliefertem und destilliertem Liter Wein fest. Baden-Württemberg erhält aus dem EU-Topf 3,835 Millionen Euro, Rheinland-Pfalz 10,325 Millionen Euro. Vorschüsse sind nicht vorgesehen. In Rheinland-Pfalz können damit rechnerisch bis zu 17,5 Millionen Liter Wein destilliert werden.

Förderung gilt nur für Rheinhessen und Württemberg

Die Regelung ist eng begrenzt. Förderfähig sind ausschließlich Rot- und Roséweine mit der geschützten Ursprungsbezeichnung Rheinhessen oder Württemberg. Die EU-Kommission schätzt die überschüssigen Bestände in diesen beiden Marktsegmenten auf rund 240.000 Hektoliter.

Antragsberechtigt sind nach der Bundesverordnung Unternehmen des Weinsektors, die entsprechende Weinbauerzeugnisse herstellen oder vermarkten. Hinzu kommen Weinerzeugerorganisationen, Winzergenossenschaften, Zusammenschlüsse von mindestens zwei Erzeugern sowie Brennereien, die Weinbauerzeugnisse verarbeiten.

Anzeige

Die Mindestmenge je Antrag liegt bei 300 Litern. Anträge müssen spätestens bis zum 15. Oktober 2026 bei der jeweils zuständigen Landesstelle vorliegen. Über die bewilligte Menge sollen die Antragsteller spätestens bis zum 30. November informiert werden.

Sollten mehr förderfähige Mengen angemeldet werden, als mit dem vorhandenen Geld finanziert werden können, sieht die Bundesregelung eine anteilige Kürzung vor. Damit sollen die verfügbaren Mittel grundsätzlich gleichmäßig auf die bewilligungsfähigen Anträge verteilt werden. Rheinland-Pfalz hat für Rheinhessen entsprechend angekündigt, bei einer Überzeichnung die förderfähigen Mengen aller betroffenen Anträge proportional zu reduzieren.

59 Cent Förderung je Liter destilliertem Wein

Die Unterstützung liegt bundesrechtlich bei 59 Cent je Liter angeliefertem und tatsächlich destilliertem Wein. In den Informationen aus Rheinland-Pfalz sind darin auch Kosten für Logistik und Brennlohn berücksichtigt.

Mit der Förderung können Betriebe ihren Wein allerdings nicht einfach unmittelbar zur Brennerei bringen. In Rheinland-Pfalz wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass vor Zugang des Bewilligungsbescheids destillierte Mengen nicht gefördert werden. Nach erfolgter Destillation müssen zudem mehrere Nachweise eingereicht werden.

Der gewonnene Alkohol darf nicht wieder als Getränk oder Lebensmittel auf den Markt gelangen. Er muss ausschließlich industriell eingesetzt werden, beispielsweise für Desinfektionsmittel, pharmazeutische Anwendungen oder zur Energiegewinnung. Damit soll verhindert werden, dass die Marktintervention an anderer Stelle neue Wettbewerbsverzerrungen verursacht.

Fassweinpreise deutlich unter früherem Niveau

Auslöser der Maßnahme ist nicht eine besonders große deutsche Weinernte. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Wein- und Mosterzeugung 2025 bei 7,55 Millionen Hektolitern. Das waren 2,6 Prozent weniger als 2024 und rund zehn Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2024.

Das Problem liegt vor allem auf der Nachfrageseite und bei bestehenden Beständen. Die EU-Kommission verweist auf sinkenden Konsum und erheblichen Preisdruck. In Rheinhessen lagen die Preise für Rotwein 2026 nach Berechnungen der Kommission 27 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2021 bis 2025. Bei Roséwein lag der Rückgang bei 29 Prozent. Besonders stark war Dornfelder betroffen. Hier lag der Preisrückgang bei 37,5 Prozent.

Auch in Württemberg verzeichnete die EU ähnliche Entwicklungen. Von Januar bis Mai 2026 lag der durchschnittliche Fasspreis für Rotwein mit geschützter Ursprungsbezeichnung dort bei 70 Cent je Liter, bei Roséwein bei 60 Cent.

Gleichzeitig trinken Verbraucher in Deutschland weniger Wein. Im Weinwirtschaftsjahr vom 1. August 2024 bis zum 31. Juli 2025 lag der rechnerische Pro-Kopf-Konsum der Bevölkerung ab 16 Jahren nach Angaben des Deutschen Weininstituts bei 21,5 Litern Wein. Ein Jahr zuvor waren es noch 22,2 Liter.

Weinmarkt steht europaweit unter Druck

Die Entwicklung ist nicht auf Deutschland beschränkt. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Rebe und Wein lag der weltweite Weinkonsum 2025 bei geschätzt 208 Millionen Hektolitern. Das waren 2,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Seit 2018 ist der weltweite Konsum damit um rund 14 Prozent zurückgegangen. Auch in der Europäischen Union sank der Verbrauch 2025 weiter.

Die EU hat deshalb auch anderen großen Weinbauländern außergewöhnliche Eingriffe erlaubt. Frankreich erhielt 2026 ebenfalls die Möglichkeit einer Krisendestillation. Die EU-Kommission ging dort von rund 1,2 Millionen Hektolitern überschüssigem Rot- und Roséwein aus. Frankreich stellte für die Maßnahme ein Budget von bis zu 40 Millionen Euro bereit, die Unterstützung lag bei 33 Euro je Hektoliter.

Damit ist die deutsche Krisendestillation Teil einer breiteren Anpassung des europäischen Weinmarktes. Sie soll kurzfristig Lagerbestände reduzieren und Preisdruck abfedern. Das strukturelle Problem eines rückläufigen Konsums löst die Destillation jedoch nicht. Deutschland plant deshalb zusätzlich Maßnahmen zur Verringerung von Rebflächen. Auch Frankreich setzt parallel auf Rodungsprogramme, um Angebot und Nachfrage längerfristig wieder stärker anzugleichen.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu