
Bei einem Angriff auf ein Einkaufszentrum in der zentralukrainischen Großstadt Krywyj Rih sind nach Angaben des ukrainischen Katastrophenschutzes mindestens 16 Menschen getötet worden. 130 weitere Menschen wurden demnach verletzt. Unter den Verletzten waren nach dem Stand vom Samstagmorgen 23 Kinder. Rettungskräfte suchten anschließend weiter in dem schwer beschädigten Gebäude.
Der Angriff ereignete sich am Freitag, 21. August 2026. Nach Angaben der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft wurde das Einkaufszentrum gegen 16.30 Uhr von zwei Drohnen getroffen. Ukrainische Stellen ordnen die Fluggeräte den russischen Streitkräften zu. Auch internationale Nachrichtenagenturen berichten unter Berufung auf die Behörden und eigene Auswertung der verfügbaren Informationen von einem russischen Angriff.
Ein russischer Angriff auf ein Einkaufszentrum in der Ukraine mit einer derart hohen Zahl ziviler Betroffener gehört zu den schwersten Einzelereignissen der jüngsten Angriffswelle. Das Einkaufszentrum war nach Angaben der örtlichen Behörden zum Zeitpunkt der Attacke geöffnet.
Nach ukrainischen Angaben erfolgte der Angriff in zwei zeitlich getrennten Wellen. Der zweite Einschlag soll etwa eine halbe Stunde nach dem ersten erfolgt sein. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits Rettungskräfte und Polizei am Einkaufszentrum im Einsatz.
Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete das Vorgehen als gezielten Angriff und kündigte eine ukrainische Reaktion an. Die Darstellung, dass der zweite Drohnenangriff bewusst auf Rettungskräfte zielte, stammt von ukrainischer Seite. Eine unabhängige Bestätigung der Absicht hinter dem zweiten Angriff lag zunächst nicht vor.
Durch die Treffer entstand ein großflächiger Brand. Der ukrainische Katastrophenschutz teilte mit, dass die Feuerwehr das Feuer löschen konnte und anschließend die Suche in den beschädigten Gebäudeteilen fortsetzte. Am Samstagmorgen galten zunächst noch mehrere Menschen als vermisst. Im weiteren Tagesverlauf teilten örtliche Stellen mit, dass sich die Zahl der Vermissten reduziert habe.
Selenskyj erklärte nach dem Angriff, die Ukraine werde reagieren. Zugleich forderte er erneut zusätzliche Unterstützung für die ukrainische Luftverteidigung. Kiew verweist seit Monaten auf einen hohen Bedarf an Abfangraketen und modernen Systemen zum Schutz von Städten vor russischen Raketen und Drohnen.
Die ukrainische Führung versucht gleichzeitig, mit eigenen Langstreckendrohnen russische Militäranlagen und wirtschaftliche Infrastruktur weit hinter der Grenze anzugreifen. Zu den von der Ukraine genannten Zielen gehören unter anderem Einrichtungen der Ölindustrie und Logistikstandorte. Kiew begründet solche Angriffe damit, wirtschaftliche und militärische Strukturen schwächen zu wollen, die den russischen Krieg unterstützen.
Bei ukrainischen Angriffen auf russisches Gebiet wurden zuletzt ebenfalls Menschen getötet und verletzt. Russische Behörden meldeten am Wochenende Tote in mehreren Regionen. Einzelne Angaben zu Schäden und Opferzahlen auf russischem Gebiet können wegen des eingeschränkten unabhängigen Zugangs nicht in allen Fällen überprüft werden.
Aus Moskau gab es zunächst keine konkrete öffentliche Erklärung dazu, warum das Einkaufszentrum in Krywyj Rih getroffen wurde oder welches Ziel Russland dort verfolgt haben soll. Eine öffentlich belegte russische Darstellung eines militärischen Ziels innerhalb des Einkaufszentrums lag zunächst nicht vor.
Russlands Präsident Wladimir Putin äußerte sich am Samstag jedoch grundsätzlich zur jüngsten Serie ukrainischer Angriffe auf Ziele in Russland. Er warf Kiew vor, russische Wirtschaftsstrukturen anzugreifen, und kündigte Gegenmaßnahmen gegen besonders empfindliche Bereiche der ukrainischen Wirtschaft an.
Putin stellte die russischen Angriffe als Reaktion auf ukrainische Operationen dar. Die Ukraine wiederum bezeichnet ihre Angriffe auf russische Öl-, Industrie- und Logistikeinrichtungen als Teil ihrer Verteidigung gegen die seit Februar 2022 laufende russische Invasion. Damit verschärft sich parallel zu den Kämpfen an der Front der gegenseitige Einsatz weitreichender Drohnen und Raketen gegen Ziele im Hinterland.
Der Angriff von Krywyj Rih fällt in eine Phase deutlich steigender ziviler Verluste. Nach Angaben der UN-Menschenrechtsmission in der Ukraine wurden allein im Juli 2026 mindestens 437 Zivilisten getötet und 2.610 verletzt. Insgesamt war dies die höchste monatliche Zahl getöteter und verletzter Zivilisten seit März 2022.
Langstreckenwaffen wie Raketen und Drohnen verursachten nach Angaben der UN im Juli einen erheblichen Teil dieser Verluste. Besonders betroffen waren dabei auch größere Städte weit entfernt von den unmittelbaren Frontabschnitten.
Die Ereignisse in Krywyj Rih verschärfen deshalb erneut die Debatte über den Schutz ukrainischer Städte und die Verfügbarkeit moderner Luftverteidigung. Frankreich kündigte nach den jüngsten Angriffen an, die Lieferung weiterer Abfangraketen an die Ukraine zu beschleunigen. Die zunehmenden Angriffe beider Seiten auf Ziele weit hinter der Front zeigen zugleich, dass sich der Krieg längst nicht mehr auf die unmittelbaren Kampfgebiete im Osten und Süden der Ukraine beschränkt.
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