
Der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli stellt seine Führung neu auf. Konzernchef Adalbert Lechner verlässt das Unternehmen nach 33 Jahren. Sein Vorgänger Dieter Weisskopf übernimmt die Geschäfte vorläufig. Der Wechsel kommt wenige Wochen nach einer deutlichen Senkung der Umsatzprognose. Auch in Deutschland und Österreich gibt es personelle Veränderungen.
Den Chefwechsel bei Lindt & Sprüngli gab das Unternehmen am Montag, 19. Oktober 2026, bekannt. Der Verwaltungsrat sieht nach eigenen Angaben Bedarf für eine neue operative Führung, um wieder dauerhaft kräftiger zu wachsen. Weisskopf übernimmt die Konzernleitung mit sofortiger Wirkung. Eine dauerhafte Nachfolge soll im zweiten Quartal 2027 feststehen.
Lechner war seit 1993 für Lindt tätig. Zunächst leitete der promovierte Jurist die österreichische Tochtergesellschaft, ab 1997 das Deutschlandgeschäft. 2017 rückte er in die Konzernleitung auf, im Oktober 2022 übernahm er den Chefposten von Weisskopf. Eine nähere Begründung für Lechners persönlichen Abschied nennt die Unternehmensmitteilung nicht.
Der frühere Konzernchef kennt Lindt aus zahlreichen Führungspositionen. Weisskopf begann seine Laufbahn im Bankensektor, arbeitete später unter anderem beim Lebensmittelunternehmen Jacobs Suchard und wechselte 1995 zu Lindt & Sprüngli. Dort verantwortete er zunächst Finanzen, Verwaltung, IT und Einkauf, später zusätzlich die Produktion. Von Oktober 2016 bis September 2022 führte er den Gesamtkonzern.
Seit 2022 gehört Weisskopf dem Verwaltungsrat an und ist dessen Vizepräsident. Als Interimschef will er nach Unternehmensangaben das Europageschäft wieder auf Wachstumskurs bringen, zugleich die Entwicklung in Nordamerika und Asien fortsetzen und stärker in die Marken investieren.
Im ersten Halbjahr 2026 erzielte Lindt einen Umsatz von 2,33 Milliarden Schweizer Franken. Organisch, also bereinigt um Währungseinflüsse, entsprach das einem Plus von 4,3 Prozent. In Schweizer Franken gerechnet sank der Umsatz jedoch um 0,9 Prozent. Das operative Ergebnis stieg leicht auf 260,2 Millionen Franken, die operative Marge erreichte 11,2 Prozent.
Hinter dem organischen Umsatzwachstum standen vor allem Preiserhöhungen. Konzernweit stiegen die Verkaufspreise im Durchschnitt um 11,8 Prozent. Gleichzeitig ging die Kennzahl für Verkaufsvolumen und Produktmix um 7,5 Prozent zurück. In Europa sank der organische Umsatz um 2,1 Prozent, während Nordamerika um 12,7 Prozent zulegte.
Lindt hatte die höheren Preise mit stark gestiegenen Kosten für Kakao und andere Rohstoffe begründet. Gerade in europäischen Märkten reagierten Verbraucher zurückhaltend auf die Verteuerung. Hinzu kamen ein schwächeres Ostergeschäft und geringere Touristenzahlen aus Asien und dem Nahen Osten. Im September verwies der Konzern außerdem auf die außergewöhnliche Sommerhitze.
Am 29. September senkte Lindt die Prognose für das organische Umsatzwachstum 2026 von vier bis sechs auf null bis zwei Prozent. Besonders in Deutschland, der Schweiz und Österreich fielen Bestellungen für saisonale Produkte schwächer aus als erwartet. Das Ziel für die operative Marge blieb unverändert. Die Börse reagierte damals deutlich: Laut dem Schweizer Finanzportal cash verloren die Lindt-Partizipationsscheine gegen 9.15 Uhr am 29. September 8,2 Prozent auf 7.845 Franken.
Für 2027 rechnet Lindt wieder mit steigendem Absatzvolumen. Dazu will das Unternehmen seine Preisgestaltung anpassen, neue Produkte einführen und mehr Geld in die Marken investieren. Die Kakaopreise haben sich nach Konzernangaben inzwischen von ihren historischen Höchstständen entfernt. An den mittelfristigen Zielen von sechs bis acht Prozent organischem Wachstum pro Jahr ab 2028 hält Lindt weiterhin fest.
Auch Deutschlandchef Michal Spiller verlässt Lindt nach 23 Jahren. Ihm soll der bisherige Österreichchef Ali Kulein folgen, sofern der örtliche Aufsichtsrat zustimmt. Die Leitung in Österreich übernimmt Fabian Reinhardt, bislang für den weltweiten Vertrieb zuständig. Beide Wechsel sind für den 26. Oktober vorgesehen.
Lindt & Sprüngli beschäftigte 2025 weltweit rund 15.500 Menschen und erzielte 5,92 Milliarden Franken Umsatz. Der Konzern produziert an zwölf Standorten in Europa und den USA. Die nächsten Jahresumsatzzahlen sollen am 19. Januar 2027 erscheinen.
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