Spritproteste in Italien treffen Flughäfen und Lebensmittelbetriebe

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Die Proteste gegen hohe Kraftstoffpreise haben in Süditalien erhebliche wirtschaftliche Folgen. Am Mittwoch, 21. Oktober 2026, kam es erneut zu Behinderungen auf wichtigen Autobahnen. In zahlreichen Supermärkten fehlen Lebensmittel, mehrere Betriebe haben ihre Produktion unterbrochen. Inzwischen beeinträchtigen die Lkw-Proteste in Italien auch die Treibstoffversorgung von Flughäfen. Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat finanzielle Unterstützung angekündigt, doch Teile der Transportbranche setzen ihre Aktionen fort.

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Zwei Flughäfen in Kalabrien ohne Flugtreibstoff

Besonders deutlich werden die Auswirkungen in Kalabrien. An den Flughäfen Crotone und Reggio Calabria ist derzeit kein Flugtreibstoff erhältlich. Das geht aus offiziellen Mitteilungen für den Luftverkehr hervor, die von der italienischen Flugsicherung Enav veröffentlicht wurden.

Fluggesellschaften müssen ihre Maschinen deshalb an anderen Flughäfen ausreichend betanken. Für Crotone gilt die veröffentlichte Einschränkung zunächst bis zum 23. Oktober, für Reggio Calabria voraussichtlich bis zum 24. Oktober. Am größeren Flughafen Lamezia Terme läuft der Betrieb dagegen ohne entsprechende Einschränkungen.

Auch an Tankstellen zeigen sich Engpässe. In Neapel bildeten sich Warteschlangen an den verbliebenen Verkaufsstellen mit Kraftstoff. In Campobasso in der Region Molise mussten bereits mehrere Tankstellen wegen ausbleibender Lieferungen schließen.

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Autobahnblockaden behindern den Warenverkehr

Die Protestbewegung erstreckt sich über mehrere Regionen Süditaliens, darunter Kampanien, Kalabrien, Apulien und Molise. Neben Lkw-Fahrern beteiligen sich Landwirte mit ihren Traktoren an Demonstrationen gegen die hohen Betriebs- und Lebenshaltungskosten.

Besonders betroffen sind wichtige Verkehrsverbindungen rund um Neapel und Caserta. Auf den Autobahnen A1 und A30 verursachten Demonstrationen am Mittwoch kilometerlange Staus. Gegen 10.30 Uhr wurden auf der A1 zwischen Caserta Nord und dem Anschluss zur A30 rund vier Kilometer Rückstau registriert. Auch einzelne Autobahnverbindungen mussten zeitweise gesperrt werden.

An verschiedenen Logistikstandorten wurden außerdem Warenlieferungen verzögert oder unterbrochen. Dadurch gelangen Lebensmittel, Rohstoffe und Kraftstoffe nicht mehr im gewohnten Umfang zu ihren Abnehmern.

Leere Supermarktregale und gestoppte Lebensmittelproduktion

Besonders stark leiden Lebensmittelhändler unter den Transportausfällen. In Neapel, Palermo und weiteren Städten Süditaliens weisen zahlreiche Supermärkte erhebliche Lücken im Sortiment auf. Betroffen sind vor allem frisches Obst, Gemüse, Milchprodukte und Fleisch. Auch bei haltbaren Lebensmitteln gibt es vereinzelt Engpässe.

Die Probleme reichen inzwischen über die Verkaufsstellen hinaus. Nach Angaben des Schutzkonsortiums für Mozzarella di Bufala Campana DOP mussten mehrere Käsereien ihre Produktion einstellen. Die Betriebe erhalten nicht mehr ausreichend Büffelmilch, während Landwirte Schwierigkeiten haben, die täglich erzeugten Mengen abzutransportieren.

Das ist für die Hersteller besonders problematisch, weil die Milch innerhalb der vorgeschriebenen Frist von 60 Stunden verarbeitet werden muss.

Auch italienische Pasta-Hersteller sind betroffen. Fehlende Rohstofflieferungen führten bereits zu Einschränkungen der Produktion. Wirtschaftsverbände warnen zudem vor zunehmenden Problemen in weiteren Industriezweigen, darunter der Verpackungsindustrie und der Glasherstellung.

Diesel kostet durchschnittlich 2,26 Euro pro Liter

Auslöser der Proteste sind insbesondere die gestiegenen Kraftstoffkosten. Der Krieg im Iran hat den internationalen Energiemarkt zusätzlich belastet und zu erheblichen Preisanstiegen beigetragen.

Nach Angaben des italienischen Wirtschaftsministeriums lag der durchschnittliche Dieselpreis im Selbstbedienungsverkauf am 21. Oktober bei 2,259 Euro je Liter auf dem regulären Straßennetz. Auf Autobahnen wurden durchschnittlich 2,294 Euro verlangt. Benzin kostete außerhalb der Autobahnen durchschnittlich 2,026 Euro je Liter.

Für Transportunternehmen bedeutet das deutlich höhere Betriebskosten. Branchenvertreter fordern deshalb nicht nur kurzfristige Entlastungen, sondern auch verbindliche Regelungen, damit steigende Dieselpreise bei der Berechnung von Transportentgelten berücksichtigt werden können.

Regierung Meloni stellt 480 Millionen Euro bereit

Die italienische Regierung versucht, den Konflikt durch finanzielle Zusagen zu entschärfen. Verkehrsminister Matteo Salvini traf sich am Dienstag in Mailand mit Vertretern der Transportwirtschaft.

Angekündigt wurde die kurzfristige Freigabe von rund 480 Millionen Euro für die Branche. Dabei handelt es sich insbesondere um bereits vorgesehene Unterstützungsleistungen und steuerliche Entlastungen, deren Auszahlung beschleunigt werden soll.

Der stellvertretende Verkehrsminister Edoardo Rixi kündigte am Mittwoch den Beginn der Auszahlungen an. Außerdem soll ein Gesetz folgen, das unter anderem die Anpassung der Transportkosten an steigende Dieselpreise regelt.

Transportverbände verlangen ein Ende der Blockaden

Eine einheitliche Reaktion auf die Regierungszusagen gibt es bislang nicht. Das sizilianische Transportkomitee CTS hat seinen Transportstopp zurückgenommen. Andere Gruppen hielten jedoch weiterhin Protestposten auf Sizilien aufrecht.

In Kalabrien und weiteren Regionen sollen Teile der Aktionen zunächst bis zum 27. Oktober fortgesetzt werden. Für diesen Tag ist ein weiteres Treffen zwischen Regierung und Branchenvertretern vorgesehen.

Mehrere nationale Transportverbände haben sich inzwischen ausdrücklich gegen weitere Straßenblockaden ausgesprochen. In einer gemeinsamen Erklärung forderten sie Innenminister Matteo Piantedosi auf, die Behinderungen zu beenden. Nach Auffassung der Verbände treffen die Lieferausfälle inzwischen nicht nur Verbraucher und andere Unternehmen, sondern auch die Transportwirtschaft selbst.

Für die Regierung Meloni wächst damit der Handlungsdruck. Neben unmittelbaren Entlastungen für Speditionen geht es um die Wiederherstellung funktionierender Lieferketten. Die Auswirkungen reichen längst über den Straßengüterverkehr hinaus und betreffen die Lebensmittelversorgung, die Industrie und Teile des öffentlichen Verkehrs.

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