Starkregen trifft die Lombardei: Evakuierungen und Sperrungen

Symbolbild: Blaulicht auf dem Dach eines Einsatzfahrzeugs
Symbolbild Feuerwehreinsatz

Teilen:

Die Unwetter in Norditalien haben am Freitag vor allem in der Lombardei erhebliche Folgen hinterlassen. Erdrutsche, über die Ufer getretene Bäche und lokale Überschwemmungen beschädigten Straßen und andere Infrastruktur. Besonders betroffen sind Bergregionen in den Provinzen Bergamo und Brescia sowie Gebiete am Comer See und in der Valtellina. Nach Angaben der italienischen Feuerwehr summierten sich die wetterbedingten Einsätze in Norditalien und Teilen Mittelitaliens auf rund 1.000. Mehr als 400 davon entfielen auf die Lombardei.

Anzeige

Außergewöhnlich große Regenmengen wurden vor allem in den Alpen und Voralpen gemessen. Die Umweltbehörde ARPA Lombardia registrierte in den Orobie-Alpen örtlich mehr als 250 Millimeter Niederschlag. An der Station Carona Lago Fregabolgia waren seit Mittwochabend 253 Millimeter zusammengekommen. Am westlichen Ufer des oberen Comer Sees wurden örtlich bis zu 240 Millimeter gemessen.

Campingplatz Isola di Fondra mit 250 Gästen evakuiert

Einer der größten Evakuierungseinsätze fand in Isola di Fondra in der Provinz Bergamo statt. Die Feuerwehr brachte dort am späten Donnerstagabend und in der Nacht zum Freitag vorsorglich 250 Gäste von einem Campingplatz in Sicherheit. Oberhalb des Geländes bestand die Gefahr eines Erdrutsches, zugleich war unterhalb des Platzes der Wasserstand eines Baches stark gestiegen.

Einsatzkräfte mussten eine Zufahrtsstraße mit schwerem Gerät freimachen, um das Gelände erreichen und die Evakuierung durchführen zu können. Die Maßnahme wurde von der Feuerwehr wegen der unmittelbaren Gefährdung durch Hangbewegungen und Hochwasser veranlasst. Der Campingplatz Isola di Fondra liegt im oberen Brembana-Tal, einer bei Wanderern und Urlaubern beliebten Bergregion nordöstlich von Bergamo.

Anzeige

Sechs Gemeinden im Bergamasco weiter abgeschnitten

Die Unwetter in der Lombardei trafen besonders mehrere Täler der Provinz Bergamo. Am Freitag waren Valleve, Carona, Foppolo, Branzi, Valbondione und Gandellino nach Angaben aus dem Einsatzgebiet weiterhin von regulären Straßenverbindungen abgeschnitten. Ursache waren Erdrutsche, überflutete Abschnitte und Geröll auf den Zufahrtswegen.

In diesen Gemeinden waren rund 150 Menschen von Evakuierungsmaßnahmen der Feuerwehr betroffen. Die Einsatzkräfte bearbeiteten vor allem Meldungen zu Hangrutschen, Wasser in Gebäuden und umgestürzten Bäumen. In Valleve musste die Feuerwehr außerdem Menschen aus einem Haus holen, nachdem ein Erdrutsch die Verbindung nach außen unterbrochen hatte.

Die Lage zeigt, dass nicht nur einzelne überschwemmte Straßen betroffen sind. Gerade in den engen Alpentälern können wenige beschädigte Verbindungen ausreichen, um ganze Ortschaften zeitweise vom übrigen Straßennetz zu trennen. Räumarbeiten und Kontrollen der Hänge liefen deshalb am Freitag weiter.

Erdrutsche in Norditalien beschädigen wichtige Verkehrswege

Auch in der Provinz Brescia verursachte der Starkregen erhebliche Schäden. Besonders betroffen war die Val Camonica. In Sonico wurde eine Brücke am Torrente Rabbia durch Wassermassen und Geröll schwer beschädigt beziehungsweise zum Einsturz gebracht. Die Staatsstraße SS42 wurde in dem betroffenen Bereich gesperrt. Sie gehört zu den wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen durch das Tal.

Weitere Überschwemmungen und Hangrutsche wurden aus Malonno, Rino und Vione gemeldet. In Malonno trat der Oglio über die Ufer und Wasser drang in Teile des Ortes ein. Einsatzkräfte waren dort mit dem Entfernen von Schlamm, Steinen und anderem angeschwemmtem Material beschäftigt.

Auch am Comer See kam es zu Einschränkungen. In Domaso musste die am Westufer verlaufende Staatsstraße SS340 zeitweise geschlossen werden, nachdem ein Bach über die Ufer getreten war. Am Freitagmorgen wurde die Verbindung wieder für den Verkehr freigegeben. Für Reisende bedeutet das, dass der Zustand einzelner Straßen sehr unterschiedlich sein kann und sich nach Räumarbeiten kurzfristig verändert.

Bahnverkehr war betroffen, zugleich laufen geplante Bauarbeiten

Das Unwetter beeinträchtigte auch den Schienenverkehr. In der Val Camonica war der Bahnverkehr im Bereich zwischen Malonno und Edolo zeitweise unterbrochen. Auf anderen Strecken Norditaliens kam es ebenfalls zu wetterbedingten Einschränkungen, unter anderem durch Gewitter und technische Schäden.

Für Reisende ist dabei eine wichtige Unterscheidung nötig: Nicht alle derzeitigen Zugausfälle in der Lombardei sind eine Folge des Unwetters. Zwischen Carnate und Lecco finden vom 21. bis 23. August bereits zuvor geplante Bauarbeiten statt. Betroffen sind unter anderem Verbindungen von Mailand über Lecco in Richtung Colico, Sondrio und Tirano. Zwischen Carnate und Lecco verkehren Ersatzbusse.

Wer mit der Bahn zum Comer See, in die Valtellina oder in andere Teile der nördlichen Lombardei reist, sollte deshalb vor der Abfahrt prüfen, ob eine Verbindung durch das Wetter oder durch planmäßige Bauarbeiten verändert wurde.

Orange Warnstufe galt in Teilen der Lombardei

Der italienische Zivilschutz hatte für Freitag in Teilen der Lombardei die orange Warnstufe für starke Gewitter beziehungsweise damit verbundene hydrogeologische Gefahren ausgegeben. Für weitere Gebiete galt die gelbe Warnstufe. Die Warnungen gelten jeweils für festgelegte Gefahrenzonen und nicht automatisch für die gesamte Region.

Im Warnsystem der Lombardei bedeutet Orange eine moderate Gefahrenlage, bei der unter anderem kräftige Gewitter, umstürzende Bäume, lokale Überschwemmungen oder Schäden durch Starkregen möglich sind. Welche konkreten Maßnahmen daraus folgen, entscheiden die zuständigen örtlichen Behörden entsprechend der jeweiligen Lage.

Nach der Prognose von ARPA Lombardia sollte sich das Wetter im Laufe des Freitagabends deutlich beruhigen. Für das Wochenende wurde überwiegend stabileres Wetter erwartet. Trotz nachlassender Niederschläge können aufgeweichte Hänge, beschädigte Straßen und hohe Wasserstände die Arbeiten in einzelnen Tälern jedoch auch nach Ende des Regens beeinflussen.

Was deutsche Urlauber jetzt beachten sollten

Für Urlauberinnen und Urlauber aus Deutschland sind insbesondere Reisen in die Bergregionen der Provinzen Bergamo und Brescia sowie in Richtung oberer Comer See und Val Camonica betroffen. Wer bereits vor Ort ist oder am Wochenende anreisen möchte, sollte den Zustand der jeweiligen Zufahrtsstraßen und Bahnverbindungen unmittelbar vor der Fahrt kontrollieren und lokale Sperrungen beachten.

Das Auswärtige Amt weist in seinen Reisehinweisen für Italien allgemein darauf hin, dass starke Regenfälle und Unwetter besonders in Norditalien Überschwemmungen, Erdrutsche und erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen verursachen können. Reisende sollen bei entsprechenden Wetterlagen den Anweisungen des italienischen Zivilschutzes und der örtlichen Behörden folgen.

Aktuelle regionale Warnungen stellt die Lombardei über ihr System allertaLOM bereit. Bei Bahnreisen empfiehlt sich zusätzlich ein Blick auf die aktuellen Verbindungen von Trenord und Trenitalia. Wer mit dem Auto in die betroffenen Alpentäler fährt, sollte insbesondere bei ausgewiesenen Sperrungen keine Ausweichrouten über kleinere Bergstraßen suchen, da auch dort Hangrutsche oder Geröll die Fahrbahn beeinträchtigen können. In akuten Notfällen gilt in Italien wie in Deutschland die europäische Notrufnummer 112.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu