
Mercedes-Benz hat im dritten Quartal 2026 deutlich mehr Gewinn erzielt, blickt aber vorsichtiger auf das Gesamtjahr. Der Stuttgarter Autobauer leidet unter einem starken Absatzrückgang in China und sinkenden Gewinnmargen im Pkw-Geschäft. Bereits am 27. Oktober hatte der Konzern seine Jahresziele zurückgenommen. Die vollständigen Geschäftszahlen folgten am 28. Oktober.
Mercedes-Benz senkt die Prognose für 2026 trotz eines höheren ausgewiesenen Quartalsgewinns. Die Entwicklung zeigt, wie stark das Unternehmen von der schwierigen Marktlage in China und steigenden Kosten betroffen ist.
Im dritten Quartal erzielte Mercedes-Benz einen Konzerngewinn von 1,52 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es 1,19 Milliarden Euro gewesen. Das entspricht einem Anstieg um 27,6 Prozent.
Auch das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) verbesserte sich deutlich. Es stieg von 750 Millionen Euro auf 1,77 Milliarden Euro. Der Konzernumsatz ging dagegen um 4,5 Prozent auf 30,7 Milliarden Euro zurück.
Der Gewinnanstieg verdeckt allerdings eine schwächere operative Entwicklung. Das um Sondereffekte bereinigte Konzern-EBIT sank um 15 Prozent auf 1,78 Milliarden Euro. Der deutliche Anstieg des ausgewiesenen EBIT erklärt sich vor allem dadurch, dass die Bereinigungen im Vorjahresquartal wesentlich höher ausgefallen waren.
Besonders unter Druck steht die Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars. Ihr bereinigtes operatives Ergebnis halbierte sich nahezu von 1,14 Milliarden auf 560 Millionen Euro. Die bereinigte Umsatzrendite fiel von 4,8 auf 2,5 Prozent.
Ein wesentlicher Grund für die schwächere Ertragslage ist der chinesische Automarkt. Dort verkaufte Mercedes-Benz im dritten Quartal rund 86.800 Pkw. Das waren 31 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
China gehört zu den wichtigsten Absatzmärkten des Unternehmens. Die Nachfrage nach Fahrzeugen ausländischer Premiumhersteller steht dort unter Druck. Gleichzeitig verschärfen chinesische Automobilhersteller den Wettbewerb, insbesondere bei Elektrofahrzeugen und deren Preisen.
Weltweit verkaufte Mercedes-Benz Cars zwischen Juli und September 407.232 Fahrzeuge, ein Rückgang um 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Europa stieg der Absatz dagegen um fünf Prozent und in den USA um sechs Prozent.
Erfreulicher entwickelte sich das Geschäft mit Elektroautos. Der Absatz rein batterieelektrischer Pkw legte um rund 61 Prozent auf 68.428 Fahrzeuge zu. Damit erreichte Mercedes-Benz in diesem Bereich einen neuen Quartalsrekord.
Die höheren Elektroauto-Verkäufe konnten den Rückgang im chinesischen Markt jedoch nicht ausgleichen.
Angesichts der Entwicklung hat der Konzern seine Jahresprognose deutlich reduziert. Für die Pkw-Sparte erwartet Mercedes-Benz 2026 nur noch eine bereinigte Umsatzrendite von zwei bis drei Prozent. Zuvor hatte das Unternehmen drei bis fünf Prozent angepeilt.
Auch die Erwartungen für den gesamten Konzern wurden angepasst. Das operative Ergebnis soll 2026 nur noch das Niveau des Vorjahres erreichen. Bislang hatte Mercedes-Benz einen deutlichen Anstieg in Aussicht gestellt. Im Geschäftsjahr 2025 hatte das Konzern-EBIT bei 5,8 Milliarden Euro gelegen.
Neben der schwächeren Geschäftsentwicklung in China begründet das Unternehmen die Prognosesenkung mit zusätzlichen Belastungen im vierten Quartal. Dazu gehören höhere Rohstoffkosten und Ausgaben für Maßnahmen im Zusammenhang mit Modellwechseln.
Stabiler entwickelten sich andere Geschäftsbereiche. Mercedes-Benz Vans erreichte im dritten Quartal eine bereinigte Umsatzrendite von 9,4 Prozent. Bei Mercedes-Benz Financial Services stieg das bereinigte operative Ergebnis um 42 Prozent auf 445 Millionen Euro.
Deutlich schwächer entwickelte sich der freie Mittelzufluss aus dem Industriegeschäft. Der sogenannte Free Cash Flow lag im dritten Quartal bei 172 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es noch 1,37 Milliarden Euro gewesen. Damit ging die Kennzahl um 87,4 Prozent zurück.
Als wesentlichen Grund nannte Mercedes-Benz höhere Bestände an Neufahrzeugen. Diese banden vorübergehend Kapital, weil die Fahrzeuge noch nicht an Kunden ausgeliefert waren.
In den ersten neun Monaten des Jahres erreichte der Free Cash Flow des Industriegeschäfts 3,13 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Rückgang von 44 Prozent.
Für das Gesamtjahr erwartet Mercedes-Benz inzwischen einen deutlich niedrigeren Free Cash Flow als 2025. Zuvor hatte der Konzern lediglich mit einem leichten Rückgang gerechnet.
Die Nettoliquidität des Industriegeschäfts blieb zum Ende des dritten Quartals mit rund 31 Milliarden Euro allerdings auf einem hohen Niveau.
An der Börse sorgte die gesenkte Jahresprognose zunächst für Kursverluste. Am 27. Oktober fiel die Mercedes-Benz-Aktie im Tagesverlauf zeitweise um mehr als fünf Prozent.
Laut den historischen Xetra-Kursdaten von finanzen.net schloss das Papier am 27. Oktober 2026 bei 39,78 Euro. Gegenüber dem Schlusskurs des Vortages von 41,37 Euro entsprach das einem Verlust von rund 3,8 Prozent.
Anschließend erholte sich die Aktie teilweise. Am Freitag, 30. Oktober 2026, lag der Xetra-Schlusskurs um 17:38 Uhr bei 40,68 Euro, wie die Kursdaten der UniCredit ausweisen.
Auch Analysten reagierten auf die schwächeren Aussichten. Die Schweizer Großbank UBS reduzierte ihr Kursziel von 45 auf 42,50 Euro und bestätigte die Einstufung „Neutral“.
Deutsche Bank Research senkte das Kursziel von 70 auf 65 Euro, hielt aber an der Kaufempfehlung fest. Analyst Tim Rokossa verwies auf die schwierige Gewinn- und Liquiditätsentwicklung.
Die DZ Bank reduzierte ihren fairen Aktienwert am 30. Oktober von 55 auf 48 Euro. Analyst Michael Punzet führte die Prognosesenkung insbesondere auf die anhaltende Schwäche des China-Geschäfts zurück. Die Kaufempfehlung blieb bestehen.
Mercedes-Benz versucht, die wirtschaftlichen Belastungen mit Kostensenkungen und einer umfangreichen Modelloffensive auszugleichen. In den ersten neun Monaten 2026 gingen die Sachinvestitionen sowie die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen der Pkw-Sparte zusammen um elf Prozent zurück.
Zusätzlich plant der Konzern, ab Dezember 2026 erneut ein freiwilliges Abfindungsprogramm für indirekte Unternehmensbereiche in Deutschland anzubieten.
Parallel sollen neue Elektrofahrzeuge und die Weiterentwicklung der Modellpalette das Geschäft stärken. Vorstandschef Ola Källenius verwies bei der Vorstellung der Zahlen auf die steigenden Verkäufe in Europa und den USA sowie den wachsenden Absatz batterieelektrischer Modelle.
Die Entwicklung im dritten Quartal macht dennoch deutlich, dass Mercedes-Benz vor einem schwierigen Jahresabschluss steht. Zwar ist der ausgewiesene Konzerngewinn gestiegen, im eigentlichen Pkw-Geschäft fallen die bereinigten Erträge jedoch deutlich niedriger aus. Entscheidend für die weitere wirtschaftliche Entwicklung bleiben insbesondere die Nachfrage in China, die Profitabilität neuer Modelle und die Fähigkeit, wieder mehr frei verfügbare Mittel aus dem Industriegeschäft zu erwirtschaften.
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