Merz sieht Deutschland wieder auf Wachstumskurs

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Symbolbild mit KI erstellt

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Bundeskanzler Friedrich Merz sieht die deutsche Wirtschaft nach einer langen Schwächephase wieder auf Wachstumskurs. Zum Abschluss der zweitägigen Kabinettsklausur der Bundesregierung im brandenburgischen Neuhardenberg warb der CDU-Chef am Mittwoch für mehr Zuversicht und eine stärkere Konzentration auf wirtschaftliches Wachstum. Die jüngsten Konjunkturdaten geben seiner Einschätzung teilweise Rückenwind. Sie zeigen eine Erholung, allerdings noch keinen kräftigen Aufschwung.

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Die Kabinettsklausur in Neuhardenberg stand vor allem im Zeichen von Wettbewerbsfähigkeit, Innovation, Künstlicher Intelligenz und der weiteren Umsetzung wirtschaftspolitischer Reformen. Neben den Mitgliedern der Bundesregierung waren Vertreter von Unternehmen, Start-ups, Handwerk und Kapitalgebern eingeladen.

Merz sieht wirtschaftliche Schwächephase überwunden

Merz erklärte nach Abschluss der Beratungen, Deutschland habe drei Jahre der Rezession hinter sich und wachse nun wieder. Zugleich forderte er eine stärkere Konzentration auf Wachstum und eine optimistischere Grundhaltung im Land.

Die Aussage beschreibt die aktuelle Entwicklung allerdings weitergehend, als es der klassische wirtschaftswissenschaftliche Begriff einer Rezession nahelegt. Deutschland befand sich über mehrere Jahre in einer Phase aus Schrumpfung und weitgehender Stagnation. Zuletzt haben sich die Zahlen jedoch sichtbar verbessert.

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Das Bruttoinlandsprodukt stieg im zweiten Quartal 2026 preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent gegenüber dem ersten Quartal. Damit fiel das Wachstum etwas stärker aus als zunächst angenommen. Bereits zuvor hatte sich die Wirtschaftsleistung wieder stabilisiert.

Die aktuellen Daten sprechen deshalb für eine konjunkturelle Erholung. Ob daraus ein länger anhaltender Aufschwung entsteht, hängt von der weiteren Entwicklung bei Investitionen, Konsum, Exporten und Energiepreisen ab.

Bundesregierung setzt Wachstum ins Zentrum

Schon zum Auftakt der Klausur hatte Merz Wirtschaftswachstum und Wettbewerbsfähigkeit zu den wichtigsten Themen der Beratungen erklärt. Nach seiner Darstellung soll Deutschland seine industrielle Stärke mit neuen Technologien verbinden und sein Wirtschaftsmodell an veränderte globale Bedingungen anpassen.

Dabei setzt die Bundesregierung insbesondere auf Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, schnellere Verwaltungsverfahren und weniger Bürokratie. Auch die Bedingungen für Start-ups, Handwerksbetriebe und mittelständische Unternehmen gehörten zu den Themen in Neuhardenberg.

Die Regierung will zudem bereits vereinbarte Reformvorhaben schneller umsetzen. Vor der Sommerpause hatte die Koalition aus Union und SPD mehrere wirtschafts- und sozialpolitische Projekte auf den Weg gebracht. Nach der Klausur steht nun vor allem deren Umsetzung im Mittelpunkt.

Dass die Bundesregierung den Schwerpunkt so deutlich auf Wachstum legt, hat auch mit der schwierigen wirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen Jahre zu tun. Die exportorientierte deutsche Industrie wurde unter anderem durch hohe Energiepreise, schwache internationale Nachfrage und geopolitische Unsicherheiten belastet.

Stimmung in Unternehmen verbessert sich

Neben den BIP-Zahlen haben sich zuletzt auch wichtige Stimmungsindikatoren aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im August zum vierten Mal in Folge auf 88,8 Punkte. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage als auch die Erwartungen der Unternehmen verbesserten sich.

Besonders deutlich nahm zuletzt auch die Zuversicht deutscher Exporteure zu. Der entsprechende Ifo-Index für die Exporterwartungen stieg im August auf 9,6 Punkte nach minus 2,8 Punkten im Juli. Das war der höchste Wert seit Februar 2022.

Solche Umfragen geben Hinweise auf die Erwartungen der Unternehmen, garantieren aber keine entsprechende Entwicklung der tatsächlichen Wirtschaftsleistung. Für die Bundesregierung sind die besseren Werte dennoch ein willkommenes Signal zu Beginn des politischen Herbstes.

KI soll zum Wachstumstreiber werden

Ein Schwerpunkt der Kabinettsklausur lag auf Künstlicher Intelligenz und neuen Technologien. Die Bundesregierung sieht darin einen möglichen Hebel für höhere Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit.

Zu den Gästen in Neuhardenberg gehörten unter anderem Siemens-Chef Roland Busch und Aidan Gomez vom kanadischen KI-Unternehmen Cohere. Ihre Beiträge konzentrierten sich auf industrielle Wettbewerbsfähigkeit und Schlüsseltechnologien.

Der Ansatz der Bundesregierung folgt damit einem internationalen Trend. Die USA und China investieren umfangreich in KI-Infrastruktur und die Entwicklung neuer Anwendungen. Auch innerhalb Europas wächst der Druck, eigene Technologien zu entwickeln und die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern zu reduzieren.

Deutschland verfügt über eine starke industrielle Basis, steht zugleich aber vor hohen Investitionskosten, Fachkräftemangel und vergleichsweise aufwendigen Verwaltungsverfahren. Die Bundesregierung will deshalb technologische Innovation mit Bürokratieabbau verbinden.

Reformdruck bleibt trotz besserer Konjunkturdaten

Die besseren Wirtschaftszahlen lösen die strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft nicht automatisch. Unternehmen beklagen weiterhin hohe Kosten, langwierige Genehmigungsverfahren und Fachkräfteengpässe. Gleichzeitig muss die Bundesregierung unterschiedliche Interessen innerhalb der Koalition bei Steuern, Renten, Sozialausgaben und Klimapolitik zusammenführen.

Merz versucht die Kabinettsklausur deshalb auch als Signal für einen politischen Neustart nach der Sommerpause zu nutzen. Er forderte mehr Zuversicht und wandte sich gegen eine dauerhaft pessimistische Stimmung.

Ökonomisch ist zumindest die akute Schrumpfungsphase derzeit überwunden. Mehrere Quartale mit wachsender Wirtschaftsleistung und verbesserte Unternehmensindikatoren sprechen für eine Erholung. Wie stark und dauerhaft sie ausfällt, lässt sich daraus noch nicht ableiten.

Für die Bundesregierung beginnt damit eine neue Phase ihrer Wirtschaftspolitik. Nach der Diagnose der Standortprobleme und zahlreichen angekündigten Reformen soll nun deren Umsetzung folgen. Ob daraus die von Merz beschworene Aufbruchstimmung entsteht, dürfte vor allem davon abhängen, ob sich das Wachstum in den kommenden Quartalen fortsetzt und auch bei Unternehmen und Beschäftigten spürbar ankommt.

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