
Eine deutliche Mehrheit der Wahlberechtigten in Deutschland bewertet die bisherige Kanzlerschaft von Friedrich Merz kritisch. In einer neuen Umfrage des Instituts Ipsos im Auftrag des „Spiegel“ stimmten insgesamt 67 Prozent der Aussage zu, die Kanzlerschaft des CDU-Politikers sei gescheitert. 48 Prozent stimmten der Aussage voll und ganz zu, weitere 19 Prozent eher. Die Umfrage zu Friedrich Merz wurde vom 30. September bis zum 4. Oktober 2026 erhoben.
Ipsos befragte dafür 2.002 wahlberechtigte Menschen in Deutschland online. Die Erhebung ist nach Angaben zur Studie repräsentativ für die Wahlberechtigten. Die statistische Unsicherheit wird für die Gesamtstichprobe mit bis zu 2,2 Prozentpunkten angegeben. Auftraggeber war das Nachrichtenmagazin „Spiegel“.
Die Fragestellung der neuen Erhebung ist für die Bewertung der Zahlen entscheidend. Die Befragten sollten angeben, in welchem Umfang sie der Aussage zustimmen, die Kanzlerschaft von Friedrich Merz sei gescheitert. 48 Prozent entschieden sich für die stärkste Zustimmung, weitere 19 Prozent stimmten eher zu. Zwölf Prozent positionierten sich laut veröffentlichten Ergebnissen in der Mitte. Zehn Prozent stimmten der Aussage eher nicht und sechs Prozent überhaupt nicht zu.
Damit handelt es sich nicht um eine klassische Frage nach der allgemeinen Zufriedenheit mit der Arbeit des Kanzlers und auch nicht um eine Wahlabsicht. Der Wert lässt sich deshalb nicht unmittelbar mit den Prozentzahlen anderer Umfrageinstitute vergleichen. Allerdings zeigen auch Befragungen mit anderen Fragestellungen seit mehreren Wochen eine ausgeprägte Unzufriedenheit mit Merz.
Deutlich unterscheiden sich die Ergebnisse zwischen Ost und West. In den ostdeutschen Bundesländern stimmten 80 Prozent der Befragten der Aussage voll oder eher zu, dass die Kanzlerschaft von Merz gescheitert sei. In den westdeutschen Bundesländern waren es 64 Prozent. Auch dort ergibt sich damit eine klare Mehrheit.
Unterschiede zeigen sich ebenfalls zwischen Männern und Frauen. Knapp 70 Prozent der befragten Frauen teilten die negative Einschätzung vollständig oder eher. Unter den Männern waren es 64 Prozent. Die Ergebnisse für einzelne Bevölkerungsgruppen beruhen allerdings auf kleineren Teilstichproben und sind deshalb mit einer größeren statistischen Unsicherheit verbunden als das Gesamtergebnis.
Ipsos fragte auch nach der politischen Zukunft des Bundeskanzlers. Der Aussage, Friedrich Merz solle als Bundeskanzler und CDU-Vorsitzender zurücktreten, stimmten 44 Prozent voll und ganz zu. Weitere 14 Prozent stimmten eher zu. Zusammengenommen unterstützen damit 58 Prozent der Befragten diese Forderung. Elf Prozent lehnten einen Rücktritt vollständig ab.
Das Ergebnis einer Meinungsumfrage hat jedoch keine unmittelbare rechtliche Wirkung auf das Amt des Bundeskanzlers. Das Grundgesetz sieht für eine Abwahl durch den Bundestag ein konstruktives Misstrauensvotum vor. Eine Mehrheit der Abgeordneten müsste dabei gleichzeitig einen neuen Bundeskanzler wählen. Eine schlechte Bewertung in der Bevölkerung führt daher nicht automatisch zu einem Wechsel an der Regierungsspitze.
Ein eindeutiger Wunsch nach einem bestimmten Nachfolger für Merz lässt sich aus der Ipsos-Erhebung ebenfalls nicht ableiten. Zur Auswahl standen CSU-Chef Markus Söder, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst von der CDU und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt von der CSU.
20 Prozent nannten Söder, 16 Prozent Wüst und fünf Prozent Dobrindt. Mit gut 43 Prozent entschied sich die größte Gruppe jedoch für keinen der drei genannten Politiker. Knapp 14 Prozent antworteten mit „weiß nicht“. Selbst bei der Nachfolgefrage ergibt sich damit kein Kandidat, hinter dem sich derzeit eine breite Mehrheit der Befragten versammelt.
Die neue Ipsos-Befragung steht nicht allein. Im ARD-Deutschlandtrend von Infratest dimap, für den vom 28. bis 30. September 1.303 Wahlberechtigte telefonisch und online befragt wurden, waren nur zehn Prozent mit der politischen Arbeit von Merz zufrieden oder sehr zufrieden. 88 Prozent zeigten sich weniger oder gar nicht zufrieden.
Auch mehrere Mitglieder des Kabinetts erhielten dort geringe Zufriedenheitswerte. Außenminister Johann Wadephul von der CDU kam auf 34 Prozent, Innenminister Alexander Dobrindt auf 27 Prozent, Finanzminister Lars Klingbeil von der SPD auf 20 Prozent, Gesundheitsminister Carsten Linnemann von der CDU auf 18 Prozent und Arbeitsministerin Bärbel Bas von der SPD auf 17 Prozent. Eine deutliche Ausnahme bildete Verteidigungsminister Boris Pistorius von der SPD mit 50 Prozent.
Ein ähnliches Bild hatte zuvor das ZDF-Politbarometer gezeichnet. In der vom 22. bis 24. September erhobenen Befragung der Forschungsgruppe Wahlen bewerteten 79 Prozent die Arbeit von Merz als eher schlecht, 17 Prozent als gut. Zudem glaubten 65 Prozent nicht daran, dass Merz bis zur regulären Bundestagswahl 2029 Bundeskanzler bleiben werde. Befragt wurden 1.346 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte telefonisch und online.
Die konkreten Prozentwerte der Institute dürfen wegen unterschiedlicher Fragestellungen, Stichproben und Erhebungsverfahren nicht direkt miteinander gleichgesetzt werden. Die jüngsten Befragungen von Ipsos, Infratest dimap und der Forschungsgruppe Wahlen weisen jedoch unabhängig voneinander in dieselbe Richtung: Friedrich Merz und die Bundesregierung werden derzeit von großen Teilen der Wahlberechtigten kritisch bewertet.
Für die schwarz-rote Koalition aus CDU, CSU und SPD erhöht dies den politischen Druck, ohne dass aus den Umfragen allein eine Aussage über die weitere Amtsdauer des Kanzlers oder die Stabilität der Regierungsmehrheit abgeleitet werden kann. Auch die neue Ipsos-Erhebung ist eine Momentaufnahme der öffentlichen Meinung während des Befragungszeitraums vom 30. September bis 4. Oktober 2026. Sie zeigt zugleich, dass die Unzufriedenheit nicht automatisch mit einem klaren Wunsch nach einer bestimmten personellen Alternative verbunden ist.
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