Strom und Gas: 2027 steigen die Netzkosten, aber nicht überall

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Für viele Haushalte in Deutschland zeichnet sich zum Jahreswechsel eine neue Belastung bei den Energiekosten ab. Die Netzentgelte 2027 dürften nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox sowohl beim Strom als auch beim Gas im Bundesdurchschnitt steigen. Während die Veränderungen bei einem typischen Haushalt zunächst vergleichsweise gering ausfallen, zeigen sich zwischen den einzelnen Regionen erhebliche Unterschiede. In manchen Netzgebieten könnten Verbraucher sogar von sinkenden Gebühren profitieren.

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Stromnetzentgelte steigen im Schnitt um 1,9 Prozent

Nach der Verivox-Auswertung erhöhen sich die Stromnetzentgelte 2027 deutschlandweit durchschnittlich um 1,9 Prozent. Für einen Haushalt mit drei Personen und einem jährlichen Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden entspricht das rechnerischen Mehrkosten von rund acht Euro brutto. Dabei handelt es sich ausschließlich um den Netzanteil des Strompreises. Wie sich der gesamte Strompreis entwickelt, hängt zusätzlich von Beschaffungskosten, Steuern, Umlagen und den jeweiligen Tarifen ab.

Ein wesentlicher Grund für den Anstieg ist der geringere Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzkosten. Während die Bundesregierung 2026 noch 6,5 Milliarden Euro bereitstellt, sind für 2027 jährlich 5,525 Milliarden Euro vorgesehen. Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber haben deshalb bereits Anfang Oktober höhere vorläufige Gebühren veröffentlicht. Das durchschnittliche Übertragungsnetzentgelt steigt von 2,86 auf 3,54 Cent je Kilowattstunde. Diese Kosten werden teilweise an die regionalen Verteilnetzbetreiber weitergegeben und fließen damit auch in die Stromtarife der Haushalte ein.

Gasnetzentgelte steigen ebenfalls, regional deutlich stärker

Auch bei Gas zeichnet sich für 2027 eine Verteuerung ab. Verivox errechnet einen bundesweiten Anstieg der Netzentgelte um durchschnittlich drei Prozent. Für eine Familie in einem Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden bedeutet das zusätzliche Kosten von ungefähr 19 Euro brutto. Die tatsächliche Entwicklung unterscheidet sich allerdings erheblich zwischen den Netzgebieten. Überdurchschnittliche Erhöhungen zeigen die Berechnungen unter anderem für Berlin, Hamburg, Rheinland-Pfalz und Brandenburg. In Sachsen und Thüringen werden dagegen leichte Rückgänge erwartet.

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Wie groß die Unterschiede ausfallen können, verdeutlicht eine weitere Untersuchung des Energiedienstleisters Ene’t für den Geldratgeber Finanztip vom 16. Oktober. Im Netzgebiet der Stadtwerke Wesel steigen die vorläufigen Gasnetzentgelte demnach für einen Musterhaushalt um rund 145 Euro brutto jährlich. Im Netzgebiet der Stadtwerke Mühlhausen in Thüringen ergibt sich dagegen eine Entlastung um etwa 78 Euro. Auch beim Strom sind erhebliche Unterschiede möglich. Für ein untersuchtes Netzgebiet in Bayern errechnet Finanztip Mehrkosten von rund 94 Euro, während in Parchim in Mecklenburg-Vorpommern die Gebühren um ungefähr 69 Euro zurückgehen.

Die Unterschiede zwischen den bundesweiten Ergebnissen beider Untersuchungen hängen auch mit den Berechnungsgrundlagen zusammen. Finanztip verwendet einen Musterverbrauch von 3.000 Kilowattstunden Strom und 15.000 Kilowattstunden Gas jährlich. Für diese Modellhaushalte ergibt die Untersuchung bundesweit nahezu unveränderte Stromnetzentgelte und einen durchschnittlichen Anstieg der Gasnetzkosten um zwölf Euro. Die Auswertung erfasste zum Stichtag 15. Oktober rund 86 Prozent der Stromnetzgebiete und 77 Prozent der Gasnetzgebiete nach der verwendeten Gebietsabdeckung.

Warum die Netzgebühren steigen und was Verbraucher beachten sollten

Netzentgelte finanzieren den Betrieb, die Wartung und den Ausbau der Energieinfrastruktur. Ihre Höhe wird von den einzelnen Netzbetreibern anhand regulierter Kosten bestimmt. Beim Strom spielen unter anderem Investitionen in neue Leitungen und die Integration erneuerbarer Energien eine Rolle. Beim Gas kommt eine strukturelle Herausforderung hinzu: Mit dem langfristigen Rückgang des Gasverbrauchs müssen die weiterhin anfallenden Infrastrukturkosten auf geringere Absatzmengen verteilt werden. Die Bundesnetzagentur hat deshalb bereits neue Möglichkeiten für die Abschreibung von Gasnetzanlagen geschaffen, um die Kosten über die kommenden Jahre zu verteilen.

Steigende Netzentgelte bedeuten jedoch nicht automatisch, dass die gesamte Energierechnung im gleichen Umfang wächst. Netzgebühren sind nur ein Bestandteil des Endkundenpreises. Die Lieferanten kalkulieren daneben insbesondere ihre Beschaffungskosten. Gerade beim Gas können Veränderungen an den Großhandelsmärkten deshalb größere Auswirkungen haben als die Netzgebühren allein. Ob und in welchem Umfang ein Haushalt 2027 tatsächlich mehr bezahlt, hängt vom Wohnort, vom Verbrauch und von den Bedingungen des bestehenden Energievertrags ab.

Zudem sind die bisher veröffentlichten Netzentgelte für 2027 noch vorläufig. Die endgültigen Preisblätter werden nach Angaben der Bundesnetzagentur im Januar des jeweiligen Geltungsjahres veröffentlicht. Verbraucher können die vorläufigen Gebühren ihres Netzbetreibers bereits jetzt mit den Werten für 2026 vergleichen. Bei einer angekündigten Preiserhöhung durch den Energieversorger sollten sie außerdem die Vertragsbedingungen und mögliche Sonderkündigungsrechte prüfen.

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