
Das Bundeskartellamt hat die Übernahme von elf Baumarktstandorten der insolventen Hellweg-Gruppe durch Obi freigegeben. Die Wettbewerbsbehörde sieht keine erheblichen Einschränkungen des Wettbewerbs. Für die traditionsreiche Baumarktkette Hellweg bedeutet die Entscheidung einen weiteren Schritt bei der Aufteilung ihres bisherigen Filialnetzes. Auch Bauhaus und Hornbach haben bereits Genehmigungen für die Übernahme einzelner Märkte erhalten.
Die Entscheidung wurde am Donnerstag, 5. November 2026, bekannt. Sie betrifft die Übernahme von Mietverträgen für elf bisherige Standorte der Unternehmensgruppe, zu der neben Hellweg auch BayWa Bau & Garten gehört. Das Bundeskartellamt schloss seine Prüfung ohne Auflagen ab. Nach Einschätzung der Behörde stehen den Verbrauchern in den betroffenen Regionen weiterhin ausreichend alternative Baumärkte und Fachgeschäfte zur Verfügung.
Die aktuelle Genehmigung umfasst Märkte in mehreren Bundesländern. Betroffen sind Standorte in Halberstadt, Steinfurt, Mechernich, Münster-Gievenbeck, Nördlingen, Wolfratshausen, Murnau und Leimbach-Kaiseroda. Hinzu kommen drei Baumärkte in Berlin.
Obi hatte bereits Ende August angekündigt, zunächst fünf Märkte übernehmen zu wollen. Dabei handelte es sich um die bisherigen Hellweg-Standorte Berlin-Tiergarten, Berlin-Yorckstraße und Münster-Gievenbeck sowie die BayWa-Märkte in Nördlingen und Wolfratshausen. Für diese fünf Standorte plante das Unternehmen die Übernahme von rund 250 Beschäftigten. Weitere sieben Märkte befanden sich damals noch in Verhandlungen.
Mit der aktuellen Entscheidung erhält Obi nun die kartellrechtliche Freigabe für insgesamt elf Standorte. Die Genehmigung ist allerdings nicht mit einer bereits abgeschlossenen Übertragung sämtlicher Märkte gleichzusetzen. Einzelne Vereinbarungen können weiterhin von vertraglichen Voraussetzungen abhängen.
Für die ursprünglich angekündigten fünf Standorte hatte Obi den 1. Dezember 2026 als geplanten Übernahmetermin genannt. Nach Umbauten und Modernisierungen sollen diese voraussichtlich im März 2027 unter der Marke Obi wiedereröffnen. Ob derselbe Zeitplan für sämtliche elf genehmigten Standorte gilt, war zunächst nicht abschließend bekannt.
Die Hellweg-Insolvenz führt zu einer Neuverteilung zahlreicher Baumarktflächen unter den großen Wettbewerbern. Bereits am 22. Oktober hatte das Bundeskartellamt die Übernahme von sechs bisherigen Hellweg-Standorten durch Hornbach genehmigt. Dazu gehören Dortmund-Kley, Essen-Borbeck, Ahrensfelde, Freiberg in Sachsen, Sankt Augustin und Berlin-Köpenick.
Hornbach hatte angekündigt, die Standorte Anfang Dezember 2026 übernehmen und im Frühjahr 2027 nach entsprechenden Umbauten wiedereröffnen zu wollen. Das Unternehmen betreibt in Deutschland rund 100 Bau- und Gartenmärkte.
Auch Bauhaus erhielt bereits Anfang Oktober die kartellrechtliche Freigabe für sieben Standorte. Dazu gehören sechs bisherige Hellweg-Märkte in Beckum, Dahlwitz-Hoppegarten, Dortmund-Hacheney, Essen-Rellinghausen, Iserlohn und Potsdam sowie ein BayWa-Baumarkt in Backnang.
Bauhaus will nach eigenen Angaben rund 400 Beschäftigten dieser Märkte eine Weiterbeschäftigung ermöglichen. Die Übernahme ist für Anfang Dezember vorgesehen. Die Wiedereröffnungen sollen nach Modernisierungsarbeiten im Frühjahr 2027 stattfinden.
Neben den drei großen Baumarktketten beteiligen sich auch Unternehmen aus dem Hagebau-Verbund an der Übernahme einzelner Standorte. Damit entsteht aus dem bisherigen Filialnetz der Hellweg-Gruppe eine Vielzahl von Märkten unter unterschiedlichen Betreibern.
Die finanziellen Schwierigkeiten der Hellweg-Gruppe hatten sich bereits vor dem Insolvenzantrag bemerkbar gemacht. Mitte Juni 2026 beantragten Hellweg und BayWa Bau & Garten beim Amtsgericht Essen Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung. Als Ursachen nannte die Unternehmensführung unter anderem Lieferengpässe, eine schwache Konsumnachfrage, steigende Mietkosten und inflationsbedingte Belastungen.
Am 27. August wurden die Insolvenzverfahren eröffnet. Zum Sachwalter wurde Rechtsanwalt Stefan Denkhaus bestellt. Bei der Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung grundsätzlich für den Geschäftsbetrieb verantwortlich, während ein gerichtlich bestellter Sachwalter das Verfahren überwacht.
Die Unternehmensgruppe betrieb zuletzt nach Angaben des Bundeskartellamts 113 Bau- und Gartenmärkte in Deutschland. Frühere Unternehmensangaben hatten 68 Hellweg-Märkte und 46 BayWa-Standorte aufgeführt. Die Hellweg-Märkte konzentrierten sich insbesondere auf das Rhein-Ruhr-Gebiet und den Berliner Raum, während BayWa Bau & Garten hauptsächlich in Süddeutschland vertreten war.
Eine Übernahme des gesamten Filialnetzes durch einen einzelnen Investor kam nicht zustande. Stattdessen wurden die Standorte einzeln oder in kleineren Gruppen anderen Betreibern angeboten.
Ende August bestanden zunächst für 35 Märkte konkrete Aussichten auf eine Fortführung. Darunter befanden sich 18 Hellweg-Standorte und 17 Märkte von BayWa Bau & Garten. Seitdem wurden weitere Übernahmen angekündigt. Eine abschließende, aktualisierte Gesamtzahl aller tatsächlich gesicherten Märkte lag zunächst nicht vor.
Während ein Teil des Filialnetzes unter anderen Marken weitergeführt werden soll, steht zahlreichen bisherigen Hellweg- und BayWa-Standorten die Schließung bevor. Für Märkte ohne Übernahmevereinbarung ist nach dem Sanierungsplan spätestens Ende November 2026 Schluss. In den betroffenen Filialen läuft der Abverkauf der Warenbestände.
Die Insolvenz hat erhebliche Folgen für die Beschäftigten. Vor Beginn des Verfahrens arbeiteten bei Hellweg rund 2.900 Menschen, bei BayWa Bau & Garten weitere etwa 1.300. Für die Unternehmenszentralen in Dortmund und Garching mit zusammen rund 340 Beschäftigten wurde bereits die Schließung angekündigt.
Auch Mitarbeitende in Filialen ohne gesicherte Fortführungsperspektive erhielten vorsorgliche Kündigungen. Die Unternehmen hatten zugleich erklärt, dass die Gehaltszahlungen bis einschließlich November 2026 finanziert seien.
Die Übernahmen durch konkurrierende Baumarktketten können einen Teil der Arbeitsplätze erhalten. Allerdings lässt sich aus der Zahl der genehmigten Standortwechsel noch nicht ableiten, wie viele Beschäftigte insgesamt dauerhaft weiterarbeiten werden. Für die elf nun freigegebenen Obi-Standorte lag zunächst keine einheitliche, abschließend bestätigte Beschäftigtenzahl vor.
Bei der Prüfung der Übernahmen berücksichtigt das Bundeskartellamt nicht nur die bundesweite Marktstellung eines Unternehmens. Entscheidend ist auch, welche Einkaufsmöglichkeiten den Kunden im jeweiligen Einzugsgebiet zur Verfügung stehen.
In den bisherigen Prüfungen der Hellweg-Übernahmen wurden unter anderem Kundenkartendaten und Kundenbefragungen herangezogen. Damit lässt sich untersuchen, aus welchen Regionen die Käufer tatsächlich kommen und welche anderen Baumärkte für sie erreichbar sind. Die Größe eines Einzugsgebiets hängt beispielsweise von der Verkehrsanbindung, der Bevölkerungsdichte und der Größe des jeweiligen Marktes ab.
Bei den elf Obi-Standorten kam die Behörde zu dem Ergebnis, dass weiterhin genügend Wettbewerber vorhanden seien. Das Vorhaben konnte deshalb bereits im Vorprüfverfahren ohne zusätzliche Auflagen freigegeben werden.
Die Aufteilung der Hellweg-Gruppe fällt in eine wirtschaftlich schwierige Phase für den deutschen Baumarkthandel. Nach Angaben des Handelsverbands Heimwerken, Bauen und Garten (BHB) erzielten die großflächigen Bau- und Heimwerkermärkte in Deutschland 2025 einen Bruttoumsatz von rund 20,58 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr entsprach dies einem Rückgang um 1,6 Prozent.
Der Verband verwies unter anderem auf die zurückhaltende Nachfrage der Verbraucher und gestiegene Kosten. Besonders deutlich fielen die Umsatzrückgänge in einzelnen Sortimentsbereichen wie Wohndekoration und Fliesen aus.
Obi gehört zu den größten europäischen Unternehmen der Branche. Nach eigenen Angaben betreibt der Konzern mehr als 660 Märkte in zehn europäischen Ländern, davon mehr als 350 in Deutschland. Mit den zusätzlichen Standorten kann Obi seine Präsenz im deutschen Markt ausbauen, ohne sämtliche Filialen neu errichten zu müssen.
Für den deutschen Baumarkthandel bedeutet die Hellweg-Insolvenz damit eine weitreichende strukturelle Veränderung. Während Obi, Hornbach und Bauhaus bestehende Verkaufsflächen übernehmen, verschwinden zahlreiche andere Standorte dauerhaft vom Markt. Welche Gesamtgröße das frühere Hellweg-Netz nach Abschluss sämtlicher Übernahmen noch unter neuen Betreibern erreichen wird, war am 5. November noch nicht abschließend geklärt.
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