OpenAI-Agenten sollen deutsches Wiki als Nachrichtenbrett genutzt haben

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Grzegorz Walczak

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KI-Agenten aus dem Umfeld von OpenAI sollen im Frühjahr ein kaum noch genutztes deutschsprachiges Programmierer-Wiki dazu verwendet haben, sich untereinander auszutauschen. Die Systeme teilten dort Ergebnisse, Hinweise zu laufenden Aufgaben und Methoden, mit denen technische Beschränkungen ihrer Umgebung umgangen werden konnten. Ein am Freitag veröffentlichter Forschungsbericht dokumentiert insgesamt rund 18.000 Beiträge autonomer Agenten. Reuters berichtete zuerst über den bislang nicht öffentlich bekannten Vorgang.

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OpenAI bestätigte gegenüber Reuters nicht im Detail, dass sämtliche untersuchten Aktivitäten von eigenen internen Agenten stammten. Das Unternehmen erklärte, den Forschungsbericht vor dessen Veröffentlichung nicht zur Prüfung erhalten zu haben und ihn nun auszuwerten. Zugleich widersprach OpenAI der Bewertung, bestimmte Aktivitäten hätten einen Hacking-Versuch dargestellt.

Rund 18.000 Beiträge auf öffentlichem Wiki rekonstruiert

Im Mittelpunkt steht das DseWiki, ein deutschsprachiges Wiki für Softwareentwickler innerhalb der Plattform ProWiki. Nach Angaben der Forscher war die Seite seit Jahren nur noch wenig aktiv. Die KI-Agenten sollen erstmals Ende Mai erfolgreich Inhalte dort hinterlegt haben. Ab Mitte Juni nahm die Aktivität stark zu. Innerhalb weniger Tage entstanden Tausende Einträge, in denen sich verschiedene Agenten gegenseitig bei zeitlich begrenzten Rechercheaufgaben unterstützten.

Die Forscher um Sydney Von Arx von der Organisation Nightingale, Cormac Slade Byrd, Spencer Kitts und Thomas Larsen sprechen von rund 18.000 rekonstruierten Beiträgen auf mehreren Seiten. Allein auf dem DseWiki ordnen sie etwa 17.000 Bearbeitungen den Agenten zu. Viele Systeme verwendeten Bezeichnungen wie „OpenAIResearcher“ oder Kürzel mit „OAI“. Zudem stammte ein großer Teil der Schreibzugriffe nach ihrer Analyse von Microsoft-Azure-Adressen. OpenAI nutzt Azure als Infrastruktur, allein dieser Umstand wäre jedoch noch kein eindeutiger Herkunftsnachweis. Die Forscher führen zusätzlich Zugriffe von IP-Adressen an, die OpenAI zugeordnet sind.

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Agenten teilten Antworten und Wege um Beschränkungen

Die Agenten arbeiteten den Daten zufolge an mehrstufigen Rechercheaufgaben, bei denen nach einer ersten Frage weitere Fragen mit teilweise sehr kurzen Antwortfristen folgten. Weil verschiedene Agenten ähnliche oder identische Aufgaben erhielten, hinterlegten sie Ergebnisse auf dem Wiki. Andere Systeme konnten diese Angaben anschließend verwenden und teilweise unmittelbar antworten.

Hinzu kamen Versuche, technische Grenzen der jeweiligen Ausführungsumgebung zu umgehen. Nach Darstellung der Forscher sollten die Systeme zwar Informationen aus dem Internet abrufen können, aber keine Inhalte ins offene Internet schreiben. Das alte Wiki ließ Änderungen jedoch auf ungewöhnliche Weise über GET-Anfragen zu. Diese Möglichkeit nutzten die Agenten offenbar zur Kommunikation. Dokumentiert sind außerdem Diskussionen darüber, wie andere Netzwerkbeschränkungen umgangen werden könnten.

Löschversuche eines Administrators führten zu Ausweichseiten

Als ein Administrator im Juni begann, von den Agenten angelegte Seiten zu löschen, erkannten einzelne Systeme nach Darstellung der Forscher das Muster der Bereinigung. Ein Agent legte daraufhin eine Ersatzseite mit einem Namen an, der mit mehreren „Z“ begann, offenbar damit diese bei einer alphabetischen Löschung möglichst spät an die Reihe kam. Andere Einträge beschäftigten sich damit, Informationen über das Ende einzelner Agenten-Sitzungen hinaus verfügbar zu halten.

Die Forscher fanden zudem Hinweise auf Versuche, Funktionen des Wikis technisch zu manipulieren. Der Sicherheitsforscher Lukasz Olejnik bewertete einen Teil dieser Aktivitäten gegenüber Reuters als Hacking-Versuch. OpenAI widersprach dieser Charakterisierung nach eigener Analyse des Materials. Eine unabhängige technische Feststellung, dass die Systeme tatsächlich Kontrolle über den Server oder das Wiki als Ganzes übernommen hätten, lag zunächst nicht vor.

OpenAI-Zugriffe kurz vor dem Ende der massenhaften Aktivität

Nach Auswertung der öffentlich gespeicherten Zugriffsprotokolle registrierten die Forscher ab dem 21. Juni Besuche von IP-Adressen, die OpenAI zugeordnet werden. Am folgenden Tag brach die zuvor hohe Aktivität der Agenten nahezu vollständig ab. Die Autoren vermuten deshalb, dass OpenAI den Vorgang entdeckt und eingegriffen habe. Diese zeitliche Verbindung allein belegt allerdings nicht, wann Verantwortliche innerhalb des Unternehmens erstmals von den Vorgängen erfuhren.

Reuters berichtet unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, OpenAI-Verantwortliche hätten bereits Wochen vor Veröffentlichung des Forschungsberichts von dem Fall gewusst. Das Unternehmen erklärte dagegen, es habe bei relevanten Sicherheitsvorfällen transparent gehandelt und mit externen Fachleuten zusammengearbeitet. Behauptungen, die Rechtsabteilung habe weitergehende Untersuchungen verhindert, wies OpenAI zurück.

Zweiter bekannt gewordener Fall mit autonom handelnden Agenten

Der Wiki-Vorgang ist nach Einschätzung der Forscher nicht identisch mit dem schwerwiegenderen Sicherheitsvorfall bei Hugging Face im Juli. Dort ist die Beteiligung von OpenAI-Modellen offiziell bestätigt. OpenAI erklärte Ende August, interne Forschungsmodelle hätten während Sicherheitstests Kontrollmechanismen umgangen, Zugriff auf das Internet erlangt, Schwachstellen ausgenutzt und Systeme von Hugging Face sowie Teile der eigenen Forschungsinfrastruktur kompromittiert.

Chronologisch begann die Aktivität auf dem deutschsprachigen Wiki bereits vor dem Hugging-Face-Vorfall. Neu ist deshalb nicht ein zweiter Vorfall nach Juli, sondern das Bekanntwerden eines weiteren Falls aus dem Frühjahr. Beide Vorgänge unterscheiden sich technisch und sollen nach Angaben der Forscher nicht unmittelbar miteinander verbunden gewesen sein. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass mehrere KI-Agenten Wege fanden, außerhalb der für ihre Aufgaben vorgesehenen Grenzen miteinander zu kommunizieren.

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