
Bei der Hamburger Otto Group ist der langfristig vorbereitete Generationswechsel abgeschlossen. Seit dem 1. März 2026 trägt Benjamin Otto als Vorsitzender des Stiftungsrats und des Gesellschafterrats die strategische Hauptverantwortung für den internationalen Handels- und Dienstleistungskonzern. Damit hat sein Vater Michael Otto seine letzten Führungsämter innerhalb der Unternehmensgruppe an die dritte Generation übertragen. Die operative Leitung des Konzerns bleibt jedoch ausdrücklich beim Vorstand unter Vorsitz von Petra Scharner-Wolff.
Benjamin Otto übernimmt die Führung der Otto Group damit nicht im klassischen Sinne eines Vorstandsvorsitzenden. Seine Rolle liegt auf der Eigentümer- und Strategieebene. Der Gesellschafterrat formuliert nach Angaben des Unternehmens die übergeordneten strategischen Ziele und begleitet unter anderem Investitionen und Zukunftsprojekte. Der Aufsichtsrat wiederum kontrolliert und berät den Vorstand.
Benjamin Otto, Jahrgang 1975, ist seit dem 1. März Vorsitzender des Stiftungsrats der Michael Otto Stiftung. Die Stiftung hält mehrheitlich die Gesellschaftsanteile an der Otto Group. Gleichzeitig führt Otto den Gesellschafterrat. Über diese beiden Funktionen erhält er die zentrale Rolle bei der langfristigen strategischen Ausrichtung des Familienunternehmens. Bereits seit 2015 gehörte er dem Gesellschafterrat an und war später dessen stellvertretender Vorsitzender.
Der Wechsel war bereits im März 2024 angekündigt worden. Damals hatte die Otto Group festgelegt, dass Benjamin Otto zum 1. März 2026 die Verantwortung von seinem Vater übernehmen sollte. Benjamin Otto übernimmt die Führung der Otto Group somit nach einem rund zweijährigen Übergangsprozess. Michael Otto war seit 1971 in verantwortlicher Position für das Unternehmen tätig. Er bleibt Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats.
Von einem Abschied der Eigentümerfamilie kann dennoch keine Rede sein. Die Otto Group wurde 1949 von Werner Otto gegründet. Die strategische Verantwortung geht nun innerhalb der Familie von der zweiten auf die dritte Generation über. Nach mehr als 75 Jahren Familienprägung verändert sich damit vor allem die personelle Zuständigkeit an der Spitze der Eigentümergremien.
Die operative Konzernführung ist von diesem Wechsel getrennt. Petra Scharner-Wolff steht bereits seit dem 1. März 2025 als Vorstandsvorsitzende an der Spitze des Managements. Zum Vorstand gehören außerdem Katy Roewer sowie Marcus Ackermann, Philipp Andrée und Kay Schiebur.
Auch der Vorsitz im Aufsichtsrat wurde schon 2025 neu geordnet. Alexander Birken, zuvor Vorstandsvorsitzender der Otto Group, übernahm den Aufsichtsratsvorsitz von Michael Otto. Er ist zugleich stellvertretender Vorsitzender des Gesellschafterrats. Damit verteilt sich die Konzernführung auf drei Ebenen: Benjamin Otto repräsentiert die strategische Eigentümerseite, Alexander Birken führt das Kontrollgremium Aufsichtsrat und Petra Scharner-Wolff verantwortet mit dem Vorstand das operative Geschäft.
Der Generationenwechsel erfolgt bei einem der größten Handelskonzerne Deutschlands. Im Geschäftsjahr 2025/26, das Ende Februar 2026 abgeschlossen wurde, lag der Umsatz der Otto Group bei 13,8 Milliarden Euro. Auf vergleichbarer Basis, also bereinigt um Veränderungen im Konsolidierungskreis und Währungseffekte, entsprach das einem Plus von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, EBIT, lag bei 641 Millionen Euro nach 276 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2024/25. Der Jahresüberschuss erreichte 312 Millionen Euro nach 165 Millionen Euro im Vorjahr.
Die Otto Group beschäftigte im Geschäftsjahr 2025/26 im Durchschnitt 39.842 Menschen. Umgerechnet auf Vollzeitstellen waren es 34.831 Beschäftigte. Rund 20.000 dieser Vollzeitstellen entfielen nach Konzernangaben auf Deutschland. Weltweit kam die Gruppe auf mehr als 42 Millionen aktive Kundinnen und Kunden.
Zum Konzern gehören Handels-, Plattform-, Dienstleistungs- und Finanzgeschäfte. Zu den wichtigsten Unternehmen und Marken zählen die deutsche Handelsplattform OTTO, der US-Einrichtungshändler Crate and Barrel und der Finanzdienstleister Eos. OTTO selbst steigerte seinen Plattformumsatz im Geschäftsjahr 2025/26 nach Konzernangaben um sechs Prozent auf rund 7,5 Milliarden Euro. Der IFRS-Umsatz von OTTO lag bei 4,7 Milliarden Euro. Die Zahl der aktiven Kunden erhöhte sich auf 12,6 Millionen.
Eine wesentliche Veränderung im Portfolio war der Verkauf der Beteiligung an About You. Deren Umsätze waren im vorherigen Geschäftsjahr noch Teil des ausgewiesenen Konzernumsatzes. Deshalb sank der nominal ausgewiesene Umsatz der Otto Group von rund 15 Milliarden Euro auf 13,8 Milliarden Euro, während er auf vergleichbarer Basis nahezu stabil blieb.
Der Konzern agiert in einem Markt, der wieder wächst, zugleich aber von starkem Wettbewerb und zurückhaltenden Verbrauchern geprägt ist. Nach Zahlen des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland erreichte der deutsche Onlinehandel mit Waren 2025 einen Bruttoumsatz von 83,1 Milliarden Euro. Das waren 3,2 Prozent mehr als 2024. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Onlineumsätze nach Angaben des Verbands nominal um weitere 4,3 Prozent.
Besonders stark entwickeln sich Online-Marktplätze. Der Verband weist zugleich auf wachsende Marktanteile asiatischer Anbieter hin. Für die Otto Group bedeutet dies einen Wettbewerb mit internationalen Plattformkonzernen und spezialisierten Onlinehändlern in einem weiterhin anspruchsvollen Konsumumfeld.
Der Konzern setzt deshalb verstärkt auf Technologie. Für die kommenden Geschäftsjahre plant die Otto Group Investitionen von rund 350 Millionen Euro in Technologie und künstliche Intelligenz. Die Konzernstrategie bis 2030 konzentriert sich insbesondere auf die Skalierung der wichtigsten Geschäftsmodelle und eine stärkere technologische Ausrichtung.
Mit Benjamin Otto ist die strategische Verantwortung damit weiterhin fest auf der Eigentümerseite der Familie verankert. Neu ist vor allem die Rollenverteilung: Die dritte Familiengeneration setzt über Stiftungsrat und Gesellschafterrat die langfristigen Leitlinien, während ein professioneller Vorstand das operative Geschäft des Milliardenkonzerns führt.
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