
Der Maschinenbauer Pedax aus Bitburg in Rheinland-Pfalz steckt zum zweiten Mal innerhalb von 13 Jahren in einem Insolvenzverfahren. Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten läuft der Geschäftsbetrieb nach Angaben des Unternehmens weiter. Kundenprojekte werden fortgesetzt, Serviceleistungen und die Ersatzteilversorgung bleiben verfügbar. Pedax will das Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung nutzen, um sich wirtschaftlich neu aufzustellen. Das Amtsgericht Bitburg hatte bereits Ende Juli einen vorläufigen Sachwalter bestellt. Wie die langfristige Zukunft des auf Betonstahlverarbeitung spezialisierten Maschinenbauers aussieht, ist weiterhin offen.
Die Insolvenz von Pedax bedeutet nach Darstellung des Unternehmens derzeit keinen Stillstand. Auf seiner Website erklärt der Maschinenbauer ausdrücklich, dass der Geschäftsbetrieb fortgesetzt werde. Das gelte sowohl für laufende Kundenprojekte als auch für Serviceleistungen und die Versorgung mit Ersatzteilen.
Auch über sein offizielles LinkedIn-Profil informierte Pedax über die Situation. Das Unternehmen verwies auf die Veränderungen der vergangenen Wochen und erklärte, das Sanierungsverfahren für eine Neuausrichtung nutzen zu wollen. Gleichzeitig stellte es die weitere Betreuung seiner Kunden in den Mittelpunkt.
Ein konkretes Beispiel für laufende Arbeiten liefert ein weiterer Unternehmensbeitrag. Pedax zeigte darin die Montage einer automatischen Doppelbiegeanlage vom Typ Permatic 60 SK, die für einen Kunden in Norwegen bestimmt ist. Die Auslieferung war nach damaliger Planung für Oktober vorgesehen. Ob die Maschine inzwischen ausgeliefert wurde, geht aus der Veröffentlichung nicht hervor.
Die Angaben zeigen, dass Pedax auch nach dem Insolvenzantrag an Kundenprojekten arbeitet. Eine langfristig gesicherte Finanzierung oder einen erfolgreichen Abschluss der Sanierung bestätigen sie allerdings noch nicht.
Das Insolvenzverfahren betrifft die Pedax GmbH mit Sitz in der Industriestraße in Bitburg. Das Amtsgericht Bitburg bestellte mit Beschluss vom 28. Juli 2026 einen vorläufigen Sachwalter der Kanzlei Lieser Rechtsanwälte. Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen 9 IN 58/26 geführt.
Das Gericht gestattete dem Unternehmen, sein Vermögen unter Aufsicht des vorläufigen Sachwalters weiterhin selbst zu verwalten. Damit unterscheidet sich das Verfahren von einer klassischen Insolvenz, bei der ein Insolvenzverwalter die Kontrolle über die Vermögensverwaltung übernimmt.
Bei einer Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung grundsätzlich für die Leitung des Unternehmens zuständig. Der Sachwalter überwacht den Ablauf und die wirtschaftliche Situation. Ziel kann eine Sanierung sein, bei der der Geschäftsbetrieb erhalten und die finanzielle Grundlage neu geordnet wird.
Der bislang belegte Gerichtsbeschluss betrifft die vorläufige Eigenverwaltung. Eine neuere Entscheidung über die förmliche Eröffnung des Verfahrens ließ sich zunächst nicht bestätigen.
Pedax gehört zu den spezialisierten Maschinenbauunternehmen für die Verarbeitung von Betonstahl. Nach eigenen Angaben beschäftigt die Gesellschaft rund 150 Menschen an zwei Standorten. Neben dem Hauptsitz in Bitburg unterhält das Unternehmen einen Standort in Dänemark.
Die Beschäftigten entwickeln, produzieren und vertreiben Maschinen, die unter anderem beim Schneiden, Richten und Biegen von Bewehrungsstahl eingesetzt werden. Zu den Kunden gehören Stahlhändler, Betonstahlverarbeiter, Bauunternehmen und Hersteller von Betonfertigteilen.
Welche unmittelbaren Auswirkungen die erneute Insolvenz auf die Belegschaft hat, ist noch nicht vollständig geklärt. Die öffentlich genannte Beschäftigtenzahl bezieht sich auf beide Standorte und lässt keine genaue Aussage über die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze in Bitburg zu.
Die von Pedax bestätigte Fortsetzung des Geschäftsbetriebs ist für die Beschäftigten zunächst ein wichtiges Signal. Sie bedeutet jedoch keine Garantie dafür, dass im weiteren Sanierungsverfahren sämtliche Arbeitsplätze erhalten bleiben.
Der aktuelle Insolvenzantrag ist nicht der erste in der Geschichte des Unternehmens. Bereits im Juli 2013 hatte Pedax Insolvenz angemeldet. Im September desselben Jahres eröffnete das Amtsgericht Bitburg das damalige Verfahren in Eigenverwaltung.
Die Sanierung gelang innerhalb weniger Monate. Im Dezember 2013 stimmten die Gläubiger einem Insolvenzplan zu. Das Unternehmen konnte anschließend weitergeführt werden.
Nach damaligen Angaben arbeiteten zum Zeitpunkt des ersten Insolvenzantrags 107 Beschäftigte in Bitburg und weitere 28 in der dänischen Niederlassung. Im Zuge der Restrukturierung gelang es, mehr als 100 Arbeitsplätze zu erhalten.
Auch internationale Kunden spielten bei der damaligen Sanierung eine wichtige Rolle. Das Unternehmen konnte die Produktion fortsetzen und Maschinen an Abnehmer in mehreren Ländern ausliefern.
Die erneute Insolvenz rund 13 Jahre später stellt Pedax vor eine weitere grundlegende Neuordnung. Anders als 2013 liegt für das aktuelle Verfahren bislang kein bestätigter erfolgreicher Insolvenzplan vor.
Die Geschichte von Pedax reicht über die heutige Gesellschaft hinaus. Die Wurzeln liegen beim traditionsreichen Maschinenbauunternehmen Peddinghaus, das bereits in den 1920er Jahren Maschinen für die Betonstahlverarbeitung entwickelte.
1971 entstand ein Produktionsstandort in Bitburg. Später wurden die deutschen Aktivitäten mit dänischer Maschinentechnik verbunden. Heute bietet Pedax unterschiedliche Anlagen für die Bearbeitung von Betonstahl an, darunter Schneidmaschinen, Biegeautomaten und automatisierte Produktionssysteme.
Seit 2020 gehört die Pedax GmbH nach eigenen Angaben vollständig zur dänischen IBL Holding.
Die internationale Ausrichtung ist ein wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells. Maschinen für die Betonstahlverarbeitung werden unter anderem im Hochbau, im Infrastruktur- und Brückenbau sowie in der industriellen Herstellung von Betonbauteilen benötigt.
Damit hängt die Nachfrage nach den Anlagen auch von Investitionen in der Bauwirtschaft und bei industriellen Stahlverarbeitern ab. Welche konkreten wirtschaftlichen Faktoren zur erneuten Insolvenz führten, hat Pedax in seinen öffentlich zugänglichen Mitteilungen bislang nicht näher erläutert.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Pedax fallen in eine anspruchsvolle Phase für den deutschen Maschinenbau. Zwar hat sich die Stimmung in der Branche zuletzt aufgehellt, die Auftragsentwicklung bleibt jedoch uneinheitlich.
Nach Angaben des Branchenverbands VDMA gingen die preisbereinigten Auftragseingänge im deutschen Maschinen- und Anlagenbau im August 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um fünf Prozent zurück. Die Inlandsbestellungen sanken um zwei Prozent, die Nachfrage aus dem Ausland um sechs Prozent.
Eine am 14. Oktober veröffentlichte VDMA-Konjunkturerhebung zeichnet zugleich ein etwas positiveres Stimmungsbild. Im dritten Quartal bewerteten 34 Prozent der befragten Maschinenbauunternehmen ihre Geschäftslage als gut oder sehr gut. Im Juli waren es noch 28 Prozent gewesen.
Auch die Erwartungen verbesserten sich. Rund ein Drittel der Unternehmen rechnet für die kommenden sechs Monate mit einer günstigeren Entwicklung. Dennoch bleiben hohe Produktionskosten, internationaler Wettbewerbsdruck und die schwache Nachfrage aus einzelnen Industriezweigen Herausforderungen.
Hinzu kommt eine insgesamt hohe Zahl von Firmeninsolvenzen in Deutschland. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle registrierte im September 2026 insgesamt 1.666 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften. Das waren 13 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.
Aus diesen Branchendaten lässt sich allerdings keine unmittelbare Ursache für die finanziellen Probleme bei Pedax ableiten.
Für Pedax steht nun die wirtschaftliche Neuordnung im Mittelpunkt. Die Geschäftsführung verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, das Unternehmen zu restrukturieren und langfristig fortzuführen.
Dass laufende Kundenprojekte, Kundendienst und Ersatzteilversorgung weitergeführt werden, ist dabei von Bedeutung. Ein funktionierender Geschäftsbetrieb kann die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sanierung verbessern.
Ob eine Lösung mit den bisherigen Eigentümern, zusätzliche Finanzierungsmittel oder ein neuer Investor eine Rolle spielen werden, ist öffentlich noch nicht konkret bestätigt.
Die Ausgangslage unterscheidet sich damit von einer bereits beschlossenen Betriebsschließung. Pedax arbeitet nach eigener Darstellung weiter und will seine Geschäftstätigkeit erhalten. Die entscheidende wirtschaftliche Aufgabe besteht darin, die Fortführung auch dauerhaft zu finanzieren.
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