
In der russischen Region Irkutsk haben die Behörden nach einem Pestverdacht in Irkutsk umfangreiche Schutzmaßnahmen eingeleitet. Eine Frau starb in einer Klinik in Schelechow südwestlich der Regionalhauptstadt. Der stationäre Bereich des Krankenhauses wurde unter Quarantäne gestellt. Die zuständigen Stellen sprechen bislang offiziell von dem Verdacht auf eine „besonders gefährliche Infektion“. Berichte, wonach es sich konkret um Lungenpest handelt, wurden von den Gesundheitsbehörden der Region zunächst nicht eindeutig bestätigt.
Die Situation führte am Freitag, 2. Oktober, zu einer außerordentlichen Sitzung der regionalen Kommission für Infektionsschutz. Daran nahm auch die Leiterin der russischen Verbraucherschutz- und Gesundheitsaufsicht Rospotrebnadsor, Anna Popowa, teil. Nach Angaben des Gouverneurs der Region Irkutsk, Igor Kobsjew, wurde ein Einsatzplan für die epidemiologischen Maßnahmen beschlossen. Sämtliche bislang identifizierten Kontaktpersonen seien unter medizinische Beobachtung gestellt worden.
Nach den offiziellen Angaben vom 2. Oktober zeigte keine der überwachten Kontaktpersonen Symptome der betreffenden Infektion. Auch die bislang vorgenommenen Laboruntersuchungen seien negativ ausgefallen. Wie viele Menschen genau überwacht werden, teilten die Behörden in ihren öffentlichen Mitteilungen zunächst nicht mit.
Mehrere russische und internationale Veröffentlichungen nannten dagegen Zahlen von knapp 200 Kontaktpersonen. Teilweise ist von 197 Menschen die Rede, von denen 189 vorsorglich in medizinische Einrichtungen gebracht worden sein sollen. Eine eigenständige behördliche Bestätigung dieser konkreten Zahlen lag zunächst nicht vor. Deshalb lässt sich die häufig verbreitete Darstellung, rund 200 Menschen befänden sich wegen des Falls in Quarantäne, bislang nicht uneingeschränkt als amtlich bestätigte Angabe wiedergeben.
Fest steht, dass im Bezirkskrankenhaus von Schelechow Einschränkungen eingeführt wurden. Aufnahme und Entlassung von Patienten waren in mehreren stationären Bereichen vorübergehend ausgesetzt. Die Poliklinik arbeitete dagegen weiter. Auch Laborarbeiten und geplante Untersuchungen im stationären Bereich wurden zeitweise eingeschränkt.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte eine Mitteilung des Oberhaupts der benachbarten Republik Burjatien, Alexej Zydenow. Er erklärte zunächst unter Berufung auf Informationen von Rospotrebnadsor und der Regierung Burjatiens, eine Frau in der Region Irkutsk sei an Pest gestorben. Zugleich wies er Angaben zurück, wonach sich die Frau zuvor in Burjatien aufgehalten habe. Dort gebe es derzeit keine Pestherde, auch nicht in Gebieten an der Grenze zur Mongolei.
Allerdings wurde die Formulierung anschließend abgeschwächt. In der bearbeiteten Fassung hieß es, die Frau sei „möglicherweise“ an Pest gestorben. Damit blieb eine abschließende behördliche Bestätigung der Diagnose zunächst aus. Auch die Behörden der Region Irkutsk bezeichneten die Erkrankung öffentlich weiterhin lediglich als besonders gefährliche Infektion.
Noch weniger gesichert ist die häufig verbreitete Behauptung, es habe sich ausdrücklich um Lungenpest gehandelt. Ebenso stammen Angaben, wonach die Erkrankte in einem Anti-Pest-Institut gearbeitet und sich bei einem Laborzwischenfall mit einem Erreger infiziert haben könnte, bislang aus einzelnen Veröffentlichungen und nicht aus einer abschließenden offiziellen Mitteilung der zuständigen Ermittlungs- oder Gesundheitsbehörden.
Pest wird durch das Bakterium Yersinia pestis verursacht. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation tritt die Erkrankung in verschiedenen Formen auf. Am häufigsten ist die Beulenpest. Bei der selteneren Lungenpest befällt die Infektion die Lunge. Diese Form kann über infektiöse Atemwegspartikel zwischen Menschen übertragen werden und ohne frühzeitige Behandlung rasch lebensbedrohlich werden.
Antibiotika können Pest wirksam behandeln, sofern die Erkrankung früh erkannt wird. Bei unbehandelter Lungenpest kann sich der Zustand nach Angaben der WHO innerhalb kurzer Zeit drastisch verschlechtern. Deshalb gehören die schnelle Identifizierung von Kontaktpersonen, deren Beobachtung sowie Laboruntersuchungen zu den zentralen Maßnahmen bei einem entsprechenden Verdachtsfall.
Weltweit ist Pest heute selten, sie ist aber nicht verschwunden. Nach WHO-Angaben wurden zwischen 2019 und 2025 die meisten gemeldeten Erkrankungen in der Demokratischen Republik Kongo und auf Madagaskar registriert. Natürliche Reservoirs des Erregers existieren in mehreren Teilen der Welt.
Der Pestverdacht in Irkutsk führte neben den Einschränkungen im Krankenhaus auch zu weiteren Vorsichtsmaßnahmen. Die Stadt Irkutsk verschob eine für den 3. Oktober geplante öffentliche Aktion. Rospotrebnadsor setzte nach Angaben der Regionalregierung ein umfassendes Paket epidemiologischer Maßnahmen um.
Ein Hinweis auf weitere Erkrankungen lag zunächst nicht vor. Nach dem zuletzt veröffentlichten offiziellen Stand waren die untersuchten Kontaktpersonen symptomfrei und ihre Tests negativ. Ob bei der verstorbenen Frau tatsächlich Pest und insbesondere die von mehreren Veröffentlichungen genannte Lungenpest nachgewiesen wurde, war von den zuständigen Behörden der Region zunächst nicht abschließend bekannt gegeben worden.






Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu