
Der 1. FC Kaiserslautern hat ein turbulentes Südwest-Derby im DFB-Pokal beim SV Waldhof Mannheim mit 1:0 nach Verlängerung gewonnen. Ibrahim Kanaté erzielte am Freitagabend in der 120. Minute den entscheidenden Treffer. Das sportlich lange ausgeglichene Erstrundenspiel wurde jedoch von Pyrotechnik, mehreren Unterbrechungen, einer Rudelbildung und einem Platzsturm überschattet. Vor Beginn der Verlängerung rückten zahlreiche Polizeikräfte in den Innenraum des Carl-Benz-Stadions ein. Auch eine berittene Polizeieinheit war auf dem Rasen im Einsatz.
Das DFB-Pokal-Spiel Waldhof Mannheim gegen Kaiserslautern wurde vor 23.504 Zuschauern ausgetragen. Nach 90 Minuten stand es 0:0. Erst nach einer rund 30-minütigen Unterbrechung konnte die Verlängerung beginnen. Eine amtliche Bilanz zu möglichen Verletzten oder Festnahmen lag am Freitagabend zunächst nicht vor.
Schon die Anfangsphase verlief nicht störungsfrei. Schiedsrichter Robert Schröder unterbrach die Partie bereits in der dritten Minute, nachdem Pyrotechnik für starke Rauchentwicklung im Stadion gesorgt hatte. Erst nachdem die Sicht wieder ausreichend war, konnte weitergespielt werden.
Auf dem Platz entwickelte sich anschließend ein intensives, aber lange torloses Derby. Waldhof hatte durch Kushtrim Asallari in der zwölften Minute eine gute Gelegenheit, Kaiserslauterns Torhüter Julian Krahl parierte. Auf der anderen Seite verfehlte Marlon Ritter kurz darauf das Mannheimer Tor.
Kurz vor der Pause kam Kaiserslautern dem ersten Treffer besonders nahe. Thierry Tazemeta traf in der 40. Minute den Pfosten. Damit ging es trotz mehrerer Chancen auf beiden Seiten mit einem 0:0 in die Halbzeit.
Auch der Beginn des zweiten Durchgangs verzögerte sich wegen weiterer Pyrotechnik. Damit war Pyrotechnik im DFB-Pokal bereits zum zweiten Mal an diesem Abend unmittelbar mit einer Verzögerung des Spielbetriebs verbunden.
Sportlich blieb Waldhof Mannheim auch nach der Pause gefährlich. Maximilian Thalhammer kam in der 61. Minute zu einer guten Möglichkeit, ehe der eingewechselte Gonçalo Gregório in der 74. Minute den Pfosten traf. Kaiserslautern blieb ebenfalls gefährlich, konnte die Partie aber zunächst nicht zu seinen Gunsten entscheiden.
In der Schlussphase nahm die Intensität weiter zu. Zwischen Spielern beider Mannschaften kam es nach dem Ende der regulären Spielzeit zu einer größeren Rudelbildung. Zuvor hatte Mannheim-Torhüter Thijmen Nijhuis noch gegen Ritter pariert und sein Team damit in die Verlängerung gerettet.
Unmittelbar danach verschärfte sich die Situation im Stadion. Weitere Feuerwerkskörper wurden abgefeuert, zugleich gelangten Personen aus dem Zuschauerbereich in den Innenraum beziehungsweise versuchten, auf den Rasen zu kommen. Der Platzsturm in Mannheim führte schließlich dazu, dass die Mannschaften zunächst in die Kabinen geschickt wurden.
Zahlreiche Polizeikräfte betraten daraufhin den Innenraum des Stadions. Auf dem Spielfeld waren auch berittene Einsatzkräfte zu sehen. Ein Zuschauerbereich wurde durch Einsatzkräfte abgesichert. Die Verlängerung konnte zunächst nicht angepfiffen werden.
Zeitweise war offen, ob die Begegnung überhaupt fortgesetzt werden würde. Schiedsrichter Schröder entschied nach der langen Unterbrechung schließlich, beide Mannschaften wieder auf den Platz zu holen. Nach Angaben des DFB begann die Verlängerung rund 30 Minuten später als vorgesehen.
Behördliche Angaben zu Verletzten lagen am Freitagabend zunächst nicht vor. Auch eine belastbare Zahl möglicher Festnahmen oder anderer polizeilicher Maßnahmen war zunächst nicht veröffentlicht. Zu möglichen Ermittlungen wegen einzelner Vorfälle gab es zunächst ebenfalls keine gesicherten Angaben.
Der Polizeieinsatz beim DFB-Pokal war damit zwar eindeutig dokumentiert, seine strafrechtliche Aufarbeitung aber am späten Freitagabend noch nicht abgeschlossen beziehungsweise noch nicht öffentlich bilanziert.
Nach Wiederbeginn konzentrierte sich das Geschehen zunächst wieder auf den Fußball. Kaiserslautern übernahm in der Verlängerung zunehmend die Initiative. Fabian Kunze hatte in der 111. Minute eine große Gelegenheit, sein Kopfball wurde jedoch noch auf der Linie geklärt.
Als bereits vieles auf ein Elfmeterschießen hindeutete, fiel doch noch die Entscheidung. Ibrahim Kanaté, der in der zweiten Halbzeit eingewechselt worden war, kam kurz vor dem Ende der Verlängerung aus rund 18 Metern zum Abschluss und traf zum 1:0 für Kaiserslautern.
Waldhof bekam anschließend noch eine letzte Gelegenheit, doch Krahl hielt den knappen Vorsprung fest. Der Zweitligist zog damit in die zweite Runde des DFB-Pokals ein, während der Drittligist nach einer über weite Strecken offenen Partie ausschied.
Neben dem sportlichen Ergebnis dürfte die Partie auch ein Nachspiel beim Deutschen Fußball-Bund haben. Schiedsrichter Schröder kündigte nach der Begegnung einen umfangreichen Sonderbericht zu den Vorkommnissen an. Eine konkrete Sanktion gegen einen oder beide Vereine war am Freitagabend jedoch nicht beschlossen.
Beim DFB ist grundsätzlich der Kontrollausschuss dafür zuständig, mögliche Verstöße im Zusammenhang mit Bundesspielen zu prüfen und gegebenenfalls Anklage zu erheben. Über mögliche Strafen entscheidet in erster Instanz das DFB-Sportgericht. Sanktionen können je nach festgestelltem Sachverhalt unterschiedlich ausfallen. Eine Prognose zur Art oder Höhe einer möglichen Strafe wäre zum jetzigen Zeitpunkt nicht belastbar.
Der DFB hatte seinen Strafzumessungsleitfaden für Fälle mit Pyrotechnik erst Ende Juli 2026 überarbeitet. Dabei soll unter anderem das jeweilige Gefährdungspotenzial stärker berücksichtigt werden. Ob und in welcher Weise diese Regeln nach den Vorfällen in Mannheim zur Anwendung kommen, war zunächst offen. Eine Entscheidung darüber stand zunächst aus.
Die Begegnung zwischen dem Drittligisten aus Mannheim und dem Zweitligisten aus Kaiserslautern gilt seit Jahrzehnten als eines der besonders aufgeladenen Duelle im Südwesten. Beide Städte liegen nur rund 60 Kilometer voneinander entfernt. Das letzte Pflichtspiel zwischen beiden Mannschaften hatte in der Saison 2021/22 stattgefunden.
Für den 1. FC Kaiserslautern im DFB-Pokal zählt zunächst das sportliche Weiterkommen. Die Auslosung der zweiten Runde ist für den 5. September vorgesehen, gespielt wird am 27. und 28. Oktober. Die Ereignisse im Carl-Benz-Stadion werden unabhängig davon auf Verbandsebene weiter aufgearbeitet werden.
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