
In zahlreichen deutschen Städten haben am Wochenende Zehntausende Menschen gegen Rechtsextremismus und die AfD demonstriert. Zu den größten Kundgebungen am 12. und 13. September 2026 gehörten Veranstaltungen in Hamburg, Düsseldorf, Berlin und München. Hinzu kamen Proteste unter anderem in Bremen, Freiburg, Marburg, Leipzig und Dresden. Auslöser war vor allem der deutliche Wahlsieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eine Woche zuvor.
Die Demonstrationen gegen Rechtsextremismus wurden von unterschiedlichen lokalen Initiativen und überregionalen Bündnissen organisiert. Eine zentrale Rolle spielten dabei die Kampagnen und Bündnisse „Zeit zum Handeln“ und „Prüf“. Letztere setzt sich dafür ein, die rechtlichen Voraussetzungen für ein mögliches Parteiverbotsverfahren beziehungsweise andere verfassungsrechtliche Schritte prüfen zu lassen. Daneben beteiligten sich Gewerkschaften, kirchliche Vertreter, Bürgerinitiativen und weitere Organisationen an den Veranstaltungen.
Eine der größten Kundgebungen fand am Samstag in Hamburg statt. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich bis zu 25.000 Menschen an dem Protest in der Innenstadt. Die Hamburger Polizei bestätigte diese Größenordnung. Die Demonstration stand unter dem Motto „Zeit zum Handeln – Freiheit muss verteidigt werden“. Unterstützt wurde sie unter anderem von „Zusammen gegen Rechts Hamburg“ und der Initiative „Prüf“. Zu den Rednerinnen gehörten die EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs und Hamburgs DGB-Vorsitzende Tanja Chawla.
Auch in Düsseldorf kamen deutlich mehr Menschen als zunächst erwartet. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich mindestens 20.000 Personen an dem Demonstrationszug durch die Innenstadt. Aufgerufen hatten unter anderem „Düsseldorf stellt sich quer“ und der „Düsseldorfer Appell“. Die Polizei bezeichnete den Verlauf als friedlich. In Berlin wurden bei einer Kundgebung rund 18.000 Teilnehmer gezählt. Damit erreichten mehrere Veranstaltungen an diesem Wochenende fünfstellige Teilnehmerzahlen.
In München beteiligten sich nach Angaben der Polizei rund 12.000 Menschen an einer sogenannten Prüf-Demonstration im Bereich des Siegestors. Ursprünglich waren deutlich weniger Teilnehmer angemeldet worden. Auch in Bamberg und Regensburg gingen mehrere Tausend Menschen gegen Rechtsextremismus auf die Straße. Insgesamt kamen bei den größeren Veranstaltungen in den drei bayerischen Städten etwa 20.000 Teilnehmer zusammen.
Parallel fanden in Bayern auch Demonstrationen statt, die sich gegen die Bundesregierung richteten. In München und Bamberg beteiligten sich daran nach Polizeiangaben zusammen knapp 2.000 Menschen. Größere Zwischenfälle wurden bei den Kundgebungen zunächst nicht gemeldet.
In Bremen sprach die Polizei von etwa 4.500 Teilnehmern bei einer Kundgebung am Hauptbahnhof. In Freiburg wurden in der Spitze bis zu 7.500 Menschen gezählt. Dort hatte das Bündnis „Freiburg gegen Rechts“ unter dem Motto „Zeit zu handeln – solidarisch gegen Rechts“ aufgerufen. In Marburg kamen nach Angaben der Polizei am Sonntag rund 3.000 Menschen vor dem Theater zusammen. Veranstalter war die Initiative Demokratische Zukunft Marburg, unterstützt unter anderem von den „Omas gegen Rechts“ und dem Deutschen Gewerkschaftsbund.
Auch in Sachsen fanden am Wochenende größere Veranstaltungen statt. In Leipzig gingen nach Angaben der Organisatoren mehrere Tausend Menschen auf die Straße. Für Dresden schätzte ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur die Teilnehmerzahl am Sonntag auf etwa 3.000 bis 4.000. Die Polizei veröffentlichte dort zunächst keine eigene Teilnehmerzahl. Die Veranstalter gingen von einer höheren Zahl aus. Wegen der unterschiedlichen Angaben lässt sich für beide Städte keine einheitliche behördlich bestätigte Gesamtzahl nennen.
Eine offizielle bundesweite Gesamtzahl der Teilnehmer lag am Sonntagabend nicht vor. Die Kampagnenorganisation Campact bezifferte die Beteiligung an Protesten in rund 20 Städten auf fast 150.000 Menschen. Diese Zahl stammt von einem beteiligten Veranstalter und ist keine bundesweit zusammengeführte Polizeistatistik. Andere Übersichten führten Veranstaltungen in mehr als 35 Städten auf. Deshalb können die Angaben zur Gesamtzahl und zur Zahl der Kundgebungsorte je nach erfassten Aktionen voneinander abweichen.
Belastbar sind dagegen zahlreiche lokale Zahlen. Allein die polizeilich bestätigten beziehungsweise von der Polizei bestätigten Größenordnungen in Hamburg, Düsseldorf, Berlin und München summieren sich auf rund 75.000 Teilnehmer. Hinzu kommen mehrere Tausend Menschen bei Veranstaltungen in weiteren Städten.
Die Proteste fallen in eine politische Debatte über den weiteren Umgang mit der AfD. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst von der CDU hatte nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe vorgeschlagen. Sie soll nach seinen Vorstellungen ergebnisoffen prüfen, welche verfassungsrechtlichen Möglichkeiten im Umgang mit der Partei bestehen. Ein Verbotsverfahren wäre dabei lediglich eine von mehreren denkbaren Konsequenzen.
Unterstützung erhielt Wüst unter anderem vom Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, Hamburgs Innensenator Andy Grote von der SPD. Er sprach sich dafür aus, Erkenntnisse von Bund und Ländern zusammenzuführen und die rechtlichen Voraussetzungen systematisch prüfen zu lassen. Skeptischer äußerten sich unter anderem Hessens Ministerpräsident Boris Rhein und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Sie setzen stärker auf die politische Auseinandersetzung mit der AfD und warnen vor den möglichen Folgen eines Verbotsverfahrens.
Über ein Parteiverbot entscheidet nicht die Bundesregierung allein. Einen Antrag beim Bundesverfassungsgericht können Bundestag, Bundesrat oder Bundesregierung stellen. Das Gericht müsste anschließend feststellen, ob die hohen verfassungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Die Forderung nach einer solchen Prüfung gehörte bei mehreren Demonstrationen des Wochenendes zu den zentralen politischen Anliegen.
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