
Der schwedische Finanzinvestor EQT will den Diagnostikkonzern Qiagen übernehmen. Beide Unternehmen haben sich auf die Eckpunkte einer milliardenschweren Transaktion verständigt. Wie Qiagen am Mittwochabend, 21. Oktober 2026, bekannt gab, sollen Aktionäre 46,50 Euro je Aktie in bar erhalten. Die Unternehmensbewertung liegt einschließlich Nettoschulden bei rund 10,8 Milliarden Euro. Vorstand und Aufsichtsrat unterstützen die geplante Übernahme einstimmig.
Die Übernahme von Qiagen soll über die niederländische Beteiligungsgesellschaft Crown NL Bidco erfolgen. Diese wird mittelbar vom EQT-XI-Fonds kontrolliert. An dem Vorhaben beteiligen sich außerdem eine Tochtergesellschaft des Staatsfonds Abu Dhabi Investment Authority und eine Gesellschaft des kanadischen Pensionsfonds CPP Investments.
Der vereinbarte Angebotspreis liegt nach Unternehmensangaben 40,3 Prozent über dem Aktienkurs vom 8. Juli 2026. Dieser Vergleichstag liegt vor den ersten öffentlichen Berichten über ein mögliches Übernahmeinteresse von Finanzinvestoren. Gegenüber dem jüngsten Xetra-Schlusskurs vom Mittwoch ergibt sich dagegen ein Aufschlag von rund 8,6 Prozent.
Der reine Kaufpreis für die Aktien beläuft sich auf etwa 9,6 Milliarden Euro. Einschließlich der Nettoverschuldung erreicht die Bewertung rund 10,8 Milliarden Euro.
Bis zum endgültigen Abschluss müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt werden. Mindestens 50 Prozent der maßgeblichen Qiagen-Aktien zuzüglich einer Aktie müssen im Rahmen des Angebots angedient werden. Außerdem sind behördliche Freigaben sowie weitere gesellschaftsrechtliche Beschlüsse erforderlich.
Die beteiligten Unternehmen rechnen derzeit mit einem Abschluss Mitte 2027. Nach ihren Angaben ist die Finanzierung durch verbindliche Eigenkapital- und Fremdkapitalzusagen gesichert. Das Übernahmeangebot steht damit nicht unter einem Finanzierungsvorbehalt.
Die Annahmefrist beginnt erst nach Veröffentlichung der von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gestatteten Angebotsunterlage. Bis zum Abschluss bleibt Qiagen ein eigenständiges Unternehmen unter seiner bisherigen Führung.
Mit dem geplanten Eigentümerwechsel könnte auch die Börsennotierung des Diagnostikkonzerns enden. Die Vereinbarung sieht gesellschaftsrechtliche Maßnahmen vor, mit denen EQT das gesamte Geschäft übernehmen kann. Bei entsprechender Umsetzung sollen die Qiagen-Aktien sowohl von der Frankfurter Wertpapierbörse als auch von der New York Stock Exchange genommen werden.
Der bisherige Unternehmensname und die Marke Qiagen sollen erhalten bleiben. EQT hat sich nach Angaben der Unternehmen zudem verpflichtet, die langfristige Entwicklung des Konzerns zu unterstützen. Die Vereinbarungen betreffen unter anderem die operative Präsenz, Forschung und Entwicklung sowie Regelungen für Beschäftigte.
Qiagen beschäftigt weltweit rund 5.400 Menschen an mehr als 35 Standorten. Die niederländische Holdinggesellschaft hat einen wichtigen operativen Standort im deutschen Hilden. Das Unternehmen entwickelt Technologien zur Aufbereitung und Analyse biologischer Proben. Seine Produkte werden unter anderem in medizinischen Laboren, der Forschung und der Pharmaindustrie eingesetzt.
Für Qiagen wäre der Eigentümerwechsel ein bedeutender Einschnitt. Bereits 2020 hatte der US-Technologiekonzern Thermo Fisher Scientific versucht, das Unternehmen zu übernehmen. Damals scheiterte die Transaktion an der unzureichenden Zustimmung der Aktionäre.
Auch 2026 stand Qiagen wiederholt im Mittelpunkt von Übernahmegesprächen. Der Konzern hatte verschiedene strategische Möglichkeiten geprüft und dabei Gespräche mit Finanzinvestoren sowie potenziellen strategischen Käufern geführt.
Mit der Einigung auf EQT haben sich die Unternehmensgremien nun für eine Übernahme durch einen Finanzinvestor entschieden. Sie begründen ihre Unterstützung insbesondere mit größeren Möglichkeiten für langfristige Investitionen außerhalb des börsennotierten Umfelds.
Parallel zur Übernahmevereinbarung veröffentlichte Qiagen vorläufige Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2026. Der Nettoumsatz erreichte demnach 548 Millionen US-Dollar. Das bereinigte verwässerte Ergebnis je Aktie lag bei 0,65 US-Dollar.
Den bisherigen Ausblick für das Gesamtjahr 2026 setzte der Konzern aufgrund der angekündigten Transaktion bis auf Weiteres aus. Die veröffentlichten Quartalswerte sind vorläufig.
Damit steht für Qiagen neben dem weiteren Geschäftsverlauf vor allem die Umsetzung des Übernahmeangebots im Mittelpunkt. Der vorgesehene Eigentümerwechsel würde das Unternehmen nach Jahrzehnten als börsennotierter Konzern in private Eigentümerschaft führen.
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