
Neue Recherchen des Bayerischen Rundfunks haben die geriatrische Rehaklinik in Bruckmühl im Landkreis Rosenheim erneut in den Blickpunkt gerückt. Patientinnen und Patienten, Angehörige sowie frühere Beschäftigte hätten dem Sender von Problemen bei der medizinischen und pflegerischen Versorgung berichtet. Die weitergehenden aktuellen Vorwürfe sind bislang nicht durch eine behördliche Untersuchung bestätigt. Fest steht dagegen, dass die zuständige Behörde bereits 2023 Mängel festgestellt und zeitweise einen Aufnahmestopp verhängt hatte. Bei einer unangekündigten Kontrolle im Frühjahr 2026 seien nach Angaben des Landratsamts Rosenheim keine Maßnahmen erforderlich gewesen.
Die Betreiber der Geriatrischen Rehabilitation Oberbayern Bruckmühl GmbH weisen wesentliche Darstellungen zurück. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk ließ das Unternehmen insbesondere Vorwürfe zum Umgang mit Medikamenten und zu langen Reaktionszeiten nach Patientenrufen bestreiten. Strukturell bedingte Patientenschädigungen oder einen patientengefährdenden Betrieb habe es nach Darstellung des Betreibers nicht gegeben. Zugleich verwies die Betreiberseite auf Investitionen sowie Veränderungen bei Abläufen und Strukturen der Einrichtung.
Damit stehen sich bei einem Teil der aktuellen Berichte unterschiedliche Darstellungen gegenüber. Eine unabhängige behördliche Bestätigung für die vom BR wiedergegebenen einzelnen Patientenschilderungen lag zunächst nicht vor. Die Unschuldsvermutung gilt.
Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks hätten mehrere Patientinnen und Patienten sowie Angehörige von Problemen berichtet, die sich zwischen 2023 und Juli 2026 ereignet haben sollen. Genannt würden unter anderem Schwierigkeiten bei der Wund- und Stomaversorgung sowie bei der Medikamentengabe. Zudem hätten Betroffene von verspäteten Reaktionen auf Patientenrufe, ausgefallenen therapeutischen Anwendungen, Personalmangel und Kritik an der Verpflegung berichtet. Der BR gibt an, dazu zahlreiche Gespräche geführt sowie Dokumente und Krankenhausunterlagen ausgewertet zu haben.
Diese Angaben sind von den behördlich bestätigten Feststellungen zu unterscheiden. Dass sich sämtliche geschilderten Vorgänge so ereignet hätten oder auf strukturelle Ursachen zurückzuführen seien, war zunächst nicht amtlich festgestellt.
Für das Jahr 2023 gibt es dagegen konkrete Angaben des Landratsamts Rosenheim. Die Behörde teilte dem BR mit, bei einer damaligen Kontrolle habe sich eine reduzierte Personalausstattung mit Mängeln in der medizinischen und pflegerischen Betreuung bestätigt. Für die Einrichtung seien daraufhin ein Aufnahmestopp verhängt und die Zahl der Betten vorübergehend reduziert worden.
Für die jüngere Vergangenheit zeichnet die Behörde ein anderes Bild. Nach Angaben des Landratsamts finden regelmäßige Routinekontrollen statt. Zuletzt sei die Einrichtung im Frühjahr 2026 unangekündigt überprüft worden. Dabei hätten sich nach Darstellung der Behörde keine Auffälligkeiten ergeben, die weitere Maßnahmen erforderlich gemacht hätten. Auf einzelne Beschwerden von Patientinnen und Patienten habe die Klinikleitung nach Angaben des Landratsamts zeitnah reagiert.
Unklar blieb zunächst, ob die neuen Berichte des Bayerischen Rundfunks zusätzliche Prüfungen oder weitere aufsichtsrechtliche Schritte zur Folge haben werden.
Eine weitere Einrichtung aus dem Umfeld derselben Betreibergruppe in Lenggries im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen war bereits zuvor Gegenstand behördlicher Maßnahmen. Das Haus war 2023 erstmals geschlossen worden und hatte 2024 den Betrieb wieder aufgenommen. Im Mai 2026 widerrief das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen die Betriebserlaubnis.
Nach Angaben der Behörde waren zuvor wiederholt Kontrollen durchgeführt worden, darunter unangekündigte Überprüfungen und Kontrollen zu später Stunde. Dabei seien Verstöße gegen Vorgaben zur Personalausstattung festgestellt worden. Bereits im Frühjahr hatte der BR über behördliche Beanstandungen berichtet.
Die Betreiberseite bestreitet auch wesentliche Vorwürfe im Zusammenhang mit Lenggries. Gegenüber dem BR erklärte sie, Patienten seien nicht gefährdet oder geschädigt worden. Die Schließung sei nach Darstellung des Betreibers aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt und nicht wegen medizinischer Qualitätsmängel.
Unabhängig von den aufsichtsrechtlichen Maßnahmen laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München II. Die Ermittlungsbehörde bestätigte dem Bayerischen Rundfunk, dass eine mittlere zweistellige Zahl von Todesfällen aus der Rehaklinik in Lenggries geprüft werde. Zudem werde unter anderem wegen des Verdachts der vorsätzlichen Körperverletzung ermittelt. Weitere Einzelheiten teilte die Staatsanwaltschaft wegen des laufenden Verfahrens nicht mit.
Die Ermittlungen bedeuten keinen Nachweis einer Straftat. Ob und gegebenenfalls gegen wen sich strafrechtliche Vorwürfe erhärten, ist Gegenstand des Verfahrens.
Geriatrische Rehabilitation richtet sich besonders an ältere Menschen, die nach Erkrankungen oder Eingriffen ihre Selbstständigkeit möglichst weit zurückgewinnen und Pflegebedürftigkeit vermeiden oder vermindern sollen. Die Maßnahmen können stationär, ambulant oder teilstationär erfolgen.
Für Rehabilitationseinrichtungen mit Versorgungsverträgen gelten Vorgaben zur externen Qualitätssicherung und zum internen Qualitätsmanagement. Nach den Rahmenempfehlungen des GKV-Spitzenverbands müssen entsprechend belegte Einrichtungen unter anderem am QS-Reha-Verfahren teilnehmen. Dabei werden Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität sowie die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten betrachtet. Zusätzlich können anlassbezogene Begehungen durch Krankenkassenverbände erfolgen.
Der Fall in Oberbayern macht zugleich deutlich, dass unterschiedliche Stellen mit verschiedenen Prüfaufträgen beteiligt sein können. Dazu gehören je nach Einrichtung und Anlass die örtlichen Aufsichtsbehörden, Krankenkassen und Rehabilitationsträger. Patientinnen und Patienten können Beschwerden zudem zunächst gegenüber der Einrichtung beziehungsweise dem Kostenträger vorbringen. Für Entscheidungen einer gesetzlichen Krankenversicherung bestehen darüber hinaus Widerspruchs- und Aufsichtswege.
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