
Die deutsche Reisewirtschaft steuert auf einen positiven Abschluss der Sommersaison 2026 zu. Reiseveranstalter verzeichnen höhere Umsätze und mehr gebuchte Urlauber als im Vorjahr. Besonders gefragt sind klassische Reiseziele am Mittelmeer und Kreuzfahrten. Gleichzeitig zeigt sich bei den Buchungen für den kommenden Winter eine deutlich zurückhaltendere Nachfrage. Vor allem Fernreisen entwickeln sich schwächer.
Nach aktuellen Zahlen des Marktforschungsunternehmens Travel Data + Analytics (TDA) lagen die gebuchten Umsätze für die Sommersaison zum Stand Ende August um vier Prozent über dem Vorjahresniveau. Auch die Zahl der gebuchten Reisenden erhöhte sich um zwei Prozent. Die Daten beziehen sich auf organisierte Veranstalterreisen, die über Reisebüros und entsprechende Onlineportale verkauft werden.
Der Reisesommer 2026 zeigt, dass viele Verbraucher trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten weiterhin Geld für ihren Urlaub ausgeben. Dabei hat sich das Buchungsverhalten während des Jahres verändert. Während zahlreiche Reisen bereits frühzeitig reserviert wurden, gewann das kurzfristige Geschäft im weiteren Saisonverlauf an Bedeutung.
Allein im August lagen die neu eingegangenen Buchungen beim Umsatz elf Prozent über dem entsprechenden Vorjahresmonat. Besonders gefragt waren kurzfristig gebuchte Urlaubsreisen für den Spätsommer und Herbst. Rund 15 Prozent des Augustumsatzes entfielen auf Last-Minute-Buchungen, während 43 Prozent mit kurzfristig gebuchten Herbstreisen erzielt wurden.
Zum Ende des Monats hatten die Veranstalter bereits ein Umsatzvolumen erreicht, das 98 Prozent des gesamten Vorjahressommerumsatzes entsprach. Damit war die Grundlage für einen positiven Saisonabschluss weitgehend gelegt. Die touristische Sommersaison läuft allerdings noch bis zum 31. Oktober.
Für den gesamten deutschen Urlaubsreisemarkt hatte der Deutsche Reiseverband im Juli ein Umsatzwachstum von einem Prozent auf knapp 57 Milliarden Euro prognostiziert. Diese Berechnung umfasst neben Veranstalterreisen auch individuell organisierte Urlaube. Die unterschiedlichen Wachstumsraten verdeutlichen, dass sich die einzelnen Bereiche des Reisemarktes nicht gleich entwickeln.
Bei den Reisezielen bestimmen weiterhin die klassischen Urlaubsländer am Mittelmeer das Geschäft. Die Türkei, Spanien und Griechenland gehören nach Angaben des Deutschen Reiseverbands zu den wichtigsten Zielen für Flugpauschalreisen.
Die Türkei hatte bereits während der frühen Buchungsphase eine besonders starke Nachfrage verzeichnet. Auch Spanien und Griechenland konnten bei den bis Ende Januar eingegangenen Buchungen gegenüber dem Vorjahr zulegen. Ägypten und Italien gehörten ebenfalls zu den Zielen mit deutlichen Umsatzzuwächsen.
Im Verlauf des Sommers veränderte sich die Nachfrage allerdings teilweise. Die geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten hatten zunächst für Zurückhaltung bei einzelnen Destinationen gesorgt. Nach Angaben des Reiseverbands stabilisierten sich die Buchungen für die Türkei und Ägypten später wieder.
Neben klassischen Badeurlauben blieben Pauschalreisen und Angebote mit umfassender Verpflegung gefragt. Für Reisende spielen dabei kalkulierbare Gesamtkosten eine wichtige Rolle, insbesondere angesichts gestiegener Reiseausgaben.
Auch Kreuzfahrten gehören zu den gefragten Reiseformen des Jahres 2026. Bereits zum Buchungsstand Ende Januar hatte der Deutsche Reiseverband für die Sommersaison ein Umsatzplus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr ausgewiesen. Im Juli bestätigte der Verband seine Erwartung eines weiter wachsenden Kreuzfahrtmarktes.
Die Entwicklung knüpft an das Wachstum der vergangenen Jahre an. Nach den Jahreszahlen des Deutschen Reiseverbands stieg die Zahl der Passagiere auf Fluss- und Hochseekreuzfahrten von rund 3,8 Millionen im Jahr 2024 auf 4,2 Millionen im Jahr 2025.
Kreuzfahrten haben sich damit als bedeutender Teil des touristischen Veranstaltergeschäfts etabliert. Für die Reedereien und Reiseveranstalter ist die Nachfrage sowohl während der klassischen Sommerreisezeit als auch außerhalb der Hauptsaison relevant.
Weniger günstig verlief das Sommergeschäft auf bestimmten Fernstrecken. Insbesondere Reisen über internationale Drehkreuze im Nahen Osten waren zeitweise von den Auswirkungen des dortigen Konflikts betroffen.
Der Deutsche Reiseverband hatte bereits im Juli darauf hingewiesen, dass Fernreisen hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückblieben. Vorübergehende Einschränkungen an wichtigen Umsteigeflughäfen erschwerten insbesondere Reisen in Richtung Asien. Die Nachfrage erholte sich anschließend nur schrittweise.
Schon zu Jahresbeginn zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Fernreisezielen. Während die Malediven und Mauritius bei den frühen Sommerbuchungen deutliche Umsatzzuwächse erreichten, lagen die Vorausbuchungen für die USA sowohl beim Umsatz als auch bei den Gästezahlen prozentual zweistellig unter dem Vorjahr.
Das Fernreisegeschäft entwickelte sich somit weniger einheitlich als die Nachfrage nach klassischen Mittelmeerzielen.
Nach dem positiven Sommergeschäft richtet sich der Blick der deutschen Reisewirtschaft auf die bevorstehende Wintersaison. Hier fällt die Entwicklung bislang schwächer aus.
Zum Buchungsstand Ende August lagen die Umsätze für den Winter 2026/27 zwei Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Bei der Zahl der gebuchten Reisenden verzeichnete Travel Data + Analytics sogar ein Minus von sechs Prozent.
Besonders deutlich war die Zurückhaltung bei längeren Urlaubsreisen mit einer Dauer von acht bis 14 Tagen. Auch Familien buchten nach den vorliegenden Auswertungen zurückhaltender als Paare oder Alleinreisende.
Bei Fernreisen lag das gebuchte Umsatzvolumen für den Winter zehn Prozent unter dem Vorjahr. Besonders starke Rückgänge verzeichneten die Vereinigten Arabischen Emirate mit 52 Prozent und die USA mit 28 Prozent. Andere Ziele wie Thailand, die Malediven und die Dominikanische Republik bewegten sich näher an ihren jeweiligen Vorjahreswerten.
Die Wintersaison beginnt Anfang November 2026 und endet im April 2027. Die bislang schwächeren Vorausbuchungen bedeuten deshalb noch keinen endgültigen Rückgang des Wintergeschäfts. Kurzfristige Reiseentscheidungen können die Bilanz in den kommenden Monaten verändern.
Die Sommerentwicklung bestätigt eine weiterhin hohe Nachfrage nach organisierten Urlaubsreisen. Ein höherer Umsatz bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Reiseveranstalter auch höhere Gewinne erzielen. Neben der Zahl der gebuchten Gäste beeinflussen Reisepreise, Aufenthaltsdauer und gewählte Reiseleistungen das Umsatzvolumen.
Für das gesamte Touristikjahr 2025/26 hatte der Deutsche Reiseverband zuletzt Reiseausgaben von knapp 85 Milliarden Euro prognostiziert. Das entspricht einem erwarteten Wachstum von etwa einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch im Januar hatte der Verband mit einem stärkeren Anstieg gerechnet.
Damit zeichnet sich für die deutsche Reisewirtschaft ein Jahr mit moderatem Wachstum ab. Besonders Mittelmeerziele und Kreuzfahrten tragen zur Nachfrage bei. Der schwächere Buchungsstand für den Winter zeigt zugleich, dass sich der positive Verlauf des Sommers nicht ohne Weiteres auf die nächste Reisesaison übertragen lässt.
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