Riesenhai vor Scharbeutz? Was über die Sichtung bekannt ist

Das Bild zeigt eine Lupe, die etwas sucht und symbolisiert eine Internetsuche
Symbolbild mit KI erstellt

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Berichte über einen angeblichen Riesenhai in der Ostsee vor Scharbeutz in Schleswig-Holstein sorgen für Aufmerksamkeit. Eine bestätigte Riesenhai-Sichtung in der Lübecker Bucht lag jedoch zunächst nicht vor. Weder eine belastbare Artbestimmung noch eine behördliche Warnung für Badegäste war zunächst bekannt. Damit ist vor allem eine Unterscheidung wichtig: Haie können grundsätzlich in der westlichen Ostsee vorkommen, ein aktuell vor Scharbeutz schwimmender Riesenhai ist dadurch aber nicht automatisch belegt.

Riesenhai vor Scharbeutz bislang nicht offiziell bestätigt

Für die Darstellung, vor Scharbeutz sei aktuell ein Riesenhai gesichtet worden, fehlte zunächst eine unabhängige Bestätigung. Insbesondere lag keine offizielle Mitteilung vor, in der Polizei, Gemeinde oder eine wissenschaftliche Einrichtung ein Tier anhand geeigneter Aufnahmen eindeutig als Riesenhai bestimmt hätte. Auch eine wegen eines Hais verhängte Sperrung der Badestrände in Scharbeutz war zunächst nicht bekannt.

Das ist bei Sichtungen von Meerestieren ein wichtiger Unterschied. Eine Rückenflosse oder ein großer dunkler Körper im Wasser genügt allein nicht für eine sichere Artbestimmung. Gerade auf größere Distanz können unter anderem Schweinswale, andere Fische oder schwimmende Gegenstände falsch eingeordnet werden. Für eine verlässliche Bestimmung sind meist aussagekräftige Fotos oder Videos und die Einschätzung von Fachleuten erforderlich.

Riesenhaie können den Ostseeraum erreichen

Völlig ausgeschlossen wäre ein Riesenhai in der Region dennoch nicht. Der Riesenhai mit dem wissenschaftlichen Namen Cetorhinus maximus ist ein weit wandernder Meeresfisch des Atlantiks. Die Helsinki-Kommission HELCOM, die sich mit dem Schutz der Ostsee befasst, führt ihn für ihren Zuständigkeitsbereich als sehr seltenen Besucher aus der Nordsee. Ein regelmäßiges Vorkommen erwachsener Tiere im Ostseeraum ist nicht bekannt.

Dass größere Haie überhaupt bis in den westlichen Ostseeraum gelangen können, hängt mit der Verbindung zur Nordsee zusammen. Über Skagerrak, Kattegat und die dänischen Meerengen gelangt salzhaltiges Nordseewasser in die Ostsee. Je weiter man nach Osten kommt, desto stärker sinkt der Salzgehalt. Viele typische Meeresarten finden deshalb vor allem in der westlichen Ostsee geeignetere Bedingungen als im zentralen und östlichen Teil des Binnenmeeres.

Von einem Riesenhai geht für Badegäste keine typische Gefahr aus

Sollte sich tatsächlich einmal ein Riesenhai in die Lübecker Bucht verirren, wäre seine enorme Größe allein kein Hinweis auf eine Gefahr für Menschen. Riesenhaie gehören zu den größten Fischen der Erde und können mehrere Meter lang werden. Sie jagen jedoch keine großen Beutetiere. Stattdessen schwimmen sie häufig mit weit geöffnetem Maul durch planktonreiches Wasser und filtern winzige Organismen aus dem Meer.

Der Riesenhai gilt deshalb nicht als Haiart, die Menschen als Beute betrachtet. Fachstellen beschreiben die Tiere grundsätzlich als ungefährlich für Menschen. Wegen ihrer Größe sollte dennoch Abstand gehalten werden. Das gilt für Begegnungen mit großen Wildtieren generell. Boote, Schwimmer und andere Wassersportler sollten Tiere weder verfolgen noch berühren oder einkreisen.

Haie sind in der Ostsee selten

Die Aussage, in der Ostsee gebe es überhaupt keine Haie, ist falsch. Entscheidend ist allerdings, zwischen regelmäßig vorkommenden Arten und seltenen Irrgästen zu unterscheiden. Untersuchungen zu Haien und Rochen in deutschen Meeresgewässern zeigen, dass mehrere Knorpelfischarten in Nordsee und Ostsee nachgewiesen wurden. Dazu gehören unter anderem Hundshai und Dornhai. Andere Arten treten lediglich vereinzelt auf.

Die Ostsee bietet vielen Haien keine optimalen Bedingungen. Sie ist ein Brackwassermeer und damit deutlich salzärmer als der offene Atlantik oder große Teile der Nordsee. Besonders in der westlichen Ostsee können marine Arten zeitweise weiter nach Osten vordringen. Regelmäßige Begegnungen von Badegästen mit größeren Haien gehören dennoch nicht zum normalen Bild an deutschen Ostseestränden.

Auch aus der Lübecker Bucht gibt es frühere Hai-Nachweise

Dass Haie in der Lübecker Bucht grundsätzlich vorkommen können, ist bereits durch frühere Funde belegt. Ende 2014 ging einem Fischer vor dem Brodtener Ufer bei Travemünde ein etwa 60 Zentimeter langer Kleingefleckter Katzenhai ins Netz. Das Tier wurde anschließend in der Ostseestation auf dem Priwall untergebracht. Dieser Fund zeigt zugleich, wie außergewöhnlich solche Nachweise in der Lübecker Bucht sind.

Auch Riesenhaie wurden in deutschen Gewässern bereits beobachtet, allerdings vor allem in der Nordsee. Wissenschaftler registrierten beispielsweise Tiere im Bereich der Doggerbank und nahe des Sylter Außenriffs. Für die eigentliche Ostsee stuft HELCOM den Riesenhai dagegen als äußerst seltenen Gast ein. Aus früheren Nachweisen lässt sich deshalb nicht ableiten, dass sich derzeit tatsächlich ein Riesenhai vor Scharbeutz befindet.

Keine bestätigte Hai-Warnung für Scharbeutz

Für Badegäste in Scharbeutz ergab sich aus den bislang bekannten Angaben kein Anlass für eine besondere Hai-Warnung. Die Gemeinde weist entlang der Küste zwischen Haffkrug und Scharbeutz zahlreiche bewachte Badestellen aus. Eine aktuelle haibedingte Sperrung war zunächst nicht ausgewiesen. Sollten Rettungskräfte ein großes unbekanntes Tier unmittelbar im Badebereich feststellen und darin eine Gefahr sehen, könnten sie den Zugang zum Wasser vorübergehend beschränken.

Die derzeitige Lage ist deshalb weniger spektakulär, als die Bezeichnung Riesenhai zunächst vermuten lässt. Dass die Art theoretisch aus der Nordsee bis in den westlichen Ostseeraum gelangen kann, ist wissenschaftlich belegt. Eine aktuelle Sichtung eines Riesenhais vor Scharbeutz war dagegen zunächst nicht bestätigt. Ebenso gab es keine belastbaren Hinweise darauf, dass für Badegäste in der Lübecker Bucht eine besondere Gefahr besteht.

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