
Mehrere Vorfälle an Anlagen des deutschen Stromnetzes beschäftigen seit Beginn der Woche Polizei und Staatsanwaltschaften. Nach bestätigten Sabotageakten beziehungsweise Sabotageversuchen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen liefen am Freitag weitere Einsätze an Einrichtungen der Energieversorgung. Zugleich fahnden die Ermittler nach einem Mann, der als mutmaßlicher Verfasser von Bekennerschreiben gilt.
Am Freitagabend rückte die Polizei zudem mit zahlreichen Kräften zu einer Stromanlage in Hamm aus. Auch ein Polizeihubschrauber war im Einsatz. Der konkrete Grund für die Maßnahmen war zunächst nicht offiziell mitgeteilt worden. Unklar blieb zunächst, ob der Einsatz in Hamm mit den Ermittlungen zu den anderen Vorfällen zusammenhing. Behördliche Angaben zu einem Schaden oder einem Sabotageversuch lagen zunächst nicht vor.
Damit unterscheidet sich der Fall nach dem bisherigen Stand deutlich von den bereits näher untersuchten Ereignissen in Jänschwalde, Bergheim und Dormagen. Dort fanden die Ermittler Vorrichtungen oder Spuren, die nach Behördenangaben gezielt dazu dienen sollten, elektrische Leitungen zu beeinträchtigen.
Den Ausgangspunkt der aktuellen Ermittlungen bildeten Vorfälle am 1. September in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Am Umspannwerk Turnow-Preilack nahe dem Kraftwerk Jänschwalde wurden mehrere selbstgebaute Vorrichtungen entdeckt. Nach Angaben der Behörden sollten damit leitfähige Materialien in Höchstspannungsleitungen gebracht werden. In zwei Fällen kam es zu Kurzschlüssen.
Ein großflächiger Stromausfall entstand nicht. Die Stromversorgung blieb nach Angaben der zuständigen Stellen stabil. Das Landeskriminalamt Brandenburg übernahm die Ermittlungen. Motiv und Verantwortliche waren zunächst nicht abschließend geklärt.
Wenige Stunden später wurde in Bergheim eine Störung an einer Umspannanlage gemeldet. Die Ermittler kamen zu dem Ergebnis, dass kein technischer Defekt, sondern eine vorsätzliche Handlung vorlag. Nach Polizeiangaben war vermutlich ein leitender Gegenstand so angebracht worden, dass er gegen eine Stromleitung geschleudert werden konnte. In der Folge wurden Kraftwerksblöcke zeitweise vom Netz getrennt.
Nennenswerte Stromausfälle für Haushalte in den umliegenden Städten und Gemeinden wurden nicht festgestellt. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln unter anderem wegen des Anfangsverdachts der verfassungsfeindlichen Sabotage.
Am Donnerstagabend folgte der nächste bestätigte Sabotageversuch. Spaziergänger entdeckten nahe einem Umspannwerk in Dormagen-Gohr verdächtige Konstruktionen. Die Polizei stellte später Abschussvorrichtungen fest, die nach ihren Angaben Ähnlichkeiten mit den Konstruktionen aus Bergheim aufwiesen.
Die Vorrichtungen befanden sich in der Nähe einer Hochspannungsleitung. Zu einem Kurzschluss oder einem Schaden kam es dort nicht. Die Polizei geht dennoch von einem geplanten Sabotagedelikt aus.
Damit gibt es bei mehreren Vorfällen technische Parallelen. Ob dieselbe Person für sämtliche Taten verantwortlich ist, ist damit jedoch nicht bewiesen. Die Ermittler prüfen mögliche Zusammenhänge.
Unter Führung der Polizei Köln liefen am Freitag gemeinsame Maßnahmen von Einsatzkräften aus Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Durchsucht wurde unter anderem ein Wohnhaus in Gevelsberg, an dem der mutmaßliche Verfasser von Bekennerschreiben gemeldet ist. Der gesuchte Mann wurde dort nicht angetroffen.
Auch rund um das Kraftwerk Weisweiler und ein Umspannwerk in Eschweiler waren am Freitag zahlreiche Polizeikräfte im Einsatz. Hintergrund war, dass die Anlage in Bekennerschreiben genannt worden war.
Die Polizei durchsuchte deshalb das Gelände und die Umgebung. Dabei wurden nach Angaben des WDR unter Berufung auf die Ermittlungen zahlreiche dünne Drähte sichergestellt. Welche Bedeutung diese Gegenstände haben, war zunächst Gegenstand weiterer Untersuchungen.
Offiziell bestätigt war, dass die Einsätze in Weisweiler sowie weitere Maßnahmen in Nordrhein-Westfalen im Zusammenhang mit den Ermittlungen zu den Sabotagefällen und den Bekennerschreiben standen. Ob dort tatsächlich ein weiterer funktionsfähiger Sabotageversuch vorbereitet worden war, ließ sich daraus zunächst nicht ableiten.
Die Polizei prüft zugleich, ob der Verfasser der Schreiben tatsächlich für die darin reklamierten Taten verantwortlich ist und ob er allein gehandelt haben könnte. Eine abschließende Klärung dazu lag zunächst nicht vor.
Die Sabotage an Umspannwerken in Deutschland rückt zugleich die Widerstandsfähigkeit der Energieversorgung in den Mittelpunkt. Trotz der Eingriffe in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen blieb die allgemeine Stromversorgung nach Angaben der Bundesnetzagentur stabil. Auch die Systemstabilität sei durch die Ereignisse nicht gefährdet gewesen.
Ein Grund dafür ist die Struktur des Übertragungsnetzes. Es wird so geplant und betrieben, dass der Ausfall einzelner Leitungen oder anderer Betriebsmittel grundsätzlich aufgefangen werden kann. Automatische Schutzmechanismen trennen zudem Anlagen vom Netz, wenn Störungen auftreten und technische Schäden drohen.
Unverwundbar wird die Infrastruktur dadurch nicht. Umspannwerke gehören zu den zentralen Knoten des Stromsystems, weil dort Spannungsebenen verbunden und Stromflüsse verteilt werden. Störungen können deshalb Auswirkungen auf Kraftwerke und Leitungen haben, ohne dass unmittelbar Haushalte vom Netz getrennt werden.
Der physische Schutz kritischer Infrastruktur ist inzwischen auch stärker bundesgesetzlich geregelt. Das im März 2026 in Kraft getretene KRITIS-Dachgesetz sieht einheitlichere Anforderungen für besonders wichtige Einrichtungen vor. Dazu gehören Risikoanalysen, Resilienzmaßnahmen, Meldepflichten und je nach Gefährdung beispielsweise zusätzlicher Objektschutz oder Vorkehrungen für Ausfälle.
Die Bundesnetzagentur erklärte nach den Vorfällen dieser Woche, sie stehe mit Netzbetreibern und Kraftwerksbetreibern in engem Austausch. Betreiber und Behörden arbeiten darüber hinaus an der Identifikation und Absicherung möglicher Schwachstellen.
Der Einsatz in Hamm erweitert deshalb zunächst vor allem das Bild erhöhter Wachsamkeit rund um Anlagen der Energieversorgung. Zahlreiche Polizeifahrzeuge waren am Freitagabend an einer Stromanlage im Einsatz, zudem wurde ein Hubschrauber eingesetzt.
Was die Maßnahmen ausgelöst hatte, teilte die Polizei zunächst nicht mit. Ein Sabotageakt, eine verdächtige Vorrichtung oder ein Zusammenhang mit den Vorfällen der vergangenen Tage waren damit am späten Freitagabend nicht bestätigt.
Die laufenden Ermittlungen betreffen somit mehrere unterschiedliche Sachverhalte. Bei Jänschwalde und Bergheim sind gezielte Eingriffe in Hochspannungsleitungen festgestellt worden. In Dormagen wurde eine entsprechende Vorrichtung entdeckt, bevor ein Schaden entstand. Weisweiler wurde aufgrund konkreter Angaben aus Bekennerschreiben überprüft. Für Hamm blieben die genauen Hintergründe des Polizeieinsatzes zunächst offen.
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