
Dichter Brandrauch aus dem belgischen Hohen Venn hat am Samstag, 15. August 2026, zeitweise die Säubrennerkirmes in Wittlich lahmgelegt. Die Stadt Wittlich und der Landkreis Bernkastel-Wittlich forderten die Besucher am frühen Abend auf, das Festgelände zu verlassen. Wenig später war die Innenstadt rund um das Volksfest weitgehend geräumt. Anders als zunächst teilweise dargestellt, bedeutete die Maßnahme jedoch nicht das endgültige Aus für die traditionsreiche Kirmes. Nachdem sich die Situation verändert hatte, konnte das Fest am Abend wieder aufgenommen werden. Auch die weiteren Kirmestage bis Dienstag sind nach aktuellem Stand nicht abgesagt.
Die Entscheidung zur Räumung fiel am späten Samstagnachmittag vor dem Hintergrund einer zunehmend starken Rauchbelastung. Gegen 17.30 Uhr riefen die Stadt Wittlich und der Landkreis Bernkastel-Wittlich die Menschen dazu auf, die Säubrennerkirmes zu verlassen. Über der Stadt lag zu diesem Zeitpunkt dichter Rauch, der mit dem großflächigen Vegetationsbrand im belgischen Hohen Venn in Verbindung gebracht wurde.
Landrat Andreas Hackethal begründete die Maßnahme mit der dynamischen Wetterlage. Entscheidend war insbesondere die weitere Entwicklung des Windes. Bereits bei der Räumung war deshalb ausdrücklich keine endgültige Absage beschlossen worden. Sollte sich der Wind drehen oder abschwächen und damit die Rauchbelastung zurückgehen, sollte eine Fortsetzung des Festes noch am selben Abend möglich bleiben.
Gegen 18 Uhr war das Kirmesgelände weitgehend leer. Bilder aus der Wittlicher Innenstadt zeigten zuvor stark frequentierte Bereiche des Volksfestes nahezu menschenleer. Angaben dazu, wie viele Besucher das Gelände konkret verlassen mussten, veröffentlichten Stadt, Landkreis oder Einsatzkräfte zunächst nicht. Eine belastbare Zahl lässt sich deshalb nicht nennen.
Aus der vorsorglichen Räumung wurde keine dauerhafte Schließung. Nach einer Unterbrechung konnte die Säubrennerkirmes am Samstagabend wieder aufgenommen werden. Damit bestätigte sich die bereits zuvor vom Landkreis genannte Möglichkeit einer kurzfristigen Neubewertung der Lage.
Für die kommenden Tage änderte sich nach dem Stand vom Samstagabend ebenfalls nichts Grundsätzliches. Das Fest ist regulär von Freitag, 14. August, bis Dienstag, 18. August 2026, angesetzt. Für Sonntag und Montag waren jeweils Öffnungszeiten bis 2 Uhr vorgesehen, am Dienstag soll der traditionelle Familientag den Abschluss bilden. Eine Absage dieser Kirmestage war bis zum Samstagabend nicht bekanntgegeben worden.
Auch Teile des für Samstag geplanten Programms lagen genau in dem Zeitraum, in dem die Räumung erfolgte. Am Nachmittag hatte zunächst der traditionelle Festumzug stattgefunden. Auf dem Marktplatz waren anschließend das Kirmesprotokoll verlesen und der erste Saubraten angeschnitten worden. Für den Abend waren mehrere Musikauftritte auf den Bühnen am Marktplatz und am Pariser Platz vorgesehen.
Ursache der außergewöhnlichen Situation in Wittlich war nicht ein Brand unmittelbar in der Stadt. Der Rauch stammte zu einem erheblichen Teil vom großen Vegetationsbrand im belgischen Hohen Venn nahe der deutschen Grenze. Im Bereich der belgischen Gemeinde Baelen waren nach den am Samstagnachmittag verbreiteten Angaben rund 1.600 Hektar Wald und Vegetation betroffen.
Der Rauch wurde mit der Luftströmung weit über die eigentliche Brandregion hinausgetragen. Besonders betroffen waren in Rheinland-Pfalz der Eifelkreis Bitburg-Prüm, der Vulkaneifelkreis und der Landkreis Bernkastel-Wittlich. Zahlreiche Menschen meldeten Brandgeruch oder sichtbaren Rauch. Die Integrierte Leitstelle Trier wurde durch die Vielzahl der Meldungen stark beansprucht. In Gerolstein richteten die Einsatzkräfte deshalb ein zusätzliches Lagezentrum ein. Auch in Wittlich wurden Einsatzkräfte zusammengezogen.
Hinweise auf einen zusätzlichen größeren Brand unmittelbar rund um Wittlich lagen zunächst nicht vor. Feuerwehr und Polizei waren jedoch mit Erkundungen beschäftigt, weil die Rauchentwicklung vielerorts den Eindruck erwecken konnte, dass sich ein Feuer in unmittelbarer Nähe befand.
Die Warnungen der Katastrophenschutzbehörden gingen deutlich über eine reine Geruchsbelästigung hinaus. In betroffenen Regionen wurde vor einer möglichen erheblichen Belastung durch Brandgase gewarnt. Menschen sollten Fenster und Türen geschlossen halten und Lüftungsanlagen nach Möglichkeit abschalten. Außerdem rieten Einsatzkräfte davon ab, in Richtung sichtbarer Rauchwolken oder in Waldgebiete zu fahren, um selbst nach der Ursache zu suchen.
Wie stark die Schadstoffkonzentration unmittelbar auf dem Wittlicher Festgelände zeitweise war, wurde zunächst nicht mit konkreten Messwerten veröffentlicht. Die vorsorgliche Räumung erfolgte daher vor allem angesichts des dichten Rauchs und der schwer vorhersehbaren weiteren Entwicklung.
Gesicherte Angaben über eine größere Zahl gesundheitlich beeinträchtigter Kirmesbesucher lagen bis zum Samstagabend nicht vor. Auch über Menschen, die aufgrund der Rauchbelastung vom Rettungsdienst in Krankenhäuser gebracht werden mussten, machten die zuständigen Stellen zunächst keine entsprechenden Angaben. Das bedeutet nicht, dass es keinerlei Beschwerden gegeben hat. Eine belastbare Gesamtzahl war jedoch nicht veröffentlicht.
Die Unterbrechung traf Wittlich während eines der wichtigsten Termine im Veranstaltungskalender der Stadt. Die Säubrennerkirmes gehört nach Angaben der Stadt seit 1950 zu den größten Volksfesten im nördlichen Rheinland-Pfalz. Die Stadt spricht bei der Veranstaltung von mehr als 100.000 Besuchern und einer überregionalen Bedeutung.
Das Fest geht auf die sogenannte Säubrennersage zurück. Sie knüpft an die Einnahme Wittlichs im Jahr 1397 an. Der Überlieferung zufolge soll ein Stadttor mit einer Rübe notdürftig verschlossen worden sein. Eine Sau habe die Rübe gefressen, worauf sich das Tor öffnen ließ. Der historische Kern der Geschichte ist eine Belagerung der Stadt durch Ritter Friedrich von Ehrenburg. Das heutige Volksfest entstand 1950 auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Matthias Joseph Mehs.
Die Kirmes verbindet diese Tradition mit einem modernen Volksfest. Zum Programm gehören der große Vergnügungspark, der Festumzug, das Festschauspiel zur Säubrennersage, der traditionelle Saubraten sowie Livemusik auf mehreren Bühnen in der Innenstadt. 2026 erstreckt sich das Programm über fünf Tage.
Für Schausteller, Gastronomiebetriebe und weitere Standbetreiber bedeutete die Räumung am Samstag zwangsläufig eine Unterbrechung des Geschäftsbetriebs an einem wichtigen Festtag. Wie groß der daraus entstandene Umsatzverlust ist, war am Abend allerdings nicht belastbar beziffert.
Von der Stadt gab es zunächst ebenfalls keine veröffentlichte Gesamtschätzung zu möglichen finanziellen Folgen. Da die Kirmes noch am Abend fortgesetzt werden konnte und die übrigen Festtage zunächst bestehen blieben, ist die Situation zudem nicht mit einer vollständigen Veranstaltungsabsage vergleichbar.
Ob und in welcher Form einzelne Betreiber wegen des zeitweisen Ausfalls Ansprüche geltend machen könnten, war ebenfalls nicht geklärt. Ebenso lagen zunächst keine bestätigten Angaben über besondere Unterstützungs- oder Entschädigungsregelungen der Stadt für Schausteller vor.
Die zeitweise Räumung in Wittlich reiht sich in einen Sommer ein, in dem Wetter, Trockenheit und Brandgefahr wiederholt Auswirkungen auf größere Veranstaltungen hatten. Ende Juni wurden in Deutschland und anderen europäischen Ländern Veranstaltungen wegen extremer Hitze abgesagt oder angepasst. Das Southside-Festival in Baden-Württemberg musste wegen eines Unwetters zeitweise unterbrochen werden. Mehrere Auftritte fielen aus.
Auch Waldbrandgefahr führte bereits zu Einschränkungen. Ende Juli fiel beispielsweise der erste Tag des Schlossberg Festivals in Freiburg aus, nachdem dort die höchste Stufe des Waldbrandgefahrenindex erreicht worden war. Bei anderen Veranstaltungen wurden wegen der Trockenheit Feuerwerke gestrichen. In Nürnberg mussten im Juli ein Campingplatz und ein Open-Air-Konzert wegen eines nahen Waldbrands geräumt werden.
Für Veranstalter großer Open-Air-Events gehören neben Gewittern und Sturm damit zunehmend auch starke Hitze, extreme Trockenheit, Waldbrandgefahr und weit transportierter Brandrauch zu den möglichen Einsatzlagen. Die Situation in Wittlich zeigt zugleich, dass eine Räumung nicht zwangsläufig eine komplette Absage bedeuten muss. Entscheidend bleibt die jeweils aktuelle Gefahrenlage.
Für Wittlich blieb am Samstagabend vor allem die weitere Entwicklung des Brandes im Hohen Venn und der Windrichtung entscheidend. Die Rauchwolke hatte zuvor gezeigt, dass selbst weit vom eigentlichen Brandort entfernte Städte innerhalb kurzer Zeit erheblich betroffen sein können.
Die Säubrennerkirmes selbst konnte nach der Unterbrechung weiterlaufen. Für Sonntag stehen unter anderem Musikveranstaltungen auf mehreren Bühnen sowie am Abend eine Lasershow auf dem Programm. Montag folgen weitere Konzerte, am Dienstag endet das Fest regulär mit dem Familientag auf dem Rummelplatz. Änderungen aufgrund einer erneuten Verschlechterung der Rauchlage wären weiterhin möglich, waren am Samstagabend aber nicht angekündigt.
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