Sandro Wagner stellt bei Hannover 96 die Mannschaft in den Mittelpunkt

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Hannover 96 steht vor dem ersten Pflichtspiel unter seinem neuen Cheftrainer Sandro Wagner. Der 38-Jährige möchte dabei vor allem eines vermeiden: dass seine Person die sportliche Entwicklung des Zweitligisten überlagert. Auf der Pressekonferenz am Donnerstag, 8. Oktober 2026, betonte Wagner den gemeinschaftlichen Ansatz. Zugleich hat der frühere Nationalspieler bereits Veränderungen im Trainingsbetrieb vorgenommen und eine wichtige Personalentscheidung getroffen.

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Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) in einer unter anderem von WELT veröffentlichten Meldung berichtet, erklärte Wagner: „Es ist unser Fußball, kein Wagner-Fußball.“ Mit Blick auf seine Rolle ergänzte er, dass Hannover 96 im Vordergrund stehe. Der neue Trainer wirbt gleichzeitig um Geduld bei der Umsetzung seiner Vorstellungen.

Hannover 96 verpflichtete Wagner nach der Freistellung von Christian Titz

Der Trainerwechsel bei Hannover 96 erfolgte nach einem enttäuschenden Saisonbeginn. Am 14. September 2026 stellte der Verein den bisherigen Cheftrainer Christian Titz und dessen Assistenten André Kilian frei. Titz hatte die Niedersachsen erst im Sommer 2025 übernommen.

Nach fünf Ligaspielen lag Hannover mit vier Punkten auf Tabellenplatz 15. Bereits in der vergangenen Saison hatte der Klub als Tabellenvierter den Aufstieg in die Bundesliga knapp verpasst.

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Geschäftsführer Sport Jonas Boldt begründete die Entscheidung mit fehlender Stabilität und Klarheit in entscheidenden Spielsituationen. Zudem seien negative Entwicklungen aus der Schlussphase der vorherigen Spielzeit erneut erkennbar gewesen. Die Vereinsführung habe deshalb nicht mehr die notwendige Überzeugung gehabt, mit der bisherigen Konstellation die sportlichen Ziele erreichen zu können.

Zunächst übernahm U23-Trainer Lars Barlemann gemeinsam mit Christian Schulz die Verantwortung für die Profimannschaft.

Wagner unterschrieb einen Vertrag bis Sommer 2028

Am 19. September bestätigte Hannover 96 schließlich die Verpflichtung von Sandro Wagner. Der frühere Bundesliga-Stürmer unterschrieb einen Vertrag bis zum 30. Juni 2028 und leitete am 21. September erstmals das Training der Profimannschaft.

Sportgeschäftsführer Jonas Boldt hob bei der Vorstellung insbesondere Wagners Vorbereitung auf die Gespräche hervor. Der neue Trainer habe sich intensiv mit dem vorhandenen Kader und dem bisherigen Saisonverlauf beschäftigt.

Auch Sportdirektor Ralf Becker begrüßte die Entscheidung. Er verwies auf Wagners Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen des Fußballs und dessen Arbeit mit jungen Spielern. Besonders dessen offensiver Ansatz und das intensive Pressing passten aus seiner Sicht zum vorhandenen Mannschaftskader.

Wagner selbst hatte bei seiner Verpflichtung erklärt, dass ihn die Tradition, die Fankultur und das sportliche Umfeld des Vereins überzeugten.

Von Unterhaching über den DFB zum FC Augsburg

Sandro Wagner verfügt über Erfahrungen aus verschiedenen Trainerstationen. Seine Laufbahn an der Seitenlinie begann 2020 im Nachwuchsbereich des Deutschen Fußball-Bundes.

Im Sommer 2021 übernahm er die erste Mannschaft der SpVgg Unterhaching. Zwei Jahre später führte er den Verein als Meister der Regionalliga Bayern zum Aufstieg in die 3. Liga.

Anschließend arbeitete Wagner kurzzeitig als Co-Trainer der deutschen U20. Im September 2023 wechselte er in den Trainerstab der A-Nationalmannschaft und unterstützte Bundestrainer Julian Nagelsmann. In dieser Funktion gehörte er auch während der Heim-Europameisterschaft 2024 zum deutschen Trainerteam.

Zur Saison 2025/26 übernahm Wagner den Bundesligisten FC Augsburg. Seine Tätigkeit dort endete Anfang Dezember 2025. Seit Januar 2026 besitzt er die UEFA-Pro-Lizenz. Mit Hannover 96 übernimmt er nun erstmals einen Verein in der 2. Bundesliga.

Neuer Co-Trainer und veränderte Abläufe im Trainingsbetrieb

Der Wechsel auf der Cheftrainerposition brachte auch Veränderungen im Funktionsteam mit sich. Hannover verpflichtete am 21. September Can Ünal als zusätzlichen Co-Trainer. Der 28-Jährige kam aus dem Nachwuchsbereich des FC Bayern München, wo er seit 2022 verschiedene Jugendmannschaften betreut hatte.

Ünal ergänzt die bisherigen Co-Trainer Levent Sürme und Clemens Döring, die weiterhin zum Trainerstab gehören. Mit André Kilian hatte bereits ein Assistent des vorherigen Cheftrainers den Verein verlassen.

Auch auf dem Trainingsplatz setzt Wagner neue Schwerpunkte. In regulären Trainingswochen sollen grundsätzlich fünf Einheiten stattfinden, darunter ein Tag mit zwei Einheiten. Dazu kommen freiwillige zusätzliche Angebote für individuelle Übungen.

Besonderes Augenmerk legt Wagner auf das Gegenpressing. Nach Ballverlusten soll die Mannschaft versuchen, innerhalb von fünf Sekunden wieder in Ballbesitz zu gelangen. Gelingt das nicht, sollen die Spieler geordnet in ihre Defensivpositionen zurückkehren.

Andere Strukturen bleiben erhalten. Dazu gehört der trainingsfreie Tag drei Tage vor einem Pflichtspiel.

Torwartentscheidung gefallen: Leo Weinkauf erhält den Vorzug

Eine wichtige Personalentscheidung hat Wagner bereits getroffen. Wie die dpa am Donnerstag berichtet, soll Leo Weinkauf zunächst bis zum Jahresende die Nummer eins im Tor von Hannover 96 bleiben.

Der 30-Jährige erhält damit den Vorzug vor Pascal Loretz. Der Schweizer Torhüter soll stattdessen im DFB-Pokal eingesetzt werden. Wagner schafft mit dieser Rollenverteilung zunächst Klarheit auf einer zentralen Position.

Beim ersten Testspiel unter seiner Leitung hatte der neue Trainer beiden Torhütern Spielzeit gegeben. Gegen den Drittligisten SC Verl gewann Hannover Anfang Oktober mit 2:0. Marcel Hartel und Franz Roggow erzielten die Treffer.

Für Wagner war die Begegnung der erste Auftritt an der Seitenlinie seines neuen Vereins. Das Pflichtspieldebüt steht am Samstag, 10. Oktober, beim 1. FC Magdeburg an.

Personelle Ausfälle und Rückkehr der Nationalspieler

Bei der Vorbereitung auf den ersten Pflichtspieleinsatz muss Wagner auch die personelle Situation berücksichtigen. Offensivspieler Lars Gindorf fehlte zuletzt krankheitsbedingt im Mannschaftstraining. Nach Angaben des Vereins vom 6. Oktober konnte er weiterhin nicht teilnehmen.

Defensivspieler Karl Steinmann fällt wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel bis auf Weiteres aus. Mustapha Bundu arbeitete nach einer Muskelverletzung Anfang der Woche bereits wieder individuell mit dem Ball.

Parallel kehren die abgestellten Nationalspieler zurück. Dazu gehören unter anderem Stefan Teitur Thordarson, Benjamin Källman, Husseyn Chakroun und Virgil Ghita. Die teilweise späte Rückkehr reduziert die gemeinsame Trainingszeit vor Wagners Pflichtspielpremiere.

Konkrete zusätzliche Transfermaßnahmen stehen bei den bisherigen Personalentscheidungen nicht im Vordergrund. Vielmehr arbeitet das Trainerteam daran, die vorhandenen Spieler in die neuen Abläufe einzubinden.

Wagner will Verantwortung auf mehrere Spieler verteilen

Neben den taktischen Veränderungen verfolgt Wagner einen weiteren Ansatz: Innerhalb der Mannschaft sollen mehrere Spieler Führungsaufgaben übernehmen.

Stefan Teitur Thordarson bleibt Mannschaftskapitän. Wagner bestätigte diese Entscheidung nach dem Testspiel gegen Verl ausdrücklich. Zugleich sollen sich weitere Profis stärker in die tägliche Arbeit und die Abstimmung auf dem Platz einbringen.

„Ich will Verantwortung verteilen“, erklärte der Trainer in einem vom Verein veröffentlichten Gespräch. Dabei gehe es ihm darum, Führungsaufgaben nicht ausschließlich an den Kapitän zu knüpfen.

Sportlich übernimmt Wagner einen Verein, der mit sieben Punkten aus sechs Ligaspielen auf dem zehnten Tabellenplatz steht. Das entspricht nicht den Erwartungen der Niedersachsen, die seit ihrem Bundesliga-Abstieg 2019 auf die Rückkehr in die höchste deutsche Spielklasse hinarbeiten.

Der neue Cheftrainer sieht seine Aufgabe deshalb nicht nur darin, kurzfristig Ergebnisse zu verbessern. Auch die Spielabläufe und die Zusammenarbeit innerhalb der Mannschaft sollen weiterentwickelt werden. Bei seiner Pressekonferenz am 8. Oktober machte Wagner deutlich, dass solche Prozesse Zeit benötigen. Damit verbindet er seinen sportlichen Neustart bei Hannover 96 mit dem Anspruch, die Entwicklung der gesamten Mannschaft über die Aufmerksamkeit für seine eigene Person zu stellen.

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