Steyr Motors empfiehlt Aktionären Übernahmeangebot von Red Cat zu 39 Euro je Aktie anzunehmen

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Der österreichische Motorenhersteller Steyr Motors unterstützt die geplante Übernahme durch den US-Drohnenhersteller Red Cat. Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen den Aktionären, ihre Aktien für jeweils 39 Euro anzubieten. Das teilte das Unternehmen am Montag, 2. November 2026, mit. Die Entscheidung wurde einstimmig getroffen. Für die Übernahme gibt es bereits die Unterstützung eines wichtigen Großaktionärs. Allerdings müssen noch mehrere Bedingungen erfüllt werden, bevor die Transaktion abgeschlossen werden kann.

Anzeige

Steyr Motors bewertet Angebot von 39 Euro als angemessen

Das Übernahmeangebot für Steyr Motors wird von der SMOT Acquisition GmbH unterbreitet, einer Tochtergesellschaft des amerikanischen Technologiekonzerns Red Cat Holdings. Die Bieterin will sämtliche Aktien des österreichischen Unternehmens erwerben. Das gesamte Angebotsvolumen liegt bei rund 205 Millionen Euro.

Vorstand und Aufsichtsrat hatten ihre gemeinsame begründete Stellungnahme bereits am 30. Oktober 2026 einstimmig beschlossen. Darin bewerten sie die angebotenen 39 Euro je Aktie als finanziell angemessen und wirtschaftlich attraktiv.

Grundlage der Einschätzung ist unter anderem eine sogenannte Fairness Opinion der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Diese kommt zu dem Ergebnis, dass die angebotene Gegenleistung unter den zugrunde gelegten Annahmen finanziell angemessen ist.

Anzeige

Die Unternehmensführung verweist außerdem auf die vergleichsweise geringe Handelsliquidität der Steyr-Aktie. Aktionäre könnten mit dem Angebot einen festen Verkaufspreis erzielen, ohne auf die weitere Entwicklung des Unternehmens und die Umsetzung geplanter Geschäfte angewiesen zu sein.

Steyr Motors Aktie: Übernahmepreis liegt deutlich über früherem Börsenkurs

Der angebotene Kaufpreis von 39 Euro liegt rund 28,9 Prozent über dem Xetra-Schlusskurs vom 16. Oktober 2026. An diesem Tag hatte die Aktie bei 30,26 Euro geschlossen. Drei Tage später wurde das geplante Übernahmeangebot erstmals bekannt gegeben.

Allerdings fällt der Aufschlag bei einer längerfristigen Betrachtung geringer aus. Nach den in der begründeten Stellungnahme aufgeführten Berechnungen lag der volumengewichtete durchschnittliche Xetra-Kurs der vergangenen zwölf Monate vor der Ankündigung bei 37,36 Euro. Gegenüber diesem Wert beträgt die Prämie lediglich rund 4,4 Prozent.

Nach Bekanntgabe der Übernahmeabsichten stieg die Aktie zunächst deutlich. Am Freitag, 30. Oktober 2026, lag ihr Xetra-Schlusskurs laut den historischen Kursdaten von finanzen.net bei 35,40 Euro und damit weiterhin unter dem angebotenen Kaufpreis.

Die Kursentwicklung steht auch im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten im laufenden Geschäftsjahr. Im August hatte Steyr Motors seine Umsatzprognose für 2026 wegen Verzögerungen bei internationalen Verteidigungsprojekten von ursprünglich 75 bis 95 Millionen Euro auf rund 56 bis 61 Millionen Euro gesenkt. Gleichzeitig nahm das Unternehmen seine bisherige Mittelfristprognose für 2027 zurück.

Großaktionär und Vorstandschef unterstützen Red Cat

Die geplante Übernahme erhält Unterstützung von der B&C Holding Österreich GmbH. Die Gesellschaft hat sich verbindlich verpflichtet, ihre 780.000 Steyr-Aktien im Rahmen des Angebots anzudienen. Das entspricht einem Anteil von knapp 15 Prozent am Grundkapital.

Auch Steyr-Motors-Vorstandschef Julian Cassutti will seine eigenen Aktien im Rahmen des Angebots verkaufen. Er unterstützt die geplante Verbindung mit Red Cat und verbindet damit die Erwartung zusätzlicher Investitionen und neuer Absatzmöglichkeiten.

Aus Sicht der Unternehmensführung könnte die Zusammenarbeit insbesondere den Zugang zu internationalen Kunden verbessern. Red Cat entwickelt unbemannte Systeme und Robotiklösungen für Verteidigungs- und Sicherheitsanwendungen. Steyr Motors stellt dagegen spezialisierte Hochleistungsmotoren her, die unter anderem in militärischen Spezialfahrzeugen, Booten und als Hilfsaggregate in Kampfpanzern und Lokomotiven verwendet werden.

Damit treffen zwei Unternehmen aufeinander, deren Technologien sich insbesondere bei unbemannten maritimen Anwendungen ergänzen könnten. Konkrete wirtschaftliche Erfolge aus der geplanten Zusammenarbeit sind damit allerdings noch nicht verbunden.

Übernahme sieht Standortgarantien für Österreich vor

Bereits am 21. Oktober 2026 hatten Steyr Motors und Red Cat eine Vereinbarung über die geplante Unternehmenszusammenführung unterzeichnet.

Darin wurden auch Verpflichtungen für den österreichischen Standort festgehalten. Red Cat hat zugesagt, für einen Zeitraum von drei Jahren nach Vollzug des Angebots keine Verlagerung des Unternehmenssitzes sowie der Produktions-, Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten aus Steyr zu veranlassen.

Darüber hinaus gelten für zwei Jahre vertragliche Zusagen gegen betriebsbedingte Kündigungen. Bestehende Betriebsvereinbarungen und kollektivvertragliche Regelungen sollen unangetastet bleiben.

Auch die bisherige Vorstandsbesetzung soll erhalten bleiben. Im Aufsichtsrat strebt Red Cat dagegen eine Vertretung entsprechend dem künftig gehaltenen Aktienanteil an.

Die Vereinbarung ermöglicht grundsätzlich auch spätere Strukturmaßnahmen, darunter einen Rückzug der Aktie vom Börsenhandel oder einen Ausschluss verbliebener Minderheitsaktionäre nach den geltenden gesetzlichen Voraussetzungen. Ein solcher Schritt ist mit der gegenwärtigen Annahmeempfehlung noch nicht beschlossen.

Aktionäre können Angebot bis zum 18. Dezember annehmen

Die reguläre Annahmefrist für das Barangebot begann am 23. Oktober 2026 und endet nach den derzeitigen Bedingungen am 18. Dezember 2026 um 17 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

Aktionäre, die das Angebot annehmen möchten, müssen sich an ihre Depotbank wenden. Red Cat empfiehlt, dies spätestens drei Bankarbeitstage vor Ablauf der Frist zu erledigen. Die Bieterin übernimmt unmittelbar mit der Abwicklung verbundene Depotbankgebühren bis zu neun Euro je Depot.

Vorgesehen ist eine Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent des maßgeblichen Aktienbestands zuzüglich einer Aktie. Die bereits zugesagten Aktien des Großaktionärs B&C werden dabei berücksichtigt. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Bieterin die Annahmefrist verlängern oder die Mindestschwelle absenken.

Zudem benötigt Red Cat noch investitionskontrollrechtliche Freigaben in Österreich, Australien, Italien und dem Vereinigten Königreich. Die Genehmigungen sollen bis spätestens 30. Juni 2027 vorliegen.

Die Finanzierung soll nach Unternehmensangaben aus eigenen Mitteln des Käufers erfolgen. Ein gesonderter Finanzierungsvorbehalt besteht nicht. Die Auszahlung der angebotenen Gegenleistung erfolgt erst nach Erfüllung beziehungsweise wirksamem Verzicht auf die vorgesehenen Angebotsbedingungen.

Abschluss der Übernahme für 2027 vorgesehen

Red Cat strebt einen Abschluss der geplanten Übernahme im ersten Halbjahr 2027 an. Bis dahin hängt die Transaktion insbesondere von der erforderlichen Beteiligungsmehrheit und den behördlichen Freigaben ab.

Für Steyr Motors würde ein erfolgreicher Abschluss eine neue Eigentümerstruktur bedeuten. Das Unternehmen, dessen Aktien seit Oktober 2024 an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt werden, könnte damit Teil eines international aufgestellten amerikanischen Technologie- und Rüstungskonzerns werden.

Für die bisherigen Aktionäre steht zunächst die Entscheidung über das Barangebot im Mittelpunkt. Dabei sind neben dem festen Kaufpreis auch der persönliche Einstandskurs, mögliche steuerliche Folgen und die weiteren Bedingungen der Transaktion von Bedeutung.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu