Strategiewechsel bei ProSiebenSat.1: Konzern verkauft Reiseportale

Strategiewechsel bei ProSiebenSat.1: Konzern verkauft Reiseportale
Foto: Mohamed Hassan

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ProSiebenSat.1 setzt seinen Konzernumbau mit dem Verkauf zweier bekannter Vergleichsplattformen fort. Wie aus Unternehmensmitteilungen hervorgeht, werden billiger-mietwagen.de und CamperDays an neue Eigentümer übergehen. Der Schritt ist Teil einer größeren Neuausrichtung, mit der sich der Konzern stärker auf sein Entertainment-Geschäft konzentrieren will. Zeitgleich hat ProSiebenSat.1 die Geschäftszahlen für 2025 vorgelegt und einen vorsichtigen Ausblick für das laufende Jahr gegeben. Beide Entwicklungen zeigen, wie eng strategische Entscheidungen und wirtschaftlicher Druck derzeit zusammenhängen.

billiger-mietwagen.de und CamperDays wechseln den Eigentümer

Billiger-mietwagen.de unter dem Dach der FLOYT Mobility GmbH wird an ein Konsortium unter Führung von Pivotum Capital verkauft. CamperDays geht an eine Gruppe privater Investoren. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der Vollzug der Transaktion wird nach Unternehmensangaben für Ende April erwartet. Bereits in der vergangenen Woche hatte ProSiebenSat.1 auch die Vermarktungsunternehmen esome und Kairion an Pivotum Capital veräußert.

Beide nun verkauften Plattformen sind im Reisesegment etabliert. Billiger-mietwagen.de ist auf Mietwagenvergleiche spezialisiert und über FLOYT Mobility auch mit der französischen Marke Carigami.fr international aktiv. Nach Unternehmensangaben greifen Nutzer dort auf Angebote von mehr als 2.000 Autovermietern in über 170 Ländern zu. CamperDays vermittelt Wohnmobile und Campervans und bietet laut Unternehmen Zugang zu mehr als 40.000 Fahrzeugen an über 750 Stationen in 34 Ländern. Damit trennt sich ProSiebenSat.1 nicht von unbedeutenden Randaktivitäten, sondern von Portalen mit gewachsener Marktpräsenz.

Der Verkauf ist Teil einer größeren Strategiewende

Mit den Verkäufen setzt ProSiebenSat.1 seine Fokussierung auf das Kerngeschäft fort. Seit Januar 2026 ist der Konzern in die Segmente Entertainment sowie Commerce & Dating gegliedert. Im Mittelpunkt stehen künftig Inhalte, Plattformen, Monetarisierung, Technologie und die Weiterentwicklung des Portfolios. Vor allem lokale Inhalte, Live-Formate und die plattformübergreifende Verbreitung über lineares Fernsehen, Joyn und Distributionspartner sollen das Profil des Unternehmens schärfen.

Der Verkauf der Reiseplattformen passt in diese Linie. ProSiebenSat.1 will sich erkennbar von Geschäftsbereichen trennen, die nicht mehr zum künftigen Kern des Konzerns zählen. Das verschafft dem Unternehmen mehr Spielraum bei Investitionen und soll zugleich die Struktur übersichtlicher machen. In der Konzernplanung für 2026 sind die aktuellen Portfolioveränderungen nach eigenen Angaben bereits berücksichtigt.

Die Zahlen für 2025 erklären den Umbau

Dass ProSiebenSat.1 sein Portfolio neu ordnet, hängt auch mit der wirtschaftlichen Lage zusammen. Der Konzernumsatz lag 2025 bei 3,675 Milliarden Euro und damit um 6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Organisch, also bereinigt um Währungseffekte und Portfolioveränderungen, betrug das Minus 2 Prozent. Besonders belastend war der schwache TV-Werbemarkt, der das Entertainment-Segment deutlich traf.

Auch beim Ergebnis zeigte sich der Druck. Das adjusted EBITDA sank auf 403 Millionen Euro, das EBITDA lag bei 241 Millionen Euro und damit spürbar unter dem Vorjahresniveau. Zugleich verwies das Unternehmen auf höhere Sondereffekte, unter anderem im Zusammenhang mit der Reorganisation des Konzerns und mit Portfolioveränderungen. Umso wichtiger ist aus Sicht des Unternehmens ein strikteres Cash-Management, eine schlankere Kostenstruktur und ein aktives Portfoliomanagement.

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Joyn wächst und soll eine wichtigere Rolle spielen

Während das klassische Werbegeschäft schwächer lief, entwickelte sich Joyn im vergangenen Jahr deutlich besser. Nach Konzernangaben stiegen die AVoD-Umsätze der Streaming-Plattform um 36 Prozent, die SVoD-Umsätze legten um 25 Prozent zu. Auch die vermarktbare Reichweite wurde ausgebaut. Das Unternehmen wertet diese Entwicklung als Hinweis darauf, dass die stärkere Ausrichtung auf digitale Nutzung, lokale Inhalte und Live-Formate greift.

Zusätzlich legten die Distributionserlöse um 3 Prozent zu. Solche Einnahmen sind für ProSiebenSat.1 auch deshalb wichtig, weil sie weniger direkt vom schwankenden TV-Werbemarkt abhängen. Der Konzern versucht damit, seine Erlösstruktur breiter aufzustellen. Genau an dieser Stelle wird sichtbar, warum Entertainment und insbesondere Joyn in der neuen Strategie eine so zentrale Rolle einnehmen.

Für 2026 setzt der Konzern auf leichte Erholung

Für das laufende Jahr erwartet ProSiebenSat.1 auf organischer Basis wieder ein leichtes Wachstum. Gleichzeitig bleibt der Ausblick vorsichtig, weil die Konjunkturprognosen verhalten ausfallen und sich die Entwicklung des Werbemarkts nur schwer einschätzen lässt. Das Unternehmen geht davon aus, dass vor allem das erste Halbjahr noch von Belastungen geprägt sein dürfte, während sich die Lage in der zweiten Jahreshälfte verbessern könnte.

Immerhin konnte der Konzern die Netto-Finanzverschuldung zum Jahresende 2025 auf 1,343 Milliarden Euro senken. Auch das unterstreicht, warum Verkäufe wie jener von billiger-mietwagen.de und CamperDays für ProSiebenSat.1 derzeit mehr sind als reine Portfoliopflege. Sie sind Teil des Versuchs, den Konzern finanziell zu stabilisieren und strategisch klarer auf ein Geschäft auszurichten, das künftig vor allem von Entertainment, Reichweite und digitalen Plattformen getragen werden soll.

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