Streit im Europaparlament über mögliche Kontakte zwischen EVP und AfD

Ein unerwarteter Austritt erschüttert die AfD im Rat Münster: Ratsmitglied Hans-Jürgen Scholte verlässt die Partei und die AfD-Fraktion – behält jedoch sein Mandat. Dieser Schritt kommt nur wenige Tage nach Beginn der neuen Wahlperiode und hat weitreichende Folgen.
Foto: Mika Baumeister

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Die Debatte um mögliche EVP AfD Chatgruppen im Europaparlament sorgt für politische Spannungen über Parteigrenzen hinweg. Recherchen mehrerer Medien legen nahe, dass Mitglieder der konservativen Fraktion im Europäischen Parlament gemeinsam mit Abgeordneten aus rechten Parteien in digitalen Gruppen an politischen Inhalten gearbeitet haben sollen. Im Mittelpunkt der Diskussion steht dabei die Europäische Volkspartei, zu der unter anderem CDU und CSU gehören.

Nach den Berichten sollen Vertreter verschiedener Fraktionen in Chatgruppen miteinander kommuniziert und dabei unter anderem Gesetzestexte abgestimmt haben. Diese mögliche Zusammenarbeit hat innerhalb des EU-Parlaments Kritik ausgelöst. Politikerinnen und Politiker aus mehreren Parteien werfen der EVP vor, damit eine Zusammenarbeit mit politischen Kräften zuzulassen, die bislang von vielen Parteien ausgeschlossen wird. Die Diskussion betrifft damit grundsätzliche Fragen über den Umgang demokratischer Parteien mit rechtsgerichteten Fraktionen im Europaparlament.

Die Kritik richtet sich insbesondere gegen die Fraktionsführung der EVP. Beobachter sehen in den Berichten über Chatgruppen und informelle Absprachen einen möglichen Widerspruch zu früheren Aussagen aus der Parteiführung, wonach es keine Zusammenarbeit mit rechtsradikalen Parteien geben solle. Gleichzeitig wird in der politischen Debatte darauf hingewiesen, dass informelle Kontakte im parlamentarischen Alltag nicht ungewöhnlich sind, sofern sie nicht zu offiziellen politischen Bündnissen führen.

Politiker mehrerer Parteien kritisieren mögliche Zusammenarbeit

Die Vorwürfe über eine mögliche Kooperation im EU-Parlament zwischen EVP und rechten Fraktionen haben zu deutlichen Reaktionen geführt. Vertreter von FDP, Grünen und Linken äußerten Kritik und warfen der konservativen Fraktion vor, damit politische Grenzen zu verwischen. In der Diskussion geht es vor allem um die Frage, ob gemeinsame Abstimmungen oder informelle Absprachen mit der AfD und anderen rechten Parteien die politische Zusammenarbeit im Europäischen Parlament verändern könnten.

Mehrere Abgeordnete sehen darin eine Gefahr für die bisherige politische Abgrenzung gegenüber rechten Parteien. Sie warnen davor, dass eine Einbindung solcher Kräfte in parlamentarische Prozesse langfristige Folgen für die politische Zusammenarbeit im Europaparlament haben könnte. Die Kritik richtet sich dabei nicht nur gegen mögliche Absprachen, sondern auch gegen den Eindruck, dass Teile der konservativen Fraktion ihre Haltung gegenüber rechten Parteien geändert haben könnten.

Auch aus der Union selbst wurden Forderungen nach Aufklärung laut. Einzelne CDU- und CSU-Politiker erklärten, dass eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen bleiben müsse. Sie verwiesen auf bestehende Beschlüsse der Partei, die sowohl organisatorische als auch inhaltliche Kooperationen mit der AfD untersagen. In diesem Zusammenhang wird nun diskutiert, ob die in den Medien erwähnten Chatgruppen gegen diese politischen Leitlinien verstoßen haben könnten.

Manfred Weber weist Vorwürfe zurück und verweist auf Fraktionslinie

Der Vorsitzende der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, Manfred Weber, weist die Vorwürfe im Zusammenhang mit den EVP AfD Chatgruppen im Europaparlament zurück. Nach seiner Darstellung spiele die AfD für Mehrheitsentscheidungen oder politische Inhalte innerhalb der Fraktion keine Rolle.

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Weber betonte zudem, dass er als Fraktionsvorsitzender die strategische Ausrichtung der EVP festlege, jedoch nicht sämtliche Kommunikationskanäle einzelner Mitarbeiter kontrolliere. Damit reagierte er auf die Berichte über digitale Gruppen, in denen Abgeordnete oder Mitarbeiter verschiedener Fraktionen miteinander kommuniziert haben sollen.

Parallel dazu entwickelte sich im Europaparlament eine weitere politische Auseinandersetzung über migrationspolitische Vorschläge. Weber kritisierte dabei auch sozialdemokratische Abgeordnete im Europäischen Parlament, die seiner Ansicht nach von der politischen Linie der Bundesregierung abweichen würden.

Unterdessen äußerten sich auch Vertreter der AfD zu den Berichten über Kontakte zwischen Fraktionen. Ein AfD-Abgeordneter erklärte, die Recherchen bestätigten eine stärkere Einbindung seiner Partei in politische Prozesse des Europäischen Parlaments. Die Debatte über mögliche Kooperationen dürfte daher auch in den kommenden Wochen eine Rolle in der politischen Auseinandersetzung innerhalb der europäischen Institutionen spielen.

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