Supermarktkette Tegut steht vor Eigentümerwechsel: Migros zieht sich aus Deutschland zurück

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Die Supermarktkette Tegut steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Die Genossenschaft Migros Zürich hat angekündigt, sich aus dem deutschen Markt zurückzuziehen und große Teile der Tegut-Gruppe zu verkaufen. Nach Unternehmensangaben wurde bereits eine Vereinbarung mit dem Lebensmittelhändler Edeka geschlossen.

Die Transaktion umfasst einen wesentlichen Teil des Filialnetzes sowie weitere Unternehmensbereiche. Dazu gehören unter anderem das Logistikzentrum in Michelsrombach, die Herzberger-Bäckerei und die Betreibergesellschaft der automatisierten Kleinstmärkte „teo“.

Der Verkauf steht noch unter dem Vorbehalt der Prüfung durch das Bundeskartellamt. Erst nach einer möglichen Freigabe kann der Eigentümerwechsel umgesetzt werden.

Hunderte Märkte betroffen

Tegut betreibt in Deutschland je nach Zählweise rund 300 bis 350 Supermärkte. Die Standorte liegen vor allem in Hessen, Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg sowie in einzelnen Regionen Niedersachsens und Rheinland-Pfalz.

In aktuellen Berichten ist davon die Rede, dass etwa 200 Märkte an Edeka gehen könnten. Gleichzeitig führt Migros Gespräche mit weiteren deutschen Handelsunternehmen über zusätzliche Standorte. Welche Filialen letztlich an welche Betreiber übergehen, ist derzeit noch offen.

Insgesamt beschäftigt Tegut mehrere tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nach Angaben von Migros ist es Ziel der laufenden Verhandlungen, möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern und die Standorte weiterzuführen.

Wirtschaftlicher Druck im deutschen Lebensmittelhandel

Als Grund für den Rückzug nennt Migros vor allem die schwierige wirtschaftliche Lage im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Trotz umfangreicher Sparmaßnahmen habe sich das Geschäft von Tegut zuletzt nicht nachhaltig stabilisieren lassen.

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Zwar seien die operativen Verluste zuletzt deutlich reduziert worden, gleichzeitig habe sich das Marktumfeld weiter verschärft. Der Wettbewerb im deutschen Lebensmittelhandel gilt als besonders intensiv, da große Ketten wie Edeka, Rewe, Aldi und Lidl den Markt dominieren.

Migros erklärte, dass Tegut mit seiner Positionierung und seiner vergleichsweise kleinen Größe langfristig nur begrenzte Wachstumsmöglichkeiten habe.

Traditionsunternehmen mit Bio-Schwerpunkt

Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet und gehört seit 2013 zur Genossenschaft Migros Zürich. Das Unternehmen hat sich über Jahre einen Namen als Anbieter mit starkem Fokus auf Bio-Produkte, regionale Lebensmittel und nachhaltige Sortimente gemacht.

Nach eigenen Angaben liegt der Bio-Anteil am Umsatz bei deutlich über dem Branchendurchschnitt. Auch mit neuen Konzepten wie den rund um die Uhr geöffneten „teo“-Mini-Märkten hatte Tegut versucht, sich im Wettbewerb zu profilieren.

Zuletzt hatte das Unternehmen außerdem die Bio-Supermarktkette basic übernommen und deren Standorte in das eigene Filialnetz integriert.

Zukunft der Marke noch offen

Wie es langfristig mit der Marke Tegut weitergeht, ist derzeit noch nicht endgültig geklärt. Entscheidend wird sein, wie das Bundeskartellamt den geplanten Verkauf bewertet und wie die Märkte anschließend auf verschiedene Betreiber verteilt werden.

Für viele Regionen in Deutschland könnte der geplante Verkauf dennoch Veränderungen bedeuten. Sollte der Deal zustande kommen, würden zahlreiche Tegut-Standorte künftig unter neuen Handelsmarken weitergeführt werden.

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