
Viele Sparkassen und regionale Genossenschaftsbanken bieten Sparern weiterhin vergleichsweise niedrige Zinsen. Besonders deutlich zeigen sich die Unterschiede in Ostdeutschland. Nach einer neuen Auswertung des Vergleichsportals Verivox, die am Donnerstag, 15. Oktober 2026, veröffentlicht wurde, zahlt etwa jede dritte ostdeutsche Sparkasse weniger als 0,25 Prozent Zinsen auf Tagesgeld. Bundesweit tätige Banken bieten dagegen durchschnittlich 1,47 Prozent. Für Sparer können sich daraus erhebliche Unterschiede beim jährlichen Zinsertrag ergeben. Auch beim Festgeld liegen regionale Institute häufig hinter überregionalen Wettbewerbern.
Die Tagesgeldzinsen bei Sparkassen fallen regional unterschiedlich aus. Besonders niedrige Konditionen stellte Verivox bei zahlreichen Instituten in Ostdeutschland fest. Etwa jede dritte Sparkasse in den ostdeutschen Bundesländern bietet demnach weniger als 0,25 Prozent Zinsen auf täglich verfügbares Guthaben.
Der Abstand zu bundesweit tätigen Banken ist erheblich. Diese zahlen nach der aktuellen Auswertung durchschnittlich 1,47 Prozent Tagesgeldzinsen. Damit liegen ihre Konditionen im Schnitt mehr als dreimal so hoch wie bei den untersuchten Sparkassen. Einzelne Institute bieten sogar deutlich höhere Zinssätze. Den höchsten Wert innerhalb der aktuellen Verivox-Auswertung erreichte eine Bank in Hamburg mit 2,75 Prozent.
Für die Untersuchung wurden bundesweit 819 Banken und Sparkassen berücksichtigt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Höhe der Verzinsung nicht allein von der allgemeinen Zinsentwicklung abhängt, sondern auch erheblich vom jeweiligen Kreditinstitut.
Welche finanziellen Folgen unterschiedliche Tagesgeldzinsen haben, lässt sich anhand einer einfachen Beispielrechnung verdeutlichen. Wer 10.000 Euro für ein Jahr auf einem Tagesgeldkonto mit 0,25 Prozent Verzinsung hält, erhält bei unverändertem Zinssatz 25 Euro Zinsen vor Steuern.
Bei einem Zinssatz von 1,47 Prozent wären es dagegen 147 Euro. Allein zwischen diesen beiden Konditionen ergibt sich ein Unterschied von 122 Euro jährlich. Bei 2,75 Prozent würde der Zinsertrag sogar auf 275 Euro steigen.
Die Berechnung setzt voraus, dass das Guthaben während des gesamten Jahres unverändert bleibt und die Zinssätze konstant sind. Gerade beim Tagesgeld können Banken die Verzinsung allerdings jederzeit anpassen.
Für höhere Anlagebeträge vergrößert sich der absolute Unterschied entsprechend. Bei 20.000 Euro würde die Differenz zwischen 0,25 und 1,47 Prozent bereits 244 Euro pro Jahr erreichen.
Die niedrigen Tagesgeldzinsen sind nicht auf Ostdeutschland beschränkt. Frühere Verivox-Auswertungen zeigen ähnliche Entwicklungen in anderen Regionen Deutschlands. In Baden-Württemberg boten zuletzt rund 40 Prozent der untersuchten Sparkassen Tagesgeldzinsen zwischen null und 0,25 Prozent. Bei regionalen Genossenschaftsbanken lag dieser Anteil bei 34 Prozent. In Bayern gehörte sogar ungefähr die Hälfte der untersuchten regionalen Geldhäuser zu dieser Niedrigzinsgruppe.
Der Ostdeutsche Sparkassenverband verweist zur Erklärung auf die besonderen Strukturen regionaler Institute. In Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern unterhalten die Sparkassen nach Verbandsangaben insgesamt 1.435 Standorte. Der Betrieb dieses Filialnetzes sowie die persönliche Beratung verursachten Kosten, die bei bundesweit tätigen Direktbanken in dieser Form nicht anfielen.
Verivox sieht außerdem Unterschiede beim Wettbewerbsdruck. Überregional tätige Banken konkurrieren deutschlandweit um Einlagen und müssen ihre Konditionen entsprechend ausrichten. Regionale Geldhäuser verfügen dagegen häufig über langjährige Kundenbeziehungen. Nach Einschätzung des Vergleichsportals wechseln viele Sparer auch dann nicht zu einer anderen Bank, wenn sie dort höhere Zinsen erhalten könnten.
Die niedrigen Sparzinsen fallen in eine Phase, in der die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik wieder gestrafft hat. Am 10. September 2026 beschloss die EZB eine Anhebung ihrer drei Leitzinssätze um jeweils 0,25 Prozentpunkte.
Seit dem 16. September liegt der Zinssatz für die Einlagefazilität bei 2,50 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz steht bei 2,65 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,90 Prozent.
Die Einlagefazilität bestimmt, welche Verzinsung Geschäftsbanken für bestimmte kurzfristige Einlagen bei der Zentralbank erhalten. Sie ist damit eine wichtige Orientierungsgröße für den Geldmarkt. Ein unmittelbarer Anspruch privater Sparer auf eine entsprechende Verzinsung ihrer Bankguthaben ergibt sich daraus jedoch nicht.
Verivox hatte bereits im Juli festgestellt, dass nur 17 Prozent der damals untersuchten Banken und Sparkassen ihre Tagesgeldzinsen nach der Leitzinserhöhung vom Juni angehoben hatten. Die jüngste Untersuchung verdeutlicht, dass sich die Unterschiede zwischen den Bankengruppen weiterhin deutlich bemerkbar machen.
Anders als beim Tagesgeld sind die Zinsabstände beim Festgeld weniger ausgeprägt. Für bundesweit verfügbare Festgeldangebote mit einer Laufzeit von zwei Jahren ermittelte Verivox aktuell einen durchschnittlichen Zinssatz von 2,64 Prozent.
Ostdeutsche Sparkassen bieten bei dieser Laufzeit im Schnitt 1,75 Prozent. Regionale Genossenschaftsbanken erreichen durchschnittlich 1,89 Prozent. Damit liegen auch ihre Festgeldzinsen unter dem Niveau überregionaler Anbieter, allerdings ist der relative Abstand geringer als beim Tagesgeld.
Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Verfügbarkeit des Geldes. Tagesgeldguthaben können grundsätzlich jederzeit abgerufen werden. Bei Festgeld vereinbaren Bank und Kunde dagegen eine feste Laufzeit und einen entsprechenden Zinssatz. Während dieser Zeit ist das angelegte Geld normalerweise nicht frei verfügbar.
Der Ostdeutsche Sparkassenverband verweist deshalb darauf, dass Tagesgeld vor allem für kurzfristig benötigte Rücklagen vorgesehen ist. Für Gelder, die über einen längeren Zeitraum nicht gebraucht werden, kommen auch andere Anlageformen infrage.
Beim Vergleich von Sparangeboten spielt nicht nur die Höhe des beworbenen Zinssatzes eine Rolle. Besonders hohe Tagesgeldzinsen gelten teilweise ausschließlich für Neukunden oder für neu eingezahltes Geld. Nach wenigen Monaten können sie auf einen niedrigeren regulären Zinssatz zurückfallen.
Entscheidend sind deshalb auch die Dauer der Zinsgarantie, mögliche Höchstbeträge für die Verzinsung und die Konditionen nach Ablauf einer Aktion. Zudem ist die Eröffnung eines zusätzlichen Tagesgeldkontos bei vielen Banken möglich, ohne das bestehende Girokonto aufzugeben.
Ein weiterer Aspekt ist die Sicherheit der Einlagen. In Deutschland schützt die gesetzliche Einlagensicherung Bankguthaben grundsätzlich bis zu 100.000 Euro je Kunde und Institut. Auch innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums gelten entsprechende gesetzliche Mindestanforderungen. Bei ausländischen Banken sollten Sparer prüfen, welches nationale Sicherungssystem zuständig ist.
Unabhängig von der Einlagensicherung können niedrige Zinsen dazu führen, dass Sparguthaben real an Wert verlieren. Liegt die allgemeine Teuerungsrate über der erzielten Verzinsung, nimmt die Kaufkraft des Geldes trotz positiver Zinserträge ab.
Die neue Verivox-Auswertung macht damit vor allem eines deutlich: Obwohl für Banken inzwischen wieder höhere Zentralbankzinsen gelten, unterscheiden sich die Konditionen für private Sparer weiterhin erheblich. Besonders bei größeren Guthaben kann der Zinssatz der eigenen Hausbank einen spürbaren Unterschied machen.
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