Tech-Milliardär Peter Thiel hält vertrauliche Seminare in Rom

Die Polizei NRW nutzt Palantir-Software zur Datenanalyse – auch mit Infos aus Münster. Warum das rechtlich umstritten ist und was der Ausbau für Bürger bedeutet.
Symbolbild: Mariia Shalabaieva

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Der Unternehmer Peter Thiel steht derzeit wegen mehrerer geplanter Vorträge in der italienischen Hauptstadt im Fokus internationaler Berichterstattung. Der Mitgründer des Datenanalyseunternehmens Palantir hält Mitte März in Rom eine Reihe vertraulicher Seminare, die sich mit religiösen und apokalyptischen Themen befassen sollen. Die Treffen finden zwischen dem 15. und 18. März statt und richten sich ausschließlich an geladene Gäste. Beobachter sprechen von ungewöhnlich abgeschirmten Veranstaltungen rund um den Tech-Investor, der seit Jahren durch politische und ideologische Positionen auffällt.

Nach übereinstimmenden Medienberichten gelten für die Teilnehmer strenge Regeln. Telefone sind nicht erlaubt, Aufzeichnungen oder Notizen ebenfalls nicht. Dadurch bleibt unklar, welche Inhalte Thiel in den Vorträgen tatsächlich behandelt. Bekannt ist lediglich, dass es um religiöse Motive wie den Antichristen sowie um apokalyptische Deutungen der Gegenwart gehen soll.

Die Seminare haben bereits im Vorfeld politische Aufmerksamkeit ausgelöst. Während einige Beobachter die Veranstaltungen als philosophisch-religiöse Diskussionsrunden betrachten, sehen Kritiker sie als Teil eines ideologischen Netzwerks konservativer Denker. Die ungewöhnliche Geheimhaltung verstärkt zusätzlich das öffentliche Interesse an den Treffen in der italienischen Hauptstadt.

Organisation der Veranstaltungen und Reaktionen aus Politik und Öffentlichkeit

Zunächst kursierten Spekulationen, die Seminare könnten an der Päpstlichen Universität St. Thomas von Aquin stattfinden. Die Einrichtung, auch unter dem Namen Angelicum bekannt, widersprach jedoch dieser Darstellung. Der Rektor erklärte öffentlich, dass die Universität weder Veranstalter sei noch ihre Räumlichkeiten dafür zur Verfügung stelle.

Stattdessen werden die Treffen von einem Kulturverein organisiert. Dabei handelt es sich um die Vereinigung „Vincenzo Gioberti“ aus Brescia, die mit dem römischen Ableger der Catholic University of America zusammenarbeitet. Nach Angaben der Organisatoren sollen bei den Veranstaltungen Fragen diskutiert werden, die sich aus der Tradition klassischer Philosophie und christlicher Denktraditionen ergeben.

Der Besuch des Investors hat inzwischen auch politische Reaktionen ausgelöst. Vertreter der oppositionellen Demokratischen Partei in Italien kündigten an, im Parlament eine Anfrage an die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zu stellen. Dabei soll geklärt werden, ob Treffen zwischen Thiel und Mitgliedern der italienischen Regierung geplant sind.

Kritik kommt zudem aus dem politischen Spektrum der Grünen. Die Abgeordnete Elisabetta Piccolotti verwies darauf, dass Thiel Mitgründer des Datenanalyseunternehmens Palantir ist. Das Unternehmen steht seit Jahren wegen seiner Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden und staatlichen Institutionen in verschiedenen Ländern in der Kritik. Piccolotti äußerte die Vermutung, dass mögliche Gespräche in Italien auch wirtschaftliche Kooperationen betreffen könnten.

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Religiöse und politische Thesen des Investors

Peter Thiel beschäftigt sich seit einiger Zeit öffentlich mit religiösen und philosophischen Fragen. Bereits im Herbst 2025 veranstaltete er in den USA Seminare, in denen er über die Figur des Antichristen und über apokalyptische Szenarien diskutierte. In diesen Veranstaltungen ging es laut Berichten um die Frage, wie religiöse Motive auf politische und gesellschaftliche Entwicklungen der Gegenwart übertragen werden könnten.

Dabei argumentierte Thiel demnach, dass sich eine solche Figur heute auch hinter Institutionen oder politischen Bewegungen verbergen könnte, die vorgeben, Stabilität und Frieden zu sichern. In diesem Zusammenhang verwies er unter anderem auf globale politische Strukturen oder technologische Regulierung. Diese Entwicklungen könnten aus seiner Sicht zwar Sicherheit versprechen, zugleich aber individuelle Freiheiten einschränken.

Zu seinen öffentlichen Äußerungen gehört außerdem die These, dass Demokratie und individuelle Freiheit nicht zwingend miteinander vereinbar sein müssten. Solche Positionen sorgen regelmäßig für kontroverse Debatten über seine politischen Vorstellungen.

Auch einzelne gesellschaftliche Bewegungen wurden in diesem Zusammenhang von Thiel thematisiert. In früheren Vorträgen verwies er unter anderem auf Klimaaktivismus als Beispiel für Entwicklungen, die seiner Einschätzung nach tiefgreifende Veränderungen westlicher Gesellschaften auslösen könnten.

Unternehmerkarriere und politischer Einfluss

Peter Thiel wurde 1967 in Frankfurt am Main geboren und wuchs später in den Vereinigten Staaten auf. Er studierte Philosophie und Rechtswissenschaften an der Stanford University und gehörte später zu den Mitgründern des Online-Bezahldienstes PayPal. Sein Vermögen machte ihn zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten im Silicon Valley.

Besonders bekannt ist Thiel heute auch als Mitgründer des Datenanalyseunternehmens Palantir. Die Firma entwickelt Software zur Auswertung großer Datenmengen und arbeitet unter anderem mit Sicherheitsbehörden und militärischen Einrichtungen zusammen. Dadurch geriet das Unternehmen mehrfach in politische und gesellschaftliche Debatten über Datenschutz und staatliche Überwachung.

Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit engagierte sich Thiel auch politisch. Bereits im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 unterstützte er öffentlich den damaligen Kandidaten Donald Trump finanziell. Auch mehrere konservative Politiker aus dem Umfeld der Republikanischen Partei erhielten in der Vergangenheit Unterstützung aus seinem Netzwerk.

In den vergangenen Jahren trat Thiel zudem verstärkt als politischer Ideengeber in Erscheinung. Beobachter beschreiben ihn als einflussreiche Figur in internationalen konservativen und religiös geprägten Debatten. Seine Seminare und Vorträge, wie nun auch die Veranstaltungen in Rom, gelten dabei als Orte für ideologische Diskussionen über Zukunftsfragen westlicher Gesellschaften.

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